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Zeichnen Basic #51: Das karierte Hemd

Lektion 51 Modul 10

Wochentraining "Zeichnen Basic"

Lektionen 46-52 Am Anfang war ein Kopf! Hinführung zum Portrait!

Lektion 51: Das karierte Hemd

Willkommen zur einundfünfzigsten Lektion des Basiskurses „Zeichnen“.

Mann im karierten Hemd

Materialliste

  • 1 glattes Zeichenpapier ca. DinA3, aber genau abgestimmt auf die Seitenverhältnisse der Vorlage – für Nasstechniken geeignet, z.B. Arches oder Fabriano satiné 300g
  • Bleistifte
  • Buntstifte
  • verschiedene Tuschen
  • Aquarellpinsel
  • Tesakrepp
  • Portraitfoto dieser Übung

In unserer vorletzten Übung wollen wir es noch einmal etwas exotischer werden. Ein afrikanisch stämmiger amerikanischer Tänzer (hoffentlich politisch korrekt), ein guter Freund von mir, mit dem ich schon des Öfteren zusammenarbeiten konnte, ist heute unser Modell.

Sein Portrait mit einem rot-weiß-karierten Hemd soll heute zeichnerisch umgesetzt werden. Und wie immer gibt es hier so einige Besonderheiten. Starten wir einfach mit einer gemeinsamen Bildbetrachtung.

Das erste besondere ist die dunklere Hautfarbe. Dem versuchen wir in der Umsetzung gerecht zu werden, indem wir das Papier relativ flächig und frei mit einer braunen Tuschelasur vorbehandeln.

Zusätzlich zur Hautfarbe lässt die Beleuchtung das Portrait teilweise sehr dunkel erscheinen. Das könnten wir ausschließlich über Schraffur auffangen, aber wir werden stattdessen mit einer dunklen Tusche arbeiten.

Die Hand lassen wir weg, stattdessen ergänzen wir die Schulterlinie auf der rechten Seite. Ein wichtiges Detail außerhalb des Kopfes ist die sehr eigenwillige Kette.

Darüber hinaus ist da noch das rot-weiß karierte Hemd, das nahezu auffordert an der Stelle auch mit Farbe zu arbeiten. Das Hemd mit dem Muster und dem eigenwillig mehrfach umgeschlagenen Kragen, ebenso ein wichtiges Detail im Motiv.

Als Format nehmen wir einen Bogen Papier, der dem DinA3 nahekommt, aber die exakten Proportionen bzw. Seitenverhältnisse des Papiers aufweist. Dann fällt es wesentlich leichter zu den richtigen Proportionen zu kommen, weil man sich dann auch auf mögliche Abstände der Figur zum Papier bzw. Anschnitte an den Rand beziehen kann.

Wollen wir starten? Wir wollen!

Schritt 1 Aufkleben und Lasieren des Papiers

Wie auch schon in anderen Übungen klebe Deinen Bogen Papier umlaufend mit Tesakrepp auf einen festen Hintergrund auf.

Suche Dir einen hellen Hautton auf dem Foto aus und fertige von diesem Ton eine Lasur an, mit Tusche und Wasser. Die Lasur sollte nicht zu dünn sein, sondern schon eine gewisse Kraft haben. Der Hautton, den Du Dir aussuchst, sollte nicht noch verdünnt werden, sondern der Ton sein, der später auf dem Bild zu sehen ist.


Schritt 2 Die erste Skizze in Rostbraun

Fertige in diesem Schritt eine Skizze Deines Motivs an, möglichst exakt, realistisch und nah am Modell. Da Du dieselben Seitenverhältnisse hast, wie das Originalfoto, kannst Du Dich auch wunderbar an der Flächengliederung des Fotos orientieren.

Arbeite aber nicht mit einem Bleistift, sondern mit einem sehr intensiven rostbraunen Buntstift. Auch wenn Du mit einem Buntstift arbeitest, bleibt es beim üblichen Procedere, eine kurze suchende Skizze und anschließend eine Überarbeitung dieser Skizze mit richtig geilen, variationsreichen und akzentuierten Linien.


Schritt 3 Die erste dunkle Schicht in Mittel- bis Dunkelbraun mit Tusche

Nun nimm Dir eine braune tendenziell dunkle Tusche, die aber bei weitem nicht so dunkel sein soll, wie ein Schwarz! Mit dieser Tusche setze alle halbwegs dunklen, dunklen und sehr dunklen Bereiche.

Verwende einen Aquarellpinsel, der durchaus dick genug ist, um einiges an Flüssigkeit aufzunehmen, trotzdem eine zarte Spitze bilden kann.

Versuche mit dem Material sehr realistisch zu arbeiten, sehr differenziert zu schauen und jede Kleinigkeit „mitzunehmen“.


Schritt 4 Die dunklen Gesichtspartien mit schwarzer Tusche

Wiederhole Schritt 3. Nimm dieses Mal allerdings eine schwarze Tusche und setze alle Schwärzen, komplett ohne Ausnahme, große Flächen genauso wie winzigste Details, wieder mit einem Aquarellpinsel.


Schritt 5 Ausmodellierung der Lippen in Rot-Tönen

Schritt 5 ist einer von den seltenen Schritten, in dem Du viele Buntstifte für einen kleinen Bereich benötigst.

Es geht um die Lippen. Die Lippen sollen komplett mit Buntstiften schraffiert werden. Nimmst Du einfach ein Knallrot, wirken die Lippen unnatürlich und geschminkt. Suche Dir mindestens 6 Buntstifte zusammen, die Farben und feinste Farbnuancen der Lippen wiederspiegeln, Rottöne, gedeckte Töne.

Schaue Dir die Lippen genau an und suche Dir entsprechende Farbstifte zusammen oder nutze die Gelegenheit zu einem großzügigen Policromos-Buntstifte-Kauf. Der Vorteil: Es gibt sie einzeln in den feinsten Farben und Nuancen.


Schritt 6 Die Kette

Nun ist die Kette an der Reihe. Der junge Mann trägt einen dermaßen eigenwilligen Halsschmuck, dass dieser tatsächlich zur Eigenwilligkeit der Zeichnung beiträgt.

Verwende hier ausschließlich Bleistifte, gerne verschiedene Härten. Arbeite gut ein Drittel sehr sehr exakt und realistisch heraus und die anderen 2 Drittel lass einfach als lineare Skizze stehen.


Schritt 7 Das Hemd mit Buntstift und Tusche

Nun wende Deine volle Aufmerksamkeit dem Hemd zu. Arbeite mit zinnoberfarbenen und orangenen Buntstiften. Setze exemplarisch einige der Karos. Achte ein wenig auf den Verlauf der Falten etc. Es geht auf keinen Fall darum, alle Karos zu zeichnen. Wenn Du einige Karos und Linien gesetzt hast, mische Dir eine Tuschelasur zusammen aus orange und ein wenig braun. Das Orange sollte etwas dunkler werden aber trotzdem seine Leuchtkraft behalten.

Nimm einen Flachpinsel und setze diese Lasur großzügig, gestisch und rasch über gut 60% des Hemdes. Hier soll wirklich Leben und Kraft in die Zeichnung kommen.


Schritt 8 Hintergrund oder kein Hintergrund?

Der letzte Schritt muss ein freiwilliger sein. Der hängt sehr davon ab, was in diesem Moment im Hintergrund passiert. Hast Du das Gefühl, der Hintergrund passt nahezu perfekt, dann lass die Zeichnung an dieser Stelle einfach stehen.

Falls Du den Hintergrund ändern möchtest, fülle ihn zu 90 % mit Schwarz und lass die Dunkelheiten der Figur in den dunklen Hintergrund übergehen.


„Kunst ist sehr schnell, weil jede Kunstform, kaum bekannt gemacht, in einer Woche wieder altmodisch ist.“

A. Warhol

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In dieser Übung galt es gleich so einige Aspekte der Zeichnung zu meistern. Natürlich wieder das komplette Portrait, die fremde exotische Physiognomie, zusätzlich zum Kopf noch Kleidung und Accessoire, das nach vorn hinübergeneigte Gesicht mit einer starken Verkürzung des Kinns und einem starken Blick auf den Oberkopf und die experimentellen Techniken mit Buntstift, Tuschen und Bleistift. Kompliment!

Reflektion

1. Welchen Schritt fandst Du am schwierigsten? War es eher einer, der darauf aus war, die Proportionen richtig zu erfassen oder war es eher das Experiment?

2. Wie findest Du die Farbzusammenstellung auf Deiner Zeichnung. Bereichernd? Oder würdest Du sagen, der Bleistift reicht allemal. Er ist zwar ein sehr traditionelles Medium, aber er kann so viel.

3. Was hättest Du in einem zweiten Durchgang definitiv anders gemacht? Hättest Du womöglich sogar Schritte weggelassen oder gegen andere eingetauscht? Falls ja welche und durch was für Schritte hättest Du sie konkret ersetzt?

4. Wie würdest Du die Qualität Deines Bildes ohne falsche Scheu auf einer Skala von 1-10 einstufen? Dabei wäre die 1 ein „bedenklich“ und die 10 ein „überragend“.

Habe eine wunderbare Woche mit einem sehr offenen Blick für Deine Mitmenschen!

Dein HOWDOYOUKUNST-Team

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