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Zeichnen Basic #39: eine Landschaft und ein Baum

Lektion 39 Modul 8

Wochentraining Zeichnen Basic

Lektionen 30-35 Landschaften 

Lektion 39: Eine Landschaft und ein Baum

Willkommen zur neununddreißigsten Lektion des Basiskurses „Zeichnen“!

Materialliste

  • 1 Bogen glattes Zeichenpapier, DinA4 bis DinA3, gerne auch etwas dazwischen
  • Bleistifte
  • Eine der Vorlagen

Was wäre das Thema Landschaft ohne Bäume? Gerade in unseren mitteleuropäischen Graden sind Landschaften mit Bäumen die naheliegendsten Landschaftsformen, an die wir denken. Aus dem Grunde sind es natürlich auch immer die, die in jeder qualitativen Nuance dargestellt werden und geworden sind.

Um einen Baum in der Landschaft soll es heute gehen. Das heißt wir haben einen sehr klaren Vordergrund und einen ganz klaren Hintergrund, die wir miteinander zu einem Bild verbinden und verknüpfen werden.

Da sie so oft dargestellt werden, unterliegen Bäume schnell einem gewissen Klischée. Mit diesem Motiv ein ernsthaftes Bild oder womöglich Kunst zu schaffen, ist tatsächlich gar nicht so einfach. Es wird schnell ein bisschen, sagen wir mal, traditionell bis konservativ bis ...

Wenn Du einen Baum komplett „durchzeichnest“, näherst Du Dich dieser Gefahr des Klischées und Kitsches sehr stark an. Wichtiger ist es dann also, auf die Zeichnung, auf die Komposition, auf die Schwerpunktbildung einzugehen, als primär auf die Abbildung. Du siehst daran aber auch, so sehr dieser Punkt bei diesem Thema auch in den Vordergrund rutscht, so wichtig ist dieses Thema bei jedem Bild, das Du zeichnest.

Natürlich ist das Bild, die Abbildung, wichtig und Thema, aber es gibt eben auch noch übergeordnete Ebenen, übergeordnete Faktoren, die letztlich fast wichtiger sind.Um so klischéehafter ein Thema ist, um so einfacher ist dieser Aspekt zu verstehen und zu verinnerlichen. Deshalb .... der Baum!!!

Du findest 5 Fotos von 5 verschiedenen Bäumen in der Landschaft. Suche Dir Deinen Lieblingsbaum aus. Denke aber bei der Auswahl aber auch an die Umsetzung. Manchmal ist der Gedanke an eine bestimmte Umsetzung oder die Idee ausschlaggebender als das Darzustellende selbst.

Landschaft Baum
Landschaft Baum
Landschaft Baum
Landschaft Baum
Landschaft Baum

9 Schritte zum Baum

Schritt 1 Die Skizze der Hintergrundlandschaft

Der Start ist meistens unsere altbekannte Skizze oder Vorskizze.

Eine Orientierungsphase zu Beginn lässt uns im weiteren Verlauf einfach locker sein. Das soll nicht immer der Weg sein, aber in den Momenten, in denen es eigentlich um ein anderes Thema geht, ist es immer schön, man kann auf bereits Bewährtes zurückgreifen.

Skizziere den Hintergrund des Baumes, die Landschaft selbst! Tue so, als wäre der Baum gar nicht da, gar nicht vorhanden, und skizziere an der Stelle des Baumes die Landschaft komplett durch.

Und da es um Orientierung geht, bleibe lieber zart. Setze keine pointierten dunklen Linien, sondern helle Linien, die wenn sie am Ende noch sichtbar sind, nicht groß in die Komposition eingreifen.


Schritt 2 Die Skizze des Baumes

Nun wiederhole Schritt 1, nur dieses Mal bezogen auf den Baum selbst. Es geht nicht um Detail, sondern um Orientierung.


Schritt 3 Erste zarte Flächen

Schraffiere erste zarte bis halbzarte Flächen überall ein bisschen, über die gesamte Zeichnung. Überall ein bisschen bedeutet hier und da, fülle nichts endgültig, sondern fange an zu füllen. Es geht um eine leichte Basis, nichts kompositionsbeeinflussendes.


Schritt 4 Die obere Hälfte Dunkelheit

Inzwischen haben wir in vielen Zeichnungen schon massive Dunkelheiten gesetzt. In diesem Schritt geht es um massive Dunkelheiten und um normale Dunkelheiten. Das Novum: Setze diese Dunkelheiten ausschließlich in die obere Hälfte Deiner Zeichnung. Damit lösen wir uns von der Realität des Motivs und beziehen uns auf die Zeichnung selbst. Dieser Schritt ist damit motivübergeordnet.


Schritt 5 Der Schwerpunkt

Teile Deine Zeichnung gedanklich in drei waagerechte Drittel ein.

Nun suche Dir im mittleren Drittel einen Bereich heraus, den Du als Schwerpunkt ausformulierst. Hier zeichne sehr genau, sehr detailreich, setze viele Schichten, Schraffuren, sei schnell und pingelig zugleich und genieße diesen fast schon meditativen Schritt!

Er darf dauern, denn der Bereich, den Du in diesem Schritt herausarbeitest, hat kompositorisch gesehen in Deiner späteren Zeichnung eine wichtige Rolle inne.


Schritt 6 Ein paar Flächen überall

Nun setze noch einmal ein paar Flächen und Flächlein überall! Hier musst Du ein bisschen nach Deinem Gefühl hantieren.

In dieser Zeichnung, in dieser Übung hast Du zum einen die Schritte, die sich ganz klar auf einen ganz bestimmten Bereich der Zeichnung beziehen, also kompositorisch steuern und führen.

Im Gegenzug benötigst Du aber auch die Schritte, die überall ein bisschen stattfinden und die Zeichnung so auch immer wieder zusammenziehen.

Die feine Balance zwischen kompositorisch steuern und auch wieder zusammenziehen und ausgleichen, um die geht es in dieser Übung ganz besonders. Hier einen Richtwert vorzugeben, ist nicht möglich, da die Ausführung von den bisherigen Schritten abhängig ist.

Entscheide also selbst, wie viel Du in diesem Schritt schraffierst. So bekommst Du nach und nach ein Gefühl für solche Gegensätze und lernst sie immer feiner auszusteuern. Dieses Feingefühl ist es am Ende, welches die Qualität von Zeichnung ausmacht.


Schritt 7 Die obere Hälfte

Nach dem letzten eher vereinheitlichenden Schritt kümmere Dich in diesem Schritt wieder mehr um die obere Hälfte. Formuliere sie einfach ein Stückchen weiter aus, allerdings bei weitem nicht so stark wie Deinen Schwerpunkt. Auch hier gehe wieder nach Gefühl und sei Dir der feinen Nuancen bewusst.


Schritt 8 Die zeichnerischen Gegenpunkte

Du hast bemerkt, es kann um sehr feine Nuancen gehen. Das ist auch der Grund, weshalb wir im Laufe der Zeit unsere Wahrnehmung immer weiter sensibilisieren müssen. Diese Bereiche kann der Betrachter in der Regel nicht erklären, aber er spürt die Intensität und das Feingefühl einer Zeichnung durchaus. Für den Zeichner wird es immer berauschender, wenn er anfängt zu spüren, wie feinnuanciert er arbeiten kann.

Du brauchst jetzt noch einmal zwei winzige Schwerpunkte. Winzig heißt wirklich winzig. Zwei winzigste Schwerpunkte als Gegenpol zur oberen Hälfte und zum eigentlichen Schwerpunkt. Arbeite diese beiden Pünktchen, Bereichlein genau so gut aus wie den eigentlichen Schwerpunkt im mittleren Drittel der Zeichnung.


Schritt 9 Der letzte Schliff

Der letzte Schritt soll noch einmal ein letzter Schliff sein, ein Abschluss. Arbeite da noch einmal nach, wo Du es für nötig befindest. Bringe sie in ein abschließendes Gleichgewicht.


Wenn Du auf Deine Zeichnung schaust, was hast Du für ein Gefühl?

Wow coole Zeichnung! Superbaum! Geiler Schwerpunkt! Klasse Landschaft! ?

Du siehst, obwohl das Motiv jeweils dasselbe ist, kannst Du ganz verschiedene Ziele verfolgen, was der Rezipient beim Betrachten Deiner Zeichnung sieht bzw. was Du ihm an erster Stelle vermitteln möchtest.

Je mehr Du zeichnest, um so mehr wirst Du feststellen, dass Dich bald nicht mehr eine Sache als solche interessiert bzw. inspiriert, sondern die Idee, die Du damit verbindest.

Reflektion

1. Was wäre der Unterschied, hättest Du statt einem zwei Bäume in deiner Landschaft? Gäbe es Unterschiede? Ergäben sich neue Ideen?

2. Was wäre anders, wenn Du Dich in einem Wald befändest und dort einen Baum zeichnen würdest?

3. Nach dieser Übung und nach all diesen Gedanken, was müsstest Du berücksichtigen, wenn das Motiv ein Baum auf einem Hügel wäre? Was wäre anders? Ergäbe sich eine neue Idee? Ergäbe sich ein neues Problem?

4. Wie findest Du Deine Zeichnung? Bist Du zufrieden? Was hättest Du im Nachhinein gerne anders gemacht? Was findest Du an Deiner Zeichnung richtig klasse?

Habe eine baumreiche und sonnige Woche, genieße die Zeit!

Dein HOWDOYOUKUNST-Team

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