Zeichnen
Text

Zeichnen Basic 48: Die frontale Sicht

Lektion 48 Modul 10

Wochentraining "Zeichnen Basic"

Lektionen 46-52 Am Anfang war ein Kopf! Hinführung zum Portrait!

Lektion 48: Die frontale Sicht

Willkommen zur achtundvierzigsten Lektion des Basiskurses „Zeichnen“!

Materialliste

  • 1 glattes Zeichenpapier je nach vorhandener Arbeitszeit DinA4 oder DinA3
  • Bleistifte
  • Portraitfoto dieser Übung

Die ersten lockeren Zusammenhänge zwischen Sinnesorganen haben wir in den letzten beiden Lektionen erfahren. Nun machen wir weiter mit der Frontalsicht auf ein Portrait. In diesem Fall benötigen wir also alle Zusammenhänge, die sich im Gesicht abspielen:

  • die Sinnesorgane
  • die Bereiche zwischen den Sinnesorganen- die Begrenzung und Form des Gesichtes und des Kopfes
  • die Höhe der Ohren
  • die Haare, deren Form und Begrenzung- der Halsansatz

Damit wird es dieses Mal etwas komplexer, da es um alles geht. Allerdings bestimmst Du, wo in Deiner Zeichnung der Schwerpunkt sein soll und wo Du Bereiche auch fast komplett weglässt. Wie schon in anderen Lektionen erwähnt, Gesichter und Köpfe sind uns so vertraut, da brauchen wir nicht jede Information zu benennen. Wir können sie auch so lesen.

Du hast in dieser Übung also die Wahl, was Deinen Schwerpunkt bilden soll. Zu diesem Zweck bestimmst Du in Deinem Gesicht bzw. dem Kopf einen Anteil von ca. 30%, den Du sehr genau ausarbeitest inklusive Schraffuren etc. Den kompletten Restbereich lässt Du nur sehr rudimentär stehen.Um alle Sinnesorgane an der richtigen Stelle zu haben, erinnere Dich an das Prinzip, Bereiche zueinander in Beziehung oder Bezug zu setzen, z.B.

  • auf welcher Höhe sind jeweils die oberen Ohrbegrenzungen in Bezug zu den Augen und die unteren Ohrbegrenzungen in Bezug zur Mundlinie?
  • Wie breit ist der Mund in Relation zur seitlichen Begrenzung der Nase?
  • Zwischen den Augen ist meistens ein „Auge“ Platz.
  • Beachte besonders die Länge der Nase! - Wie groß ist der Abstand von der unteren Mundbegrenzung zum Kinn?
  • Wie groß ist jeweils der Abstand von der Braue zum Auge?
  • Wo genau setzen die Halslinien an und was für eine Form haben sie?
  • Auf welcher Höhe beginnen die Schultern? usw. usw.

Am Ende bezieht sich diese Form des Schauens nicht nur auf das Portrait sondern auf alle zu zeichnenden Objekte. Das was Du hier lernst, wenn Du versuchst, die Abstände genau zu erfassen, indem Du Bezüge suchst, ist universell. Gewöhne Dir diese Form des Realitäterfassens an!

Portrait

Schritt 1 Die Skizze des Portraits – eine mögliche Reihenfolge

Die Skizze des Kopfes kannst Du gerne erstmal in sehr ruhigen hellen Linien machen. So hast Du die Möglichkeit, Dich nach und nach an das Portrait anzunähern und ggf. kannst Du Korrekturen mit etwas dunkleren Linien zeichnen, so dass Du gar nicht radieren musst.

Starte mit der Nase, möglichst so klein, dass der Rest des Kopfes noch auf Deinen Bogen Papier passt. Setze sie relativ mittig.

Versuche die Breite der Nase zur Höhe in der richtigen Proportion zu erfassen.

Nun ergänze die Augen! Platziere sie korrekt zur Nase und achte darauf, dass zwischen den Augen ca. ein Auge Platz hat. Zeichne die Augen sehr exakt, alles was Du wahrnimmst. Setze auch schon die Bereiche um die Augen herum, wie Wimpern, Wimpernlinie, Lidfalte, Brauen etc.

Versuche schon einmal ungefähr die Fläche der Stirn zu erfassen, jeweils bis zu den Haaransätzen. Auch hier versuche sehr exakt zu sein.

Nun kommt der Mund. Beachte den Abstand Nase und Mund. Setze zuerst die mittlere Mundlinie, dann die Oberlippe und dann die Unterlippe. Die seitliche Begrenzung des Mundes solltest Du an der seitlichen Begrenzung der Nase festmachen.

Skizziere das Kinn! Erfasse es in seiner korrekten Form! Kümmere Dich anschließend um die seitlichen Gesichtsbegrenzungen. Achte auf die kleinsten Wölbungen und Kurven und jeweils auf den Abstand dieser Linien zu den Augen, zu den Nasenflügeln und zu den Mundwinkeln.

Setze die Ohren ein, wie Du es bereits in einer der vorigen Lektionen gelernt hast.

Betrachte die Haare als eine Fläche. Versuche diese Fläche wahrzunehmen und setze auch nur diese Fläche für die Haare ein.

Als letztes achte genau darauf, wo die Halslinien ansetzen und welche Form sie haben, ebenso die Schulterlinien.

Hast Du die Vorskizze abgeschlossen, vergleiche sie in aller Ruhe noch einmal mit dem Original. Gibt es Diskrepanzen, versuche denselben auf die Spur zu kommen und korrigiere Deine Vorskizze. Wenn Du die Fehlerquellen nicht entdecken kannst, sei ganz beruhigt. Das wäre eher das, was ich bis zu diesem Zeitpunkt erwarten würde.


Schritt 2 Alle Dunkelheiten

Dieser Schritt ist einer, den Du schon soooo oft gemacht hast. Arbeite alle extremen Dunkelheiten mit einem warmen Bleistift heraus.


Schritt 3 Der Schwerpunkt

Nun bestimme wie in der Einführung erläutert einen Schwerpunkt, der ca. 30% Deines Kopfes oder Gesichtes ausmacht. Ausschließlich diesen Schwerpunkt arbeite en Detail heraus! Die Verläufe, die Plastizität, alles an Detail, Schraffuren bis in die feinsten Ebenen.

Ziehe alle realistischen Register, die Du inzwischen aufgebaut hast. Nehme die Bleistiftstärken, die Du für angemessen hältst.


Schritt 4 Der letzte Schliff

Schaue dir in Ruhe Deine Zeichnung an. Falls Du das Gefühl hast, Du willst oder musst an irgendeiner Stelle unbedingt noch etwas ändern, dann ist das der perfekte Augenblick. Be free!


„Wenn man nichts falsch machen darf, ist es schwierig, etwas richtig zu machen. “

Mario Bellini

Click to Tweet

Wenn man einmal Blut geleckt hat bezogen auf die Darstellung des Menschen, dann gibt es kein Zurück mehr. Man merkt mehr und mehr, dass es zwar um die Darstellung des Menschen geht, aber immer auch um ein Erforschen des Gegenübers, ein emotionales, sozialen, gesellschaftliches und persönliches Näherkommen. Was gibt es schöneres? Hast Du Blut geleckt?

Reflektion

1. Natürlich war die erste Skizze schwierig und sicherlich auch zeitaufwendig. Aber hat sie Dir am Ende große Schwierigkeiten bereitet oder ist es eher ganz gut gelaufen? Worin bestanden mögliche Schwierigkeiten? Hatte es mit mangelnder Routine zu tun?

2. Wie würdest Du im nachträglichen Vergleich die Proportionen der Sinnesorgane zueinander sehen? Funktionieren sie? Wo hakt es ggf.? Haben die Kopfform und die Form der Haare geklappt? Wie sieht es mit dem Halsansatz aus?

3. Es geht zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht um Ähnlichkeit, wenn überhaupt dann um proportionale Machbarkeit. Hast Du womöglich das Gefühl, es besteht trotzdem schon ein bisschen Ähnlichkeit zu Original?

4. Nun hatten wir einen frontalen Blick auf ein Gesicht. Was denkst Du könnte bei anderen Gesichtssituationen schwieriger sein? Profil? Dreiviertelprofil? Blick von oben? Blick von unten?

Genieße Deinen Erfolg und freue Dich schon jetzt auf das nächste Gesicht. Habe eine grandiose Woche!

Dein HOWDOYOUKUNST-Team

Hat Dir die Lektion gefallen? Erzähle Deinen Freunden davon!

Pen