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Zeichnen Basic #1: Die Vorstellung des Bleistiftes (GRATISKLEKTION!)

Lektion 1 Modul 1

Wochentraining "Zeichnen Basic"

Block1 Lektionen 1-5 Die Linie und einfache Gegenstände

Gratislektion!

Lektion 1: Die Vorstellung des Bleistiftes

Alle Lektionen sind jeweils in Themenblöcke eingebettet. Ein Themenblock enthält 5 Lektionen. Somit wird es alle 5 Wochen ein neues Thema für Dich geben.

Im ersten Themenblock kümmern wir uns um die Linie und einfache Gegenstände, wobei natürlich auch ein sinnvolles Basiswissen vermittelt wird, z.B. wie heute über den Bleistift.

Die wöchentlichen praktische Übungen ermöglichen Dir ein gezieltes Erlernen von zeichnerischen Zusammenhängen. 

Wir werden ganz vorne bei Null anfangen und dann zügig voranschreiten.  Wichtig für Deinen Lernerfolg ist eine gehörige Portion Kontinuität:

Je mehr Du über die Lektionen hinaus „arbeitest“, um so schneller und tiefer wirst Du in die Materie eintauchen. Gerade das Zeichnen ist immer mit Kontinuität verknüpft. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Du mit den ersten Übungen – später natürlich auch – in erster Linie Deine Wahrnehmung trainierst.

Du kannst immer nur das zeichnen, was Du auch siehst. Wie willst Du also einfache und komplexe zeichnerische Zusammenhänge darstellen, wenn Du sie nicht erkennst? Aus dem Grunde brauchst Du am Anfang auch etwas Geduld mit Dir selbst. Seine zeichnerischen Qualitäten muss man sich tatsächlich erarbeiten. Bleibst Du jedoch kontinuierlich dabei, wirst Du Dich wundern, wie schnell Du vorankommen wirst!

Das so wunderbare ist, zeichnen kannst Du immer und überall. Ob Du in einem Café sitzt oder auf den Bus wartest, im Aeroplano nach Barcelona fliegst oder morgens beim Frühstück etwas verschlafen Dein Müsli in Dich hineinmümmelst, habe einfach immerfort Dein Skizzenbuch dabei und skizziere etwas aus Deinem Umfeld.

Wundere Dich nicht, wenn Du merkst, dass die zeichnerische Ähnlichkeit mit der Realität womöglich etwas auf sich warten lässt, aber das liegt tatsächlich in der Natur der Sache.

Wir starten!

1. Als erstes möchte ich Dir unser Material erläutern: den Bleistift und das Papier.

2. Anschließend geht es um so etwas scheinbar Profanes wie das Anspitzen des Bleistiftes.

3. Danach machen wir eine erste Übung zur Qualität der Linie. Gerade dieser Punkt wird Dir auf Dauer eine schöne zeichnerische Qualität bescheren.

Der Bleistift

Schaut man in der heutigen Üblichkeit einfach mal bei Wikipedia vorbei, stößt man auf folgende Erklärung:

„Ein Bleistift ist ein Schreibgerät mit einer Mine, die in einen Schaft eingebettet ist. Das bis ins späte 18. Jahrhundert zur Herstellung der Mine verwendete Graphit wurde irrtümlich für das Bleierz Galenit (Bleiglanz) gehalten. Die sich daraus ergebende Bezeichnung „Bleistift“ (umgangssprachlich auch manchmal Bleier) hat bis heute überdauert.

Seit dem 19. Jahrhundert wird die Mine aus einem Graphit-Ton-Gemisch gebrannt. Der Schaft wird in der Regel aus Holz gefertigt, häufig aus dem Zedernholz genannten Holz des Virginischen Wacholders. Geläufig sind auch Druckbleistifte und Fallminenstifte mit Kunststoff- oder Metallmantel.

Hauptsächlich wird der Bleistift für Zeichnungen, technische oder künstlerische Skizzen, zum Stenografieren oder für Notizen verwendet.

Seine Vorteile liegen in der einfachen Handhabung, der Möglichkeit, auch mit der Spitze nach oben zu schreiben, einer vergleichsweise hohen Lichtechtheit, der relativen Wischfestigkeit sowie in der Möglichkeit, das Gezeichnete oder Geschriebene mit einem Radiergummi wieder zu entfernen.“

Gerade der letzte Punkt sollte Dich zu Beginn nicht interessieren. Ein Radiergummi versuche zu vermeiden. Man gewöhnt sich zu sehr an, jede Unsicherheit direkt wieder zu entfernen, aber gerade die ungewollten und überflüssigen Linien sind die, die wir zum Erzeugen von Lebendigkeit so notwendigerweise benötigen!

Härtegrade

Bei dem Bleistift selbst gibt es aber noch einen sehr wichtigen Aspekt. Bleistift ist nicht gleich Bleistift. Sondern er hat ganz unterschiedliche Härtegerade. Dazu werden folgende aus dem englischen stammende Kürzel verwendet:

  • F = firm – fest, stabil
  • B = black – schwarz im Sinne von weich
  • H = hard – hart.

Während bei F nicht weiter differenziert wird, gibt es bei B und H unterschiedliche Gradationen. H ist hart, 2H härter usw. 9H hat dann eine Härte, mit der man kaum noch Linien erzeugen kann.

Genauso bei B. B ist weich, 2B weicher und 9B ist schließlich extrem weich und man kann extreme Schwärzen erzielen. HB und F sind wiederum die mittleren Stärken.

Wir benötigen – auch immer abhängig von den Abriebeigenschaften des Papiers – eine kleine eine kleine Bleistiftkollektion von H bis 9B. Diese Bleistifte werden uns in den nächsten Wochen begleiten.

Das Papier

Papiere generell und so auch Papiere zum Zeichnen sind eine Wissenschaft für sich. Wir brauchen in der Regel eher glatte ggf. leicht getönte Zeichenpapiere, die gute Abriebeigenschaften haben. Sind diese nicht vorhanden, fällt es schwer tatsächlich Dunkelheiten zu erzeugen.

Formate in DinA4 und DinA3 sind zu Beginn absolut ausreichend.

Das Anspitzen

Ich empfehle Dir keinen Anspitzer, sondern einen Cutter zu benutzen, ein kleines Messerchen. Der Anspitzer hat den großen Nachteil, dass Du zwar nach dem Anspitzen direkt, eine dünne Linie erzeugen kannst aufgrund der erzeugten Spitze, aber sie sich sehr schnell immer mehr abrundet und immer weniger exakte Linien entstehen können.

Spitzt Du den Bleistift eher mit einem Cutter etwas kantig an, brauchst Du denselben immer wieder nur leicht zu drehen, sobald eine Kante abgenutzt ist. So nutzt Du den Bleistift solange, bis Du auf „Holz“ triffst und erst dann kantest Du nach. Eine Anleitung zum Anspitzen findest Du im folgenden Video:

Die ersten Linien

Um zu verstehen, was eine gute Linie ist, müssen wir uns zuerst klar machen, was ein einzelner Bleistift, ob hart oder weich, alles kann. Zwar nutzen wir schnell mal eher einen weichen Bleistift, um Schwärzen zu erzeugen, oder einen harten Bleistift für exaktere Linien, aber ein einzelner Bleistift kann eigentlich alles.

Machen wir uns die Möglichkeiten doch mal an einer Klaviertaste klar. Eine einzelne Taste drückst Du hauchfein herunter und es entsteht ein ebenso zarter gehauchter Ton. Hälst Du die Taste, schwingt er zart nach. Drückst Du dieselbe Taste normal herunter, entsteht ein exakterer klarer Ton, drückst Du sie mit aller fingerscher Kraft und lässt die Taste direkt wieder los, erhältst Du einen abgehackten extrem lauten Ton. Dazwischen ist alles möglich, Du kannst hunderte von akkustischen Nuancen und Tönen erzeugen. Und das gleiche funktioniert auch bei einem Bleistift, unabhängig davon ob er weich oder hart ist. Auch wenn wir also verschieden weiche Bleistifte benutzen, ist es am Ende doch viel entscheidender, wie wir sie benutzen, um eine Vielzahl linearer Variationen zu erhalten.

In der folgenden Übung füllst Du einfach 10 DinA4 Blätter mit Linien unterschiedlicher Natur! Wie genau wird für jedes Blatt in der Aufgabe erklärt. Um jedoch vorher auch eine visuelle Idee der linearen Möglichkeiten zu erhalten, schaue Dir vorher das folgende Video an:

Die ersten Linien – ein praktische Annäherung

Da Du es wahrscheinlich zu diesem Zeitpunkt noch nicht gewohnt bist, den Bleistift mit feinsten unterschiedlichen Drucknuancen anzuwenden, wundere Dich nicht, wie schwer es Dir wahrscheinlich fallen wird. Das angestrebte Feingefühl muss erst einmal in die Hand. So wie man im Sport Muskulatur und Dehnung aufbauen und entwickeln muss oder wie auch beim Klavier die Fingerfertigkeit nicht angeboren ist, so muss man sein zeichnerischen Feingefühl auch hier durchaus auch auf rein physischer Ebene entwickeln und trainieren.

Die folgenden Übungen kannst Du zwischendurch immer wieder machen. Um so schneller stellt sich ein Gefühl für Linie ein.

Blatt 1

Benutze einen HB-Bleistift und fülle Dein Blatt ganz langsam mit parallelen gleichbleibend zarten Linien!


Blatt 2

Wiederhole die Übung mit einem 7B Bleistift!


Blatt 3

Arbeite wieder mit einem HB-Bleistift und setze wieder eher zarte Linien, jedoch arbeite mit unterschiedlichen Tempi, setze langsam und auch extrem schnelle Linien. Versuche wieder parallele Linien zu setzen, wundere Dich aber nicht, wenn es Dir kaum gelingen wird, da die Linien bei einem hohen Tempo schnell ausbrechen.


Blatt 4

Bleibe bei einem HB-Bleistift. Setzte Linien, wie immer Du sie setzen möchtest. Nun achte aber darauf, dass jede Linie, die Du anfängst, ganz zart, fast nicht vorhanden ist und langsam langsam immer dunkler wird, bis dass sie nahezu schwarz ist. Setze den Bleistift nicht einmal ab. Sobald Du langsam anfängst, dafür ein Gefühl zu entwickeln, gehe weiter zu Blatt 5.


Blatt 5

Wiederhole die Aufgabe von Blatt 4 und fülle ein komplettes Blatt in genau dieser Art und Weise mit parallelen Linien.


Blatt 6

Wiederhole Blatt 5 mit einem 7B-Bleistift


Blatt 7

Wiederhole es noch einmal mit einem H-Bleistift


Blatt 8

Fülle ein Blatt beliebig mit Linien. Es darf ein Riesendurcheinander werden. Variiere aber wieder mit der Liniendicke von hingehaucht zart bis extrem und dunkel und kraftvoll. Zusätzlich variiere extrem das Tempo von ganz ganz langsam bis unkontrolliert schnell.


Blatt 9

Wiederhole Blatt 8 mit einem 6B-Bleistift!


Blatt 10

Nun fertige mit Deinem neuen erlernten Erfahrungen ein gänzlich freies Blatt an. Mach, was immer Du möchtest, achte lediglich auf sehr variationsreiche Linien!

Natürlich möchte man zu Beginn sofort Realität abzeichnen und sofort nach vorne preschen. Allerdings ist eine gute variationsreiche Linie immer schon ein erster Garant für zeichnerische Qualität. Insofern hast Du heute bereits einen ersten sehr sehr wichtigen Schritt gemacht!


 Herzlichen Glückwunsch, , Du hast die erste Lektion geschafft!

Freue Dich schon jetzt auf die kommende Woche!

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