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Zeichnen Basic #52: Das Selbstportrait

Lektion 52 Modul 10

Wochentraining "Zeichnen für Anfänger"

Lektionen 46-52 Am Anfang war ein Kopf! Hinführung zum Portrait!

Lektion 52:  Das Selbstportrait

Willkommen zur zweiundfünfzigsten Lektion des Basiskurses „Zeichnen“.

Materialliste

  • 1 glattes Zeichenpapier ca. DinA3 – für Nasstechniken geeignet, z.B. Arches oder Fabriano satiné 300g
  • Bleistifte
  • Buntstifte
  • magentafarbene Tusche
  • Flachpinsel
  • Tesakrepp
  • Spiegel oder ein Portraitfoto von Dir

Nach 51 Übungen im Verlaufe des letzten Jahres kommt nun bereits die letzte Übung. Ist es nicht erstaunlich, wie schnell so ein Jahr vorbei ist?!

Wenn Du bis hierhin wirklich durchgehalten hast, bist Du richtig richtig gut. In dieser Konsequenz im eigenen Alltag zu arbeiten ist schon eine wirklich große Herausforderung. An dieser Stelle schon mal einen herzlichen Glückwunsch zu dieser Leistung!

Was wäre eine würdigere Abschlussübung, und dann auch noch in einem Portraitblock, als sich seinem eigenen Konterfei hinzugeben, sein Gesicht oder seinen Kopf umzusetzen. Das ist auf der einen Seite besonders schwierig und auf der anderen Seite besonders leicht.

Leicht ist es deshalb, weil wir unser Gesicht kennen. Es hat sich längst eingebrannt. Wir sind bei allen Menschen, die wir zeichnen, bestrebt uns selbst umzusetzen.

Schwer ist es, weil wir bei unserem eigenen Antlitz natürlich auch besonders kritisch sind, nicht was die realistische Umsetzung anbelangt, sondern eher der Tatsache geschuldet, dass wir ein Bild von uns haben, was nicht immer den physiognomischen Tatsachen entspricht. Realität und Wunschbild müssen hier irgendwie zusammenkommen.

Ansonsten haben wir nun in 6 Lektionen etwas Portrait trainiert. Das kann eh immer nur ein Hineinschnuppern sein und nicht mehr.

Als Grundlage für Deine Zeichnung kannst Du einfach einen Spiegel nehmen, oder Du nimmst ein Foto, welches Du schon hast. Ggf. machst Du ein paar Fotos oder machst eine Fotosession mit dem Selbstauslöser.

Beim Spiegel solltest Du Dir in etwa eine Position merken, bevor Du startest. Ansonsten wirst Du aufgrund immer wieder leicht verschobener Positionen Schwierigkeiten haben, der Realität nahezukommen.

Der Einfachheit halber reicht ein FRONTALPORTRAIT. Zeichne Dich direkt von vorne. Alles andere ist an dieser Stelle zu anspruchsvoll.

Um Dir von Anfang an etwas Verfremdung auf die Stirn zu schreiben, starten wir in Schritt 1 mit einem magentafarbenen experimentellen Schritt. Das nimmt etwas den Druck der totalen Ähnlichkeit.

Zu diesem Zweck ziehe Deinen Bogen Papier umlaufend mit Tesakrepp auf und lasse das Papier bis zum letzten Schritt mit den Klebestreifen fixiert. Entferne es erst nach dem letzten Schritt. Lasse Schritt 1 unbedingt trocknen, bevor Du mit Schritt 2 weiterarbeitest.

Und nun viel Spaß mit dem eigenen Gesicht! Schau Dich an und genieße es!

Schritt 1 Die magentafarbene Tusche

Verdünne magentafarbene Tusche mit Wasser und setze mit einem Flachpinsel einige gestische flächige Spuren.

Bearbeite insgesamt gut 50% des Papiers. Arbeite flächig und wild! Und lasse diesen Schritt gut durchtrocknen.


Schritt 2 Die erste Skizze in Hellrosa

Nun setze eine erste Skizze auf diesen experimentellen Untergrund mit einem rosafarbenen Buntstift. Achte auf alles, was Du bislang auch immer wieder berücksichtigt hast:

  • Die Platzierung
  • Die Proportionen
  • Sinnesorgane
  • Haare
  • Halsansatz
  •  usw.

Schritt 3 Die Korrekturskizze mit dem Bleistift

Nun überprüfe die Proportionen! Überarbeite Deine Skizze mit einem 2B Bleistift.

Korrigiere alles, was Dir an Fehlern auffällt! Denke an richtig gute, variationsreiche Linien mit Akzenten.


Schritt 4 Erste Schraffuren in Ocker

Im vierten Schritt arbeite mit einem ockerfarbenen Buntstift und setze erste Schraffuren im Gesicht und wenige in den Haaren. Es geht eher um grobe erste Schraffuren, noch nicht so sehr um Plastizität.


Schritt 5 Die Dunkelheiten

Setze mit einem weichen Bleistift alle Dunkelheiten, die Du entdecken kannst. Arbeite an allen wichtigen Stellen sehr detailliert und an anderen auch durchaus mal freier – aber immer sehr dunkel!


Schritt 6 Der Acrylhintergrund

Nun fülle den Hintergrund mit einer Acrylfarbe Deiner Wahl. Du kannst absolut poppig sein, aber auch dezent. Aber verwende nur eine einzige Farbe!

Du musst die Fläche nicht 100%ig füllen. Lasse gerne das eine oder andere aus dem Hintergrund durchblitzen.

Arbeite an vielen Stellen sehr exakt an das Portrait heran. So bringt der Hintergrund das Portrait noch einmal ganz besonders heraus.


Schritt 7 Ausarbeitung der Details

Kümmere Dich nun ausführlicher um Details, um all die Kleinigkeiten, die Du in Deinem Gesicht ganz besonders betonen möchtest! Damit schaffst Du auch wieder Schwerpunktbereiche.

Es geht nicht um eine 100%ige Ausarbeitung. Kümmere Dich um die Bereiche, die wichtig sind!


Schritt 8 Etwas Haar oder etwas mehr Haar

Im Schritt 8 ignoriere das Haar einfach oder führe es aus, zeichne es wie ein Berserker! Du hast die Wahl! Aber mache nichts dazwischen! Hopp oder Top!


Schritt 9 Ein bisschen Plastizität

Im letzten Schritt überlege einfach, inwiefern Du dem Gesicht mit einem mittleren Bleistift und Schraffur noch etwas Plastizität verleihst...


​Erkennst Du Dich wieder?

Falls nicht, liegt es an der Zeichnung oder an Dir? Die klassische Frage! Das Selbstportrait ist übrigens etwas, was man immerfort und wunderbar trainieren kann. Nutze die Gelegenheit und zeichne viel mehr Dich selbst!

Reflektion

1. Erkennst Du Dich wieder? Falls nicht überprüfe Dein Konterfei noch einmal im Detail. Das ist eine schöne Chance, sich noch einmal richtig intensiv selbst zu betrachten. Korrigiere jetzt allerdings nicht mehr. Das ist dann mehr für die nächste Zeichnung. Falls Du Dich gut erkennst, trink Dir erst einmal einen Prosecco und stoße auf Dich an!

2. Wie wirkt sich das Magenta aus? Wie hätten andere Farben gewirkt bzw. was hätten sie bewirkt? Genauso der Hintergrund – was bewirkt bzw. wie wirkt der? Hättest Du im Nachhinein lieber eine andere Farbe genommen? Welche und warum?

3. Rahmst Du Dein Portrait und hängst Du es auf?

4. Hättest Du Lust mal eine richtig große Zeichnung von Dir zu machen? Wie groß könntest Du sie Dir vorstellen? Was denkst Du wird ganz anders sein? Müsstest Du anders vorgehen?

Stephan

Es ist vollbracht – herzlichen Glückwunsch! – Weiterhin viel Freude und Erfüllung beim Zeichnen. Es gibt kaum etwas Schöneres!

Dein HOWDOYOUKUNST-Team

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