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Zeichnen Basic #46: Das Auge

Lektion 46 Modul 10

Wochentraining "Zeichnen Basic"

 Block 10 Lektionen 46-52 Am Anfang war ein Kopf! Hinführung zum Portrait!

Lektion 46: Die Augen & ein Ohr – Am Anfang war ein Kopf!

Willkommen zur sechsundvierzigsten Lektion des Basiskurses „Zeichnen“.

Materialliste

  • 1 glattes Zeichenpapier je nach vorhandener Arbeitszeit DinA4 oder DinA3
  • Bleistifte
  • Portraitfoto dieser Übung
Portrait

Das Portrait der letzten Übung, das Portrait des Afrikaners war natürlich etwas vorgegriffen und ich hoffe, Dich damit nicht überfordert zu haben, aber das Portrait und der Akt ist bei den meisten Zeichnern von Beginn an der geheime Wunsch, wohlwissend es ist wirklich nicht ganz einfach.

Der letzte Part des Wochentrainings soll sich genau damit auseinandersetzen. Der letzte Part ist eine kleine Hinleitung zum Portrait, zu den Sinnesorganen, zu Licht und Schatten, zu Haaren, zur Plastizität und zum Ansatz des Kopfes an den Körper.

Wir haben noch 7 Lektionen, um auf möglichst systematische Weise auf das Portrait hinzuarbeiten. Das Material in diesem Letzten Part wird zu einem ganz großen Anteil der Bleistift sein – back to the roots.

Ich kann an dieser Stelle nur immer wieder sagen: So simpel der Bleistift zu sein mag, ich kenne kaum ein Zeichenmaterial mit so unendlich vielen Möglichkeiten. Ich liebe es nach wie vor, mit dem Bleistift zu zeichnen.

Aber warum interessiert uns als Zeichner so sehr das Portrait?

Die Antwort ist relativ einfach. Vieles von dem, was wir bevorzugen, hat damit zu tun, dass es unsere Sehgewohnheiten bedient. Das Gesicht, der Kopf ist unser ständiges Gegenüber. Damit ist nicht nur der Spiegel und das eigene Selbst gemeint, sondern auch all die Menschen, denen wir tagein tagaus begegnen. Wir sprechen mit ihnen und wir kommunizieren mit ihnen ohne Worte. Wir können sie lesen. Selbst der kleinste Zug im Mundwinkel, das kleinste Heben einer Braue können wir wahrnehmen und emotional zuordnen. Kein Wunder also, dass uns dieses komplexe Gegenüber so wahnsinnig interessiert bzw. fasziniert.

Gesichter umgeben uns in jeder Lebenslage, von der Liebe bis zum Tod. In den folgenden Lektionen werden wir uns die einzelnen Bereiche nach und nach vorknöpfen. Dabei wird es primär um die Physis gehen, um die realistische Darstellung eines Kopfes, in den richtigen Proportionen und bestenfalls mit Ähnlichkeiten zum Original.

Aber Obacht! Das Portrait ist ein großes Thema! 7 Lektionen können da nicht ausreichen, sondern es kann nur durch stetiges Trainieren weitergehen. Wie immer liegt es an Dir, wie weit Du es bringst. Der eigene Einsatz wird darüber entscheiden. Aber zumindest bekommst Du hier zum Abschluss noch einen soliden Einstieg in dieses wunderbare Thema, um anschließend weitertrainieren zu können.

Portrait

Auf auf zu den ersten Sinnesorganen!

Schritt 1 Zwei Orientierungslinien und erste Markierungen

In einem Frontalgesicht macht es durchaus Sinn am Anfang jeweils zwei Hilfslinien einzuzeichnen. Eine gerade Linie, die das Gesicht genau in der Mitte teilt. Ist das Gesicht aufrecht, ist diese Linie senkrecht. Ist das Gesicht schräg, ist diese Linie ebenso schräg.

Die zweite Linie ist eine Linie durch die Augen. In der Regel läuft sie rechtwinkelig durch die erste Linie. Im Falle dieser Lektion sind beide Linien schräg.

Nun markiere auf der Augenlinie die jeweiligen Enden der Augen, dann hast Du eine erste wunderbare Orientierungsgrundlage. Dabei beachte folgenden Zusammenhang:

  • Die Augen haben jeweils dieselbe Breite.
  • Zwischen den Augen ist ein Auge Abstand. Nun entscheide Dich welches der beiden Ohren Du mitzeichnen möchtest. Auf der entsprechenden Seite bestimme auf der Augenlinie, wo genau dasOhr anfängt. Versuche ebenso den obersten und untersten Punkt des Ohres zu markieren.

Schritt 2 Skizze der Augen und der Brauen

Nun skizziere die Augen und die Brauen! Nimm Dir Zeit und versuche exakt die Form der Augen zu erfassen.

Die Innenseite und die Außenseite der Augen sind jeweils anders. Setze Regenbogenhaut und Pupille ein. Auch hier achte auf die genaue Größe. Die kannst Du gut nachvollziehen, indem Du die genaue Größe und die Form der Weißanteile im Auge betrachtest.

Zeichne die Lidfalte, die Wimpern und erfasse die Brauen. Bei der Form der Brauen achte auf den jeweiligen Abstand zwischen Brauen und Augen. Die Länge der Brauen orientiere an der Länge der Augen.


Schritt 3 Skizze des Ohres

Skizziere das Ohr Deiner Begierde in ähnlich exakter Form. Lass Dir Zeit und versuche sehr exakt zu sein.

Die Augen sind Deine feste Größe, Dein Ausgangspunkt. Das bedeutet, dass alle nachfolgenden Teile des Gesichtes sich in ihrer Größe daran orientieren. So passt in diesem Fall die Länge eines Auges in etwa in die Höhe eines Ohres. Auf diese Weise kannst Du Proportionen in einem Gesicht zueinander in Bezug setzen.


Schritt 4 Die Dunkelheiten und Lichtblitze

Umrande die Lichtblitze in den Augen, damit diese unbedingt Weiß bleiben. Nun setze alle Dunkelheiten in den Augen, in den Brauen und in den Falten.

Versuche zu differenzieren. Die Dunkelheiten sind teilweise unterschiedlich dunkel. Arbeite mit einem weichen Bleistifte und drücke massiv auf.


Schritt 5 Das Weiß im Auge

Das Weiß im Auge ist nicht gleichmäßig weiß. Teilweise ist es leicht grau, teilweise sehr hell. Arbeite mit einem H-Bleistift und schraffiere sehr fein. Differenziere sehr fein, werde nicht zu dunkel!


Schritt 6 Die Plastizität im Umraum der Augen

Nun nimm Dir den Umraum der Augen vor. Dort findest Du eine verhältnismäßig komplexe Licht-Schattensituation. Schraffiere alle Verläufe, die Du entdecken kannst. Fange mit einem härteren Bleistift an und mache mit einem 2B-Bleistift weiter.

Arbeite sehr exakt.


Schritt 7 Die Plastizität des Ohres

Genauso erarbeite Dein Lieblingsohr. Bleibe exakt und lasse Dir Zeit.


Schritt 8 Auslaufende Flächen

Lasse die Hautpartien, die Du schraffiert hast nach Außen auslaufen.


„Jeder Mensch trägt einen Zauber im Gesicht; irgendeinem gefällt er.“

Christian Friedrich Hebbel

Wie war es, einem Menschen beim Zeichnen so lange in die Augen zu schauen? Es ging bewusst nicht darum, nur ein Sinnesorgan zu trainieren. Die Zusammenhänge zwischen den Sinnesorganen sind genauso wichtig und ganz besonders die Plastizität in den einzelnen Gesichtsbereichen. Das trainieren wir von Anfang an mit, bevor es womöglich am Ende das vernachlässigte „Stiefkind“ wird. Wie waren Deine ersten intensiven Auseinandersetzungen mit Nase und Augen?

Stephan Geisler

Reflektion

1. Was war für Dich besonders schwer? Proportionen? Plastizität? Die Helligkeiten? Die Gesamtzusammenhänge? Das Ohr?

2. Wenn Dich das Portrait interessiert, dann wiederhole die Übung gerne auch mit anderen Gesichtern! Es ist total aufregend zu verstehen, wie unterschiedlich Sinnesorgane bei verschiedenen Menschen aussehen!

3. Hast Du das Gefühl Deine Zeichnung hat dasselbe Alter wie das Original? Erstaunlicherweise werden Gesichter schnell auch mal älter, weil man rasch auch mal zu viele Linien macht!

4. Wie findest Du Deine Zeichnung?

Habe eine wunderbare Woche und schaue Deinen Mitmenschen tief in die Augen

Dein HOWDOYOUKUNST-Team

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