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Zeichnen Basic #35: Weiß auf Schwarz

Lektion 35 Modul 7

Wochentraining "Zeichnen für Anfänger"

Lektionen 31-35 Experimentelle Untergründe

Lektion 35: Weiß auf Schwarz

Willkommen zur fünfunddreißigsten Lektion des Basiskurses „Zeichnen“!

Materialliste

  • 8 Bögen DinA4 Zeichenpapier, glatt und für Feuchtmaterialien geeignet
  • Tesakrepp
  • schwarze Tusche
  • breiterer Flachpinsel
  • schwarze Acrylfarbe
  • Buntstifte, verschiedene Farben
  • normale dünne Ölkreiden, z.B. Van Gogh, verschiedene Farben
  • Weißes dickes Sennelier-Ölpastell
  • Weißer Sennelier Oilbar
  • Aquarellpinsel
  • weiße Tusche

Die letzte Woche der experimentellen Untergründe. Und warum nicht mal weiße oder farbige Zeichnungen auf experimentellem Schwarz? Wir drehen unser zeichnerisches Farbempfinden einfach mal um.

Starten wir aber, bevor es zur Zeichnung geht damit, 8 Untergründe in Schwarz vorzubereiten. Klebe umlaufend mit Tesakrepp 8 DinA4-Bögen auf. Nimm glattes Zeichenpapier, welches durchaus für feuchte Materialien geeignet ist.

Nun bekommst Du vier verschiedene Möglichkeiten, Dein Material in Schwarz vorzubereiten, pro Möglichkeit also 2 Papiere. Später bekommst Du 8 verschiedene Möglichkeiten für eine Zeichnung. So kannst Du unterschiedlichste Kombinationen ausprobieren und einige Erfahrungswerte sammeln.

Denke immer daran, Experimente bedeuten auch immer Risiko. Es kann immer mal passieren, dass etwas nicht so funktioniert, wie Du es erwartest oder Dir vorstellst. Aber nur so kannst Du Erfahrungswerte sammeln, die am Ende Dein Repertoire ausmachen.

Starte nun aber erst mal mit Deinen Untergründen. Arbeite auf 4 Papieren mit schwarzer Tusche und auf 4 Papieren mit schwarzer Acrylfarbe.

Tusche:

Blatt 1 und 2

Feuchte Deine Blätter gut mit Wasser an und lasse dann partiell und immer wieder Tusche auftropfen. Beobachte, wie sie sich verteilt. Tropfe immer wieder etwas nach. Gehe behutsam vor, aber mit der klaren Vorstellung, der Untergrund soll am Ende schwarz sein und maximal 30% des Papieres soll weiß oder heller als schwarz bleiben.

Blatt 3 und 4

Bearbeite Deine Blätter zu 70% satt mit einem breiten Flachpinsel mit Tusche. Die Art des Auftrags, ob sachlicher, lebhafter oder gestisch sei Dir überlassen.

Solange die Tusche noch nass ist, tropfe pures Wasser in die Tusche. Auch hier beobachte, was passiert.

Lege immer wieder etwas Wasser nach.

Alle 4 Tuscheblätter sind durchaus eine behutsame und geduldige Angelegenheit.


Schwarze Acrylfarbe:

Blatt 5 und 6

Trage auf den ersten beiden Acrylblättern deckende schwarze Acrylfarbe auf.

Bearbeite die Blätter aber nur zu maximal 80%.

Auch hier gilt, es ist egal, wie Du die Farbe aufträgst, gestisch oder ruhig. Höre auf Deine Stimmung und Mentalität.

Blatt 7 und 8

Setze eine Lasur an, mit schwarzer Acrylfarbe und Wasser – durchaus dicht, also nichts Helles.

Lass nur 5 % des weißen Papiers stehen. Den Rest bearbeite mit dieser Lasur.

Anschließend trage – solange die Lasur noch nass ist – zusätzlich noch deckende schwarze Acrylfarbe auf und bearbeite damit ca. 50% des Blattes.

Wenn Blätter mal nicht funktioniert haben, mache sie einfach noch einmal. Sind die Blätter gut durchgetrocknet, ziehe die Klebestreifen nach außen ab. So stellst Du sicher, dass das Papier nicht kaputt geht. Der sich so ergebende weiße Rand kann als Ordnungsrand stehen bleiben.

Ehrlicherweise muss man jedoch auch sagen, dass er Bildern manchmal auch die Ernsthaftigkeit nimmt, indem er sie verhäuslicht. Entscheide Dich von Bild zu Bild neu, ob Du den Rand gut findest oder eher nicht.

Unser heutiges Thema soll das immer wieder gleiche Gesicht eines Gorillas sein. Gorillas hast Du bereits gezeichnet. Damit ist das Thema selbst nicht zu neu. Und der Fokus kann auf der Technik bleiben.

Gorilla

Gerd der Gorilla

In der folgenden Auflistung werden Deinen Untergründen Techniken zugeordnet, die Du verwenden solltest. Zeichne primär linear, hier und da setze gerne auch mal eine Fläche ein. Das Material ist teilweise sehr grob, insofern reichen lineare Zeichnungen im Prinzip aber aus. Trotz dieser vielen unterschiedlichen Materialien versuche relativ realistisch zu zeichnen.

Zeitangaben gibt es in dieser Übung nicht.

Übrigens, hast Du ein Material nicht da und willst auch nicht soviel einkaufen, zeichne mit anderen Materialien doppelt oder schaue einfach was Du da hast.

Zeichnungen auf den Tuschegründen

Blatt 1 Weißer Buntstift

Arbeite mit einem weißen Buntstift. Im Grunde nutze ihn so wie auch den Bleistift.

Denke an Linienqualität, wie dicke und dünne Linien, schnelle und langsame Linien!

Auch hier musst Du Linie leben. Das was Du über Linie gelernt hast, kannst Du auf alle linearen Techniken übertragen.

Beachte das bei jedem der 8 Blätter dieser Übung. Platziere diese und alle Zeichnungen dieser Übung immer mittig, aber auch so groß wie möglich.


Blatt 2 Roter Buntstift

Verfahre genauso mit einem roten Buntstift. Was ist anders?


Blatt 3 Weißes dickes Sennelierölpastell

Arbeite mit einem weißen dicken Sennelier-Ölpastell. Von diesen gibt es drei Größen. Du brauchst die mittlere Größe, ca. 1-2 cm im Durchmesser und ca. 15 cm in der Länge.

Mit diesen Kreiden schaffst Du extrem fette Linien, wenn Du richtig aufdrückst, werden sie extrem fett, wenn Du sehr zart bist, werden die Linien relativ dünn und leicht.

Versuche beides im Extrem anzuwenden.


Blatt 4 Aquarellpinsel und weiße Tusche

Auf dem vierten Blatt arbeite mit einer weißen Tusche und einem Aquarellpinsel. Mit einem Aquarellpinsel dicke und feine Linien zu setzen ist wesentlich schwieriger, versuche Dein Glück aber trotzdem auch mit diesem Material.


Zeichnungen auf den Acrylgründen

Blatt 5 Weiße Ölkreide

Nimm eine ganz normale weiße Ölkreide, eher eine kleine günstige und nicht zu weiche. Die kannst Du in der Regel einzeln kaufen bei Boesner und Konsorten.


Blatt 6 Weißer Sennelier Oilbar

Nun arbeite mit einem weißen Sennelier Oilbar. Das sind sehr besondere und eigenwillige Ölkreiden. Sie haben eine sehr feste Außenhülle, die man mit Druck auf einen Untergrund „knacken“ kann. In dieser festen Außenhülle befindet sich eine Form von Ölfarbe.

Das ist ein sehr eigenwilliges Material. Lass Dich nicht irritieren! Es scheint erst einmal schmierig und grob zu sein, aber Du kannst mit diesem Material genauso arbeiten, wie mit anderen linearen Mitteln.


Blatt 7 Mehrere farbige Kreiden Deiner Wahl

Arbeite noch einmal mit den „normalen“ dünnen Ölkreiden. Dieses Mal arbeite jedoch mit mehreren Farben Deiner Wahl.


Blatt 8 Was Du willst

Auf dem letzten Blatt bist Du frei.


Nun hast Du die experimentellen Aufgaben hinter Dich gebracht! Herzlichen Glückwunsch fürs Durchhalten!

Lass uns schauen, wie es weitergeht. Experimente sind schön und wunderbar, aber auch nicht immer nur bereichernd. Sie können an den Nerven zehren und wunderbar überraschend sein.

Stephan Geisler

Reflektion

1. Wenn Du Dir nun die unterschiedlichen Techniken anschaust, welche findest Du selbst jetzt im Ausprobieren am überzeugendsten.?

2. Welche Zeichnung ist für Dich am besten geworden? Hat es eher etwas mit der Zeichnung zu tun oder mit der Technik?

3. Normalerweise zeichnest Du z.B. mit einem Bleistift eher die dunklen Stellen und die Schatten und plötzlich zeichnest Du mit einem hellen Material. Inwieweit hat Dich das beim Zeichnen beeinflusst? Hast Du Dich eher auf die hellen oder dunklen Bereiche Deiner Vorlage konzentriert?

4. Wie haben sich die unterschiedlichen schwarzen Untergründe ausgewirkt? Waren sie austauschbar oder haben sich ihre Unterschiede ausgewirkt?

Habe eine wunderbare Woche voll der Vorfreude auf einen neuen Block. Genieße die Zeit.

Dein HOWDOYOUKUNST-Team

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