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Zeichnen Basic #29: Fenchel an Dremel-Multi

Lektion 24 Modul 5

Wochentraining "Zeichnen Basic"

 Lektionen 26-30 Objektkombis

Lektion 29:  Fenchel an Dremel-Multi

Dremel

Willkommen zur neunundzwanzigsten Lektion des Basiskurses „Zeichnen“!

Materialliste

  • 1 Blatt A3 in weiß, längs halbiert
  • Tesakrepp
  • Tusche Ocker und dezentes Grün, sowie Schwarz, ggf. andere
  • Bleistifte
  • schwarzer Marker
  • breiter Flachpinsel

Unsere kleinen Objektkombis gehen weiter. Heute gibt es „Fenchel an Dremel-Multi“!

Aufgrund des technischen Geräts wird die Farbe Schwarz bzw. die intensive Dunkelheit eine nicht unwesentliche Rolle spielen.

Hinzu kommt aber auch die Frage nach dem Format. Bislang haben wir uns eher den DIN-Formaten verschrieben. DIN-Formate sind Formate, die für Printmedien, Druckereien, Industrie usw. genormt sind. Das Prinzip ist ein ganz einfaches: Halbiert man ein DIN-Format, bekommt man immer das nächstkleinere. Verdoppelt man es, erhält man entsprechend das nächstgrößere. Solche genormten Formate haben unter vielen Aspekten sicherlich etwas sehr Praktisches, aber auch, gerade für uns Künstler, einen enormen Nachteil. Sie bedienen extrem unsere Sehgewohnheiten.

DIN-Formate, sowie auch einige andere Formate, sind überall in unserem Umfeld. Wollen wir also nicht, dass der Betrachter über unser Zeichenformat „stolpert“ bzw. sich sehr der Zeichnung als solches widmet, sind diese Formate wunderbar. Wenn wir die Formate bewusst ändern, wenn wir bewusst Extreme wählen, wenn wir unser Zeichenformat extrem vom Objekt und unserer Zielsetzung abhängig machen und frei wählen, dann bedienen wir plötzlich eben nicht mehr unsere Sehgewohnheiten und erlangen beim Betrachter mehr Aufmerksamkeit aufgrund unserer ganz eigenen Papierformate.

Damit ist die Wahl des Zeichenformates die erste Auseinandersetzung mit dem Thema Komposition und mit unserer zeichnerischen Zielsetzung. Heute wollen wir uns zumindest etwas mit dem Zeichenformat unserer Objektkombination annähern, indem wir ein Din-A3-Blatt zugrunde legen und dieses dann längs halbieren. Damit erhalten wir zwei lange schmale Formate. Eines davon nutzen wir heute für unsere Zeichnung. Dabei nun viel Spaß!

Ich bin gespannt, wie Du dem neuen Format begegnen wirst!

„Ich bin hinter den flüchtigen Erscheinungen dieser Welt in ihren wechselnden Verkleidungen her...“ 

Horst Janssen

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Die Übung

Schritt 1 Der grüne Grund mit grünen Punkten

Warum nicht wieder mit einem grünen Grund starten?

Zu diesem Zweck klebe Dein Papier wieder mit Tesakrepp auf einen festen Grund und bearbeite es mit einer warmen grünen Lasur aus grüner Tusche und Wasser.

Du kannst die Tuschen übrigens wunderbar untereinander mischen, um zu Deinem Traumwunschton zu kommen. Hellst Du grüne Tusche mit Gelb auf, bleibt sie kräftig. Nimmst Du eher ein Ocker, wird es dezenter. Probiere es in Ruhe aus.

Wenn Du die Lasur über eine Fläche von 80% mit einem breiten Flachpinsel gesetzt hast, sprenkle noch etwas kräftiges Grün ODER Ocker mit ein, solange die erste Lasur noch nass ist.

Lass alles in Ruhe trocknen, ggf. auf der Heizung oder mit dem Fön und starte mit Schritt 2.

Zeit: solange es dauert


Schritt 2 Festlegen der Dimensionen

Wenn wir schon ein besonderes Papierformat nehmen, sollten wir auch den nächsten Schritt der Komposition optimal betreiben, nämlich die Platzierung des Objektes auf dem Papier.

In diesem Fall sollte der Gegenstand größtmöglich auf das Papier gesetzt werden. Aber wir alle kennen die Situation: Wir fangen an zu zeichnen und am Ende passt irgendetwas nicht mehr auf das Papier oder wir haben noch ganz viel Platz.

Aus dem Grunde gibt es in diesem Fall noch einen Schritt vor der Vorzeichnung. Setze einfach nur Markierungen, wo was sein müsste, um Dein Blatt optimal zu nutzen, kleine Punkte oder Linien, die am Ende nur Du kennen und zuordnen musst. So weißt Du genau, was in der Vorzeichnung wohin kommen soll. Du wirst sehen, es geht so viel einfacher.

Beispiele für Markierungen:

  • oben und unten
  • die seitlichen Ausdehnungen
  • Platzierung der Stiele usw.

Zeit: rasch


Schritt 3 Die Vorzeichnung

Erst jetzt starte mit der Vorzeichnung.

Zeichne die einzelnen Gegenstände, achte auf Proportionen, setze Details, mache alles was zur Formen- und Detailerfassung notwendig erscheint. Gehe gerne schon sehr ins Detail.

Zeit: 10-15 Minuten


Schritt 4 Die feingliedrigen Blätter und die dicken Stiele

In diesem Schritt soll es um zwei Teilbereiche Deines Kombiobjektes gehen: Stiele und die feingliedrigen Blättchen. Gegensätzlicher könnte dieser Schritt kaum sein.

Die Stiele zu zeichnen ist nachvollziehbar. Arbeite mit ein bis zwei grünen Farbstiften und arbeite die Stiele nach gewohnter Manier heraus. Setze Verläufe, Plastizität usw.

Bei den winzigen Blättchen sieht es schon anders aus. Diese so exakt zu zeichnen ist fast nicht möglich. Deshalb versuchen wir das Prinzip dieser Blätter zu verstehen. Im Grunde genommen sind es kleine Stippen, kurze akzentuierte Linien mit verschiedenen Dichten.

Also nimm einen grünen Farbstift, der zur Fenchelfarbe passt und setze ebendiese Stippen (kurze akzentuierte Linien) in der entsprechenden Dichte. Falls Du auch längere Stielchen oder Blätter siehst, zeichne diese separat!

Zeit: solange es dauert


Schritt 5 Dunkelheit und Plastizität

In diesem Schritt arbeite mit einem extrem weichen Bleistift (ab 7B) und setze alle dunklen Stellen die Du siehst. Insbesondere der Dremel-Multi wird Dich fordern, auch darin, den Bleistift immer wieder anzuspitzen.

Wenn Du alle extrem dunklen Stellen gesetzt hast, kümmere Dich um die etwas helleren und den Verläufen von sehr dunkel zu dunkel zu mittelhell. So schaffst Du schon mal einen guten Anteil Plastizität.

Zeit: solange es dauert


Schritt 6 Der geteilte Hintergrund – schwarz und weiß

Der Hintergrund soll auch eine besondere Rolle einnehmen. Das Prinzip kennst Du bereits.

Ziehe mit Lineal und schwarzem Marker eine Horizontale, und zwar so weit oben, dass ca. 2-3 cm des Dremels oben frei bleiben.

Ziehe die Linie natürlich nicht über die Figur. Es geht um den Hintergrund. Der ganz untere Hintergrund, unterhalb dieser Horizontalen, soll Schwarz werden. Zu diesem Zwecke arbeite mit schwarzer Tusche und einem Tuschpinsel zuerst die Konturen heraus!

Arbeite so exakt, dass Du immer exakt bis zur Kontur kommst, sie aber nicht übermalst. Lass lieber einen schmalen weißen Spalt zwischen Tusche und Bleistiftkontur, anstatt die Kontur zu übermalen. Anschließend fülle den kompletten unteren Hintergrund mit schwarzer Tusche aus.

Zeit: solange es dauert


Schritt 7 Der harte Bleistift

Was von Deinem Kombiobjekt ist zeichnerisch noch etwas vernachlässigt? Auf jeden Fall die Fenchelknolle. Schraffiere diese ganz zart und plastisch mit einem H-Bleistift. Sie sollte sehr hell bleiben.

Falls Dir noch andere Bereiche auffallen, die über eine weitere Bearbeitung mit dem Bleistift nicht unglücklich wären, ist jetzt der Zeitpunkt, um auch diese Bereiche noch zu bedenken.

Zeit: solange es dauert


Schritt 8 Dremel – der Titel

Was wäre der Dremel oder eine Dremelzeichnung ohne seinen blauen Schriftzug „Dremel“?

Setze diesen Schriftzug oben in die weiße Hintergrundfläche. Dabei hast Du zwei Möglichkeiten. In beiden Möglichkeiten ist die Farbe blau und das Material ein Buntstift:

  • Versuche exakt die Schrifttype zu übernehmen und setze diese Schrift in der weißen Hintergrundfläche entweder formatfüllend oder ganz klein an einer Stelle Deiner Wahl im weißen Hintergrund.
  • Oder schreibe handschriftlich. Versuche aber nicht einfach Deine Handschrift zu übernehmen, sondern setze jeden Buchstaben einzeln als würdest Du gestisch eine wilde zeichnerische Spur hinterlassen wollen. Hierbei geht es nicht um Lesbarkeit, sondern um akzentuierte rasante variationsreiche geile Linien. In diesem Fall mach vorher unbedingt ein paar Tests auf Makulaturpapier.

Zeit: rasend schnell


 Hast Du inzwischen eigentlich eigene Objektkombis kreiert und fotografiert?

Spannend wäre doch, das eine oder andere Objekt zu zeichnen und das Papierformat jeweils komplett individuell zu bestimmen. Vielleicht findest Du ein paar Mußestunden.Kommen wir zum Abschluss, wie immer, zu unseren werten Reflektionsfragen.

Reflektion

1. Kannst Du beschreiben, wo in Deiner Zeichnung der absolute Schwerpunkt ist? Wo sind die zweit- und drittwichtigsten Stellen? Der Betrachter folgt genau diesen verschieden dominanten Bereichen und schaut sich so durch Deine Zeichnung durch. Das heißt, Du bestimmst, wo er anfängt und wo er aufhört, ohne dass er es merkt. Also versuche selbst dafür sensibel zu werden, wo in Deinen Zeichnungen die Bereiche liegen, die man als Betrachter sehr schnell wahrnimmt.

2. Wie findest Du Deine Zeichnung? Macht sich das Papierformat tatsächlich in irgendeiner Form bemerkbar?

3. Wenn Du zurückschaust auf die anderen Objektkombis, die Du bereits gezeichnet hast, was für Papierformate hätten sich Deines Erachtens angeboten, wenn Du sie hättest individuell bestimmen können?

Nun genieße Deine hoffentlich sonnige Woche und freue Dich auf die letzte Aufgabe, in der unsere Objektkombis die Objekte unserer Begierde sind!

Dein HOWDOYOUKUNST-Team

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