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Zeichnen Basic #34: It’s Coffee Time!

Lektion 34 Modul 7

Wochentraining "Zeichnen Basic"

Lektionen 31-35 Experimentelle Untergründe

Lektion 34: It’s coffee time!

Willkommen zur vierunddreißigsten Lektion des Basiskurses „Zeichnen“.

Kaffee und Pinsel

Materialliste

  • Löslicher Kaffee
  • 6 verschiedene Zeichenpapiere in DinA4 (ggf. 12)
  • Deckweiß oder Grundierweiß oder weiße Wandfarbe
  • Zewa oder alte Lappen
  • breiter Flachpinsel
  • Bleistifte
  • Buntstifte
  • Wasser
  • Gefäß zum Anrühren
  • Verschiedene Buntstifte
  • Roter Filzstift
  • Gegenstände Deiner Wahl aus dem Haushalt (siehe Aufgabe)

In dieser Woche wollen wir das Thema der letzten Woche, das Weißeln, noch einmal etwas vertiefen. Dieses Mal bearbeiten wir verschiedene Papiere in DinA4 mit Kaffee und weißer Grundierung.

Was steckt eigentlich hinter dieser Kombination?

Kaffee hat in der Malerei, also in der Kombination mit Farbe die unleidliche Eigenschaft, immer wieder nach vorne zu kommen, überdeckt man ihn mit Farbe.

Du setzt also eine Kaffeefläche, hast das Gefühl, sie ist fehl am Platz und willst sie deshalb weiß überstreichen ... und was passiert? So langsam zieht sich der unter dem Weiß liegende Kaffee wieder an die Oberfläche und wird zumindest zu einem Teil wieder sichtbar.

Manchmal ärgerlich ist es doch für uns eine ganz interessante Eigenschaft. Denn dadurch entstehen verhaltene Strukturen, die Du durch das Gestalten mit dem Kaffee sehr stark beeinflussen kannst. Das sind perfekte Mal- und Zeichengründe!

Warum nehmen wir verschiedene Papiere, um diese Untergründe zu schaffen?

Sicherlich wirst Du während Deiner inzwischen vielen Zeichnungen, die Du gemacht hast, festgestellt haben, dass Papier nicht immer gleich Papier ist.

Es gibt Zeichenpapiere, da kannst Du den Bleistift aufdrücken, wie Du möchtest, Dir gelingt es nicht, wirklich schwarze Spuren zu hinterlassen, sondern Du polierst den Bleistift eher glänzend.

Andere Papiere haben einen extremen Abrieb, dass selbst ein H-Bleistift sehr markante Spuren hinterlässt.

Auf dem zuerst genannten Papier würdest Du diese Spur mit dem H-Bleistift wahrscheinlich kaum erkennen. Es gibt verschiedene Tönungen, verschiedene Grammaturen und verschiedene Strukturen.

Aber das Papier wirkt sich nicht nur auf den Bleistift aus, der verschiedene Strukturen hinterlässt, sondern ebenso auf Buntstifte, Filzstifte und natürlich auch auf Tusche.

Auf einigen Papieren verläuft Tusche leicht, auf anderen steht sie gestochen scharf auf dem Papier. Auf einigen Papieren sinkt sie sofort in das Papier hinein und kann ihre Farbkraft nicht entfalten – ein Schwarz wird hier z.B. nur Anthrazit – auf anderen trocknet sie nur schlecht auf und entwickelt ggf. sogar Strukturen.

Diese Zusammenhänge gelten natürlich auch für unsere Materialkombination löslicher Kaffee und weiße Grundierung. Die Oberfläche ist nicht immer deshalb gleich, weil wir jeweils dasselbe Material (Grundierung und Kaffee) verwenden, um die Papiere zu bearbeiten. Sondern auch hier entstehen durch die unterschiedlichen Papiere auch unterschiedliche Qualitäten in der Oberfläche.

Versuche mit 6 verschiedenen Papierqualitäten in dieser Übung zu arbeiten.

So kannst Du wunderbar ausprobieren, welches Papier nicht einfach nur am besten funktioniert, sondern welches Du für Dein Material am ehesten schätzt.

Übrigens, wenn es Deine Zeit erlaubt, mache pro Papierqualität gleich 2 Untergründe. So könntest Du sowohl Bleistift als auch Tusche ausprobieren.

Wie gehst Du nun aber vor, um die Untergründe tatsächlich vorzubereiten?

Es sind letztendlich 3 wesentliche Schritte. Wenn Du das Thema „Untergründe“ einmal verinnerlicht hast, wirst Du sehen, Du kannst diese kleine Folge von drei Arbeitsschritten unendlich erweitern und verändern, um immer wieder neue und andere Untergründe entstehen zu lassen. Heute bleiben wir aber bei unseren drei Arbeitsschritten:

1. Das Papier wird umlaufend mit Tesakrepp auf einen festen Untergrund geklebt. Das kann einfach ein Holz- oder Zeichenbrett sein.

Die Bereiche, an denen das Tesakrepp auf das Papier aufgeklebt ist, werden natürlich nicht mit bearbeitet. Wenn Du die Klebestreifen später entfernst, bleibe hier also weiße Streifen. Diesen umlaufenden Rand kannst Du als Rahmen, Passepartout oder Ordnungsrand stehen lassen. In dem Fall setze die Tesakreppstreifen sehr gleichmäßig und ordentlich auf das Papier, damit der Rand später sehr gleichmäßig ausfällt.

Genauso gut kannst Du diesen Rand auch später einfach abschneiden. Manchmal wirkt er auch etwas hausbacken.

2. Nun setzt Du Dir eine Kaffeelösung an aus löslichem Kaffee und Wasser. Nimm ein Mischungsverhältnis von 2-3 Teilen Kaffee und einem Teil Wasser. Aber auch hier gilt: Probiere gerne verschiedene Mischungen aus, um mehr Erfahrungswerte zu bekommen.

Diesen Kaffee trage nun mit ganz unterschiedlichen Pinseln ganz verschiedenartig auf Deine Papiere auf:

kaffeebohne

experimentell und wild

kaffeebohne

in Punkten

kaffeebohne

in Streifen

kaffeebohne

in geordneten Flächen

kaffeebohne

gestisch und ungestüm

kaffeebohne

zeichnerisch linear

Probiere einfach viel aus, aber bearbeite immer mindestens 50% des jeweiligen Blattes, gerne auch wesentlich mehr.

3. Im letzten Schritt trage deckendes Grundierweiß deckend auf, aber wie in der letzten Woche wische es vorsichtig wieder von den Blättern herunter, so dass es durchaus noch einigermaßen deckend stehen bleibt, aber der Untergrund sehr glatt wird.

Denn jede Form von leicht dreidimensionaler, malerischer Struktur ist für eine Zeichnung mehr als hinderlich.

Es ist ein durchaus subtiler Schritt, den Du hier ausführst. Wischst Du zu viel Weiß wieder herunter, trage wieder etwas auf und wiederhole diesen Schritt. Dann lass alles in Ruhe trocknen und schaue wie stark oder wenig stark der Kaffee hindurchkommt. Manchmal entstehen auch nur sehr subtile Blätter. Lass Dich einfach überraschen!

Wenn Du den Klebestreifen nach dem Trocknen der Blätter abziehst, ziehe ihn immer nach außen ab, um das Papier nicht zu beschädigen.

Thematisch bleiben wir heute bei kleinen Gegenständen, die Du in Originalgröße absolut mittig auf das jeweilige Papier zeichnest, ggf. minimal nach oben versetzt. Hier sprechen wir von der optischen Mitte. Es scheint mittig zu sein, obwohl es weiter oben ist. Bei der rechnerischen Mitte scheint der Gegenstand eher etwas nach unten zu rutschen, obwohl er sich faktisch exakt in der Mitte befindet.

In Originalgröße bedeutet übrigens, der Gegenstand sollte in etwa so groß gezeichnet werden, wie er in der Realität tatsächlich ist. Wähle also eher kleine Gegenstände. So bleibt bei diesen Gegenständen auf dem Papier bewusst sehr viel unbehandelter Rand oder Umraum und die Zeichnungen sind schneller fertig. Du kannst also mehrere Papiere ausprobieren.

Hier ein paar Beispiele für mögliche Gegenstände

  • eine Streichholzschachtel
  • ein abgenutztes Tuschefässchen
  • ein kleines Gebäckstück
  • ein offenes Paket Tempos
  • eine Knoblauchzehe usw.

Schlendere einfach durch Deine Wohnung oder durch Dein Haus und suche Dir 6 Gegenstände dieser Kategorie zusammen. Die Schrittfolge für die Zeichnungen fällt eher kurz und klassisch aus.

Der Schwerpunkt liegt auf dem Papier und die Kombination mit Zeichnung. Mache immer erst eine Zeichnung komplett fertig, bevor es jeweils zur nächsten geht.

Und jetzt viel Spaß beim Zeichnen auf neuen Untergründen.

P.S.: Leuchte Deine Gegenstände von einer Seite mit einer Schreibtischlampe an.

Schrittfolge für Minis in Originalgröße

Schritt 1 Die Skizze

Starte mit der üblichen Skizze, anfangs eher mit einem HB-Bleistift und vorsichtig, Dich der Form annähernd. Plaziere den Gegenstand genauso wie vorher beschrieben. Wenn Du das Gefühl hat, die Proportionen stimmen, setze einige Linien akzentuierter, entweder mit mehr Druck oder mit einem 2B-Bleistift!

Zeit: 2-3 Minuten


Schritt 2 Der graue Schlagschatten

Umfahre mit einem H-Bleistift mit einer ruhigen klaren Linie den Schlagschatten auf dem Untergrund. Schraffiere ihn komplett mit einem hellgrauen Buntstift aus, ganz gleichmäßig und ganz ruhig, vielleicht sogar so, dass am Ende keine Striche in der Schraffur mehr zu sehen sind. Es soll eine ruhige und sachliche Fläche sein.

Zeit: 2-3 Minuten


Schritt 3  1-3 Farben – Buntstifte

Nun greife zu 1-3 motivbezogenen Buntstiften und schraffiere entsprechende Flächen aus. Du definierst also einige realistische Flächen farbig. Jetzt arbeite aber gestisch akzentuiert und flächig. Diese Flächen sollen wieder einen zeichnerischen Charakter haben.

Zeit: 3-5 Minuten


Schritt 4  Schwärze

Schraffiere die gewohnte Schwärze. Alle dunklen Stellen Deiner Gegenstände schraffiere wirklich dunkel und charakterstark, sprich: durchaus akzentuiert.

Zeit: 1-2 Minuten


Schritt 5 Komplettschraffur

Nun schraffiere den Gegenstand komplett aus mit Bleistiften Deiner Wahl. Dazu ein kleiner Hinweis: Schraffierst Du eher mit Bleistiften von HB bis 2B, bleiben eher Linien stehen. Das haucht einer Zeichnung mehr Leben ein. Außerdem sprachen wir vorher über Papiereigenschaften, die sich noch dazu durch die Vorbehandlung der Untergründe verändern. Versuche dementsprechend Deine Bleistiftwahl anzupassen.

Zeit: 3-5 Minuten


Schritt 6 Die rote Schattenlinie

Den Abschluss bildet eine rote Filzstiftlinie. Damit ziehe alle Außenkonturen der Gegenstandsbereiche nach, die sich im Schatten befinden! Diese Linien sollten sachlich und durchgehend sein. Sie definieren den Gegenstand in den Bereichen ihrer Präsenz sehr genau.

Zeit: 3-5 Minuten


 Und jetzt nen Kaffee...

Das Interessante bei dieser Art der Untergründe ist, dass diese selbst oft schon so wahnsinnig aufregend sind. Manche möchte man am liebsten ohne Zeichnung stehen lassen. Fast empfindet man das Bearbeiten derselben in diesem Moment als Frevel. Aber ... da müssen wir durch.

Wenn Du noch Zeit und Muße hast, jetzt oder zu einem späteren Zeitpunkt, exerziere eine adaequate Abfolge auch noch einmal mit Tusche durch – Zeichenfeder, Rohrfeder und Aquarellpinsel in Kombination.Du wirst überrascht sein, wie gut diese Kombi in der Tat funktioniert. Viel Spaß dabei!

Stephan

Reflektion

1. Was würdest Du sagen, wo liegt der Hauptunterschied zwischen Zeichnungen auf einfachen weißen Papieren und diesen Untergründen? Was bringt es den Zeichnungen?

2. Hast Du das Gefühl, diese Untergründe eignen sich auch ganz besonders für bestimmte zeichnerische Themen?

3. Welche Zeichnung ist Deines Erachtens am besten geworden? Versuche zu beschreiben, woran das liegt? Hat es etwas mit den Untergründen zu tun?

Genieße Deinen Erfolg und freue Dich schon jetzt auf die nächste Übung in der kommenden Woche!

Dein HOWDOYOUKUNST-Team

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