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Zeichnen Basic #32: Sahnetorte

Lektion 32 Modul 7

Wochentraining "Zeichnen Basic"

Lektionen 31-35 Experimentelle Untergründe

Lektion 32: Sahnetorte an tuschigem Untergrund

Torte

Willkommen zur zweiunddreißigsten Lektion des Basiskurses „Zeichnen“.

Materialliste

  • 10 Bogen Zeichenpapier DinA4 – nicht zu dünn, für Nasstechniken geeignet.
  • Zewa oder einen alten Lappen
  • verschiedenfarbige Buntstifte
  • breiter Flachpinsel
  • schwarzer Fineliner, schwarzer Edding oder Marker
  • dünner Paintmarker in rosa oder hellblau
  • diverse Filzstifte oder Marker – es gibt zig Hersteller. Ein Bummel durch Boesner schafft hier Abhilfe.
  • verschiedenfarbige Tuschen, Sepia, Magenta, Ocker und Schwarz
  • Zahnbürste
  • Ein schickes Stück Torte

Und wieder wird es experimentell bzgl. der Untergründe. Dieses Mal wollen wir mit verschiedenen Tuschen arbeiten und Untergründe schaffen, die sowohl eine Farbigkeit als auch eine Struktur vorgeben.

Unser heutiges Zeichenmotiv ist ein fettes Stück Torte.

Wenn Du clever bist, kaufst Du Dir das schmackhafteste, fetteste, ungewöhnlichste oder cremigste Stück Torte, welches Du beim Konditor Deines Vertrauens erhalten kannst. Zuerst zeichnest Du es, danach könntest Du es essen. Oder Du isst erst ein bisschen ab und dann zeichnest Du und isst zum Schluss den Rest. Oder Du machst jeden Tag eine Zeichnung mit jeweils einem neuen Stück Torte. Sei frei aber arbeite mit Genuss!

Schrittfolge Untergründe

Zuerst erarbeitest Du Dir gleich einen ganzen Schwung an Untergründen. 10 Blätter wären super.

Arbeite mit einem nicht so dünnen Papier, am besten eines welches für Nasstechniken geeignet ist.

Spanne Dir 10 einzelne Bogen in ca. DinA4 umlaufend mit Tesakrepp auf einen festen Untergrund auf und schaffe erst die Untergründe in den nachfolgenden Schritten. Danach lass alles gut durchtrocknen und erst dann starte mit der eigentlichen Zeichnung.

1. Schritt

Mische Dir eine Tuschelasur an aus einer Sepiatusche und Wasser. Sie sollte nicht zu hell und nicht zu dunkel sein.

Arbeite rasch und gestisch mit einem breiten Flachpinsel und trage sie großzügig und flächig auf. Lasse aber insgesamt 10%-20% des Papiers stehen.

Solange die Tusche noch nass oder feucht ist, tupfe sie vorsichtig mit einem geknüllten Bogen Zewa ab, so dass Strukturen entstehen. Ggf. musst Du ein paar Tests machen, wann die Strukturen am eindrucksvollsten ausfallen.

Bearbeite nicht alle Blätter mit dem Zewa, sondern versuche auch andere verschiedene Strukturen mit anderen Papiersorten zu erzeugen.


2. Schritt

Wenn Schritt 1 getrocknet ist, mische Dir eine neue Lasur an. Arbeite auf 4 Blättern mit einem verdünnten Magenta in einer ähnlichen Konsistenz wie im ersten Schritt. Auf den anderen 4 arbeite alternativ mit Ocker.

In diesem Schritt trage die Tusche gestisch und rasch und mit „Schmackes“ mit einem breiten Pinsel von links nach rechts auf, so dass Du in Gänze ca. 60% des jeweiligen Papieres bearbeitest.

Bleibe mit den Pinselstrichen unbedingt in der Horizontalen.


3. Schritt

Der letzte Schritt ist der schwarzen Tusche gewidmet. Auch hier soll es wieder verschiedenartige Vorgehensweisen geben

Auf den ersten vier Blättern soll das Schwarz eher verhalten aufgesetzt werden. Dazu greifen wir zu einer Grundschultechnik. Nimm eine Zahnbürste und sprenkle die Tusche auf. Es können wenige leichte Strukturen sein, aber ebenso kannst Du einige sehr dichte Stellen entwickeln.

Auf den anderen vier Blättern setze die Tusche mit einem eher breiten Flachpinsel dick und tiefschwarz auf.

Gehe dabei folgendermaßen vor:

  1. Blatt untere Hälfte komplett tiefschwarz
  2. Blatt auf einer Seite extrem gestische breite Pinselspuren, die sich zum größten Teil zu einer Fläche verbinden.
  3. Blatt ein fetter gerade Pinselstrich
  4. Blatt Tupfe mit dem Zewaknäuel auf einer Hälfte des Blattes die schwarze Tusche auf.

Nun ziehe die Tesakreppstreifen vorsichtig nach außen ab. Über den so entstehenden umlaufenden Rand verändern sich die Blätter natürlich sehr stark. Ggf. kannst Du denselben auch abschneiden. Mal stört er, mal bringt er Brillanz, mal passt er zum Zeichenmotiv und mal eben nicht. Sei frei ihn abzuschneiden oder zu lassen.

Lass es Dir schmecken!

„Den Künstler hemmen ist ein Verbrechen, es heißt keimendes Leben morden!“

Egon Schiele

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In der heutigen Übung bekommst Du keine ausführliche Schrittfolge wie sonst, sondern ich schlage Dir drei verschiedene Materialkombinationen vor. Wenn Du magst, probiere alle drei aus!

Der erste Schritt, bevor Du überhaupt anfängst zu zeichnen, ist Dich zu fragen, welchen Untergrund für welche Zeichnung, für welche Komposition, für welchen Ausschnitt Du wählst. Du kannst Dein Tortenmotiv auf den Blättern platzieren, wie Du möchtest, komplett oder eben nur einen Ausschnitt oder auch angeschnitten.

Denn .... Du solltest Dein Motiv mit Deinen Untergründen natürlich irgendwie in Korrespondenz bringen. Du kannst nicht wirklich so tun, als hättest Du ein weißes Blatt. Im Gegenteil, die Untergründe sind klare Vorgaben und geben Dir klare Möglichkeiten. Das ist eine der Herausforderungen in dieser Übung. Also überlege bei jedem Untergrund, wie groß und wo platziert Du Dein Stück Torte abbilden möchtest.

Möglichkeit 1 – Schwarzer Fineliner und ...

Arbeite mit einem dünnen schwarzen Fineliner. Zeichne das Objekt Deiner Begierde sowohl linear als auch mit Schraffuren.

Lass Dir Zeit. Empfinde es als kontemplative Beschäftigung.

Anschließend setze mit einem dickeren schwarzen Edding oder Marker einige Schatten!

Den Abschluss soll ein farbiger dünner Paintmarker (dünner Acrylstift) bilden, rosa oder hellblau. Damit fülle noch einige wenige Flächen aus. Vielleicht hat Deine Torte verschiedene Cremeschichten ...


Möglichkeit 2 - Buntstifte...

Starte mit einer Zeichnung mit einem knallroten Farbstift. Schraffiere auch in knallrot. Setze die schattigen Bereiche in einem dunklen Violett oder einem dunklen Bordeauxrot.

Schraffiere Mittelwerte in Grautönen, allerdings nicht mit dem Bleistift, sondern mit grauen Buntstiften.


Möglichkeit 3 – Tusche und Pinsel und ...

Arbeite mit Tusche und zwar mit einem Aquarellpinsel, mit dem sowohl feine Linien als auch Flächen möglich sind. Skizziere Deine Torte linear mit dem Aquarellpinsel und mit einer Tusche Deiner Wahl. Die Farbe sollte sich zumindest so stark vom Untergrund abheben, dass man sie auch wirklich erkennen kann.

Ist die lineare Zeichnung fertig, lege mit demselben Pinsel einige Flächen nach.

Hast Du das Gefühl die Tuschefarbe reicht nicht aus, arbeite Deine Zeichnung noch mit einer anderen Farbe nach.


 Mehrere Untergründe, drei Zeichnungen. Geschafft!

Sicherlich war es etwas aufwendiger, die Untergründe vorzubereiten, aber es sind ja einige übrig, die Du für weitere Zeichnungen verwenden kannst.Wie ist es für Dich insgesamt? Arbeitest Du lieber experimentell oder traditionell exakt mit dem Bleistift? Das ist natürlich jetzt noch nicht so einfach zu sagen, aber vielleicht ergeben sich jetzt durchaus schon Tendenzen.

Kommen wir zu unseren Reflektionsfragen.

Reflektion

1. Welche der drei Zeichnungen findest Du am besten, zum einen bezogen auf die Technik und zum anderen bezogen auf das Ergebnis?

2. Wie findest Du überhaupt Deine Untergründe? Hast Du das Gefühl, sie sind brauchbar und für eine Wiederholung geeignet oder würdest Du sie das nächste Mal anders machen? An welcher Stelle?

3. Hätten sich die Untergründe auch für eine Bleistiftzeichnung geeignet oder hättest Du sie vorher noch etwas nachweißeln müssen? Ggf. probiere einen Deiner Bogen aus. Falls es nicht klappt, weil der Untergrund zu dunkel ist, nimm einen anderen Untergrund, weiße ihn mit verdünnter Wandfarbe sehr dünn, tendenziell lasierend, nach und starte einen weiteren Versuch.

Und wieder hast Du einige Erfahrungen sammeln können. Du siehst, bei vielen Materialien ist es sehr wichtig, alle beteiligten Elemente gut zueinander auszutarieren. Freue Dich also schon jetzt auf die kommende Woche, in der die Untergrunderfahrungen ihre Fortsetzung finden werden!

Dein HOWDOYOUKUNST-Team

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