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Zeichnen Basic #6: Die Schraffur

Lektion 6 Modul 2

Wochentraining "Zeichnen Basic"

Block 2 Lektionen 6–10: Die Schraffur

Lektion 6: Die Schraffur – Der Start

Willkommen zur 6. Lektion des Basiskurses „Zeichnen“!

Materialliste

  • 8 Blätter ca. DinA4
  • Bleistifte verschiedener Härten

Nachdem wir uns nun 5 Lektionen primär mit der Linie beschäftigt haben und deren Einsatzmöglichkeiten, fangen wir mit der heutigen Übung an, uns mit der zweitwichtigsten Sache in der Zeichnung auseinanderzusetzen: der Schraffur.

Glaubt man Wikipedia, so kommt das Wort „Schraffur“ aus dem Italienischen von „sgraffiare“ gleich „kratzen“. So bezeichnet das Wort „sgraffito“ die Gesamtheit vieler feiner, gerader, paralleler Linien, die in Zeichnungen, Plänen, Karten oder Illustrationen eine Fläche herausheben.

Heute ist das Wort „Schraffur“ in seiner Bedeutung ein wenig offener, insofern als dass es nicht dünne parallele Linien sein müssen, sondern es sind allgemein Linienverdichtungen, die am Ende eine Fläche darstellen. Diese Fläche kann aber ganz unterschiedliche Charaktere haben.

  • Du kannst mit unterschiedlichen Bleistiftstärken schraffieren
  • Du kannst tatsächlich sehr sachlich schraffieren, mit parallelen Linien
  • Du kannst mit sehr individuellen Linien schraffieren
  • Du kannst mit Kritzellinien schraffieren, um lebhafter zu erscheinen.
  • Du kannst verschiedene Lagen Schraffur übereinanderlegen
  • Du kannst einheitlich helle oder dunkle Flächen schraffieren
  • Du kannst Verläufe schraffieren von hell nach dunkel oder umgekehrt
  • Du kannst extrem zart schraffieren
  • Du kannst exakt an eine Begrenzung heranschraffieren
  • Du kannst eine Schraffur offen und lebhaft enden lassen 

Während man eine Linie einfach „macht“, muss man eine Schraffur erarbeiten. Es ist einfach ein Unterschied, ob Du eine Linie machst oder 297.

Schraffur darf dauern, auch in Skizzen darf Schraffur einige Zeit in Anspruch nehmen. Darüber reifen schraffierte Flächen. In der Regel ist eine schraffierte Fläche mehr, als dass man sie einfach rasch füllen möchte, damit man eine z.B. mittelgraue Fläche hat. Wir haben bei der Linie über Akzente und Virtuosität gesprochen. Dasselbe kannst Du auch bei der Fläche erreichen. Allerdings dauert es ein bisschen, um eine schraffierte Fläche wirklich leben zu lassen und erleben zu können.

Also ... wir müssen Schraffuren machen und trainieren, um dafür ein Gefühl zu bekommen und genau damit fangen wir heute an!

Die nächsten vier Lektionen ab der kommenden Woche sind immer mit einer Schraffurübung kombiniert. Nach diesen gezielten Schraffurübungen lernen wir es immer mehr in der praktischen Anwendung.

Zu der Übung gibt es ein kleines Video. Es ist leichter zu zeigen, wie man in bestimmten Situationen schraffieren kann, als dass man versucht, es zu erklären.

Schau Dir das Video vorher an, entweder direkt komplett oder in Etappen, step by step gemäß der heutigen Übung.

«Diese Zeichnungen haben sich ganz einfach ereignet, und wenn es sich einmal ereignet, baut man darauf auf. Einige nennen es Zufall, andere Schicksal.»

Keith Haring

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Die Vorbereitung der Papiere

Wir brauchen für 8 Schraffuren, die wir heute trainieren wollen, 8 Papiere. Da Schraffur tatsächlich dauert und wir sie lieber intensiv ausführen wollen, als zu flüchtig, weil das Papier zu groß ist, zeichne auf jedes Blatt ein Quadrat von 10x10 cm bis 15x15 cm.

Entscheide Dich jedoch für eine Größe und markiere pro DinA4 Blatt auch nur ein Quadrat. Dieses sind die Quadrate, die es heute mit Schraffur zu füllen gilt.

Die Aufgaben – Die Füllungen – Die Schraffuren

Blatt 1 H-Bleistift

Fülle Dein erstes Quadrat mit zarten parallelen Linien. Die Linien müssen nicht parallel zum Rand Deines Quadrates sein, sondern lediglich parallel in sich.

Versuche an der Rändern sauber abzuschließen. Das wird nicht sofort klappen. Werde generell nicht ungeduldig. Du musst Deine Hand über einen gewissen Zeitraum für diese Form von Bewegungen zuerst einmal sensibilisieren.


Blatt 2 H-Bleistift

Wiederhole die Vorgehensweise von Blatt 1, setze eine zweite Schicht darüber, wieder mit parallelen Linien, aber in einer anderen Ausrichtung, wiederhole diesen Schritt ein zweites Mal.

Fülle mit allen drei Schichten die komplette Fläche.

Schraffur

Blatt 3 HB-Bleistift

Fülle die komplette Fläche mit kleinen Kritzellinien. Versuche auch hier am Rand sauber abzuschließen.

Schraffuren

Blatt 4 HB-Bleistift

Schraffiere die komplette Fläche mit einem HB-Bleistift. Arbeite ähnlich wie auf Blatt 1, aber ändere die Richtung immer wieder leicht, so dass automatisch mehrere Überschneidungen entstehen.

Schraffuren

Blatt 5

Wiederhole Blatt 4. Nun versuche den Bleistift in der linken Hälfte wesentlich fester aufzudrücken als in der rechten. Vielleicht gelingt es Dir sogar, die beiden Seiten fließend ineinander übergehen zu lassen.

Schraffuren

Blatt 6

Versuche das gleiche noch einmal, dieses Mal aber mit den Kritzellinien aus Blatt 3.

Schraffuren

Blatt 7

Versuche Deinen ersten Verlauf, schraffiere die linke Seite extrem dunkel, schraffiere die rechte Seite extrem hell, versuche beide Extreme mit einem fließenden Übergang, mit einem Verlauf miteinander zu verknüpfen.

Die Dunkelheit versuche zu erreichen, indem Du erstens mehr aufdrückst und zweitens mehrere Schichten übereinander lagerst. Den hellen Bereich erreichst Du durch eine leichte Schicht.

Nimm die Art zu schraffieren, wie in Blatt 4. Hier musst Du bereits extrem viel Feingefühl anwenden. Versuch Dein Bestes aber lass Dich nicht frustrieren, wenn es nicht gleich klappt. Das ist einer der Gründe, warum Du in der Zeichnung die Kontinuität brauchst, um erfolgreich weiterzukommen.

Schraffuren

Blatt 8 8B-Bleistift

Schraffiere eine einheitliche Fläche mit halbwegs parallelen Linien. Die Linien sollten aber noch zu sehen sein. Dann schraffiere die Ecke oben links extrem dunkel, fast schwarz und stelle einen Verlauf zum Rest der Fläche her.

Schraffuren

 Nun hast Du Deine ersten exzessiven Schraffuren ausgelebt! Bravo!

Bei den nächsten vier Aufgaben wird es zu Beginn immer eine Vorübung geben. Diese Vorübung wird immer darauf abzielen, 3-4 solcher Quadrate mit immer wieder anderen Schraffuren zu füllen.

Danach kommt dann jeweils die Zeichenaufgabe. So kannst Du Dich papiermäßig immer schon etwas vorbereiten. Versuche auch immer mal wieder andere Papiere auszuprobieren. Die Papierqualität beeinflusst die Qualität der Zeichnung extrem. So lernst Du auch Deine Lieblingspapiere herauszufinden!

Reflektion

1. Welche Schraffur fandest Du am besten?

2. Was war für Dich am überraschendsten?

3. Wie bist Du mit den Rändern klargekommen? 

Nun lehne Dich zurück, bestell Dir einen Masseur, der Deinen beanspruchten Arm und Deine Zeichenhand wieder auf Vordermann bringt, oder ... genieße einfach die Woche!

Dein HOWDOYOUKUNST-Team

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