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Zeichnen Basic #33: Weißeln

Lektion 33 Modul 7

Wochentraining "Zeichnen Basic"

Lektionen 31-35 Experimentelle Untergründe

Lektion 33:  Weißeln

Willkommen zur dreiunddreißigsten Lektion des Basiskurses „Zeichnen“.

Materialliste

  • Bedruckte Papiere – siehe Erläuterung
  • Deckweiß oder Grundierweiß oder weiße Wandfarbe
  • Zewa oder einen alten Lappen
  • breiter Flachpinsel
  • Bleistifte
  • 3 Gegenstände Deiner Wahl (siehe Aufgabe)

Heute geht es um eine eher sehr simple Technik Untergründe zu schaffen. Wir suchen uns einfach Bedrucktes, bedruckte Papiere und weißeln diese, allerdings nicht zu 100%.

Aber fangen wir ganz vorne an.

Welche Anforderungen muss ich eigentlich an das Papier stellen, das ich verwenden möchte?

Da wir das Papier mit Weiß bearbeiten wollen (Deckweiß, Grundierweiß, Wandfarbe) sollte es natürlich nicht zu dünn sein und auch nicht superlackiert. Im letzteren Fall platzt die Grundierung gerne einmal ab. Im ersten Fall kann es zu einer extremen Wellenbildung kommen.

Allerdings gilt immer: Falls Du unsicher bist, probiere es aus. Das Schlimmste, was passieren kann ist, Du hast am Ende etwas gelernt.

Grundsätzlich kann man Wellenbildung ganz gut vermeiden, indem Du das Blatt, welches bearbeitet werden soll, umlaufend mit Tesakrepp auf einen festen Untergrund klebst. Dann kann sich das Papier beim Trocknen immer wieder glattziehen. Den unbearbeiteten Rand, der durch das Tesakrepp entsteht, sollte man nachher eher abschneiden. Er ist in so einer Zeichnung zu dominant und zu offensichtlich.

Das Papier sollte zumindest über Zeichnung so gut beanspruchbar sein, dass es nicht kaputt geht, sobald man eine Linie zieht oder mal etwa heftiger schraffieren muss.

Wenn wir doch nun sowieso weißeln, warum nehmen wir dann nicht einfach weißes Papier?

Wir weißeln ja nicht komplett, sondern wir lassen Teile der Papiere durchschimmern.

Stell Dir vor, Du möchtest ein Stillleben zeichnen und plötzlich schimmern zwischen den Birnen ein paar Augen aus dem weißen Untergrund hervor. Es ist quasi eine zweite Realitätsebene, die zum dargestellten Motiv Sinn machen kann, oder eben auch überhaupt nicht und dadurch um so überraschender wird.

So fängt man, an seine vorbereiteten Untergründe zu durchforsten, um zu schauen, welcher von ihnen am besten zu einem bestimmten Motiv passt, welches man zeichnen möchte. Man nimmt halt schon eine Bild- oder Realitätsebene mit ins Spiel, ohne überhaupt einen einzigen Strich getan zu haben.

Sinnvollerweise arbeitest Du in drei wesentlichen Phasen:

  1. Papiersuche: durchforste alles, suche und finde. Es können winzige Stücke sein oder auch größere. Du kannst Blätter zurechtscheiden oder ganz lassen.
  2. Weißle Deine Seiten mit Grundierung, Deckweiß oder Wandfarbe: Streiche die Farbe eher erst einmal etwas dicker auf und nimm sie anschließend mit einem Zewa wieder vom Bild herunter. So kannst Du am besten kontrollieren, was Du stehen lässt und wie stark Du es stehen lässt. Letztendlich ist genau das ein sehr subtiles schönes Spiel und nicht einfach eine schnöde Vorbereitung. In diesem Schritt kannst Du Deine Untergründe sehr sensibel und fein steuern. Nutze Deine Chance und sei feinfühlig. – Nach diesem Schritt hast Du im besten Fall bereits sehr viele Untergründe und kannst Dir von nun an immer den passenden Untergrund für Deine Zeichnung heraussuchen.
  3. Die Zeichnung selbst: Auf diesen Untergründen kannst Du natürlich mit allem zeichnen. In dieser Übung bleiben wir mal nur bei dem Bleistift. Aber Du hast ja nun so viele Untergründe, dass Du auch noch andere Materialien intensiv ausprobieren kannst.

Motivisch geht es heute um drei Gegenstände, die Du zu einer Gruppe zusammenstellst. Suche Dir gerne Gegensätzliches aus.

In den beiliegenden Fotos siehst Du Beispiele, wie man drei Gegenstände immer wieder neu zusammenstellen kann bzw. wie Du immer wieder neue Beispiele finden kannst.

Stillleben
Stillleben
Stillleben
Stillleben
Stillleben

Sei kreativ. Nimm nicht gleich die erstbeste Konstellation. Wenn Du Zeit und Lust hast, mache vorher gerne eine Fotoserie von Deinen Gegenständen, um diese unterschiedlichen Möglichkeiten zu erforschen.

Dann fange an zu zeichnen.

Schrittfolge – 3 Gegenstände

Schritt 1 Die Skizze

Zuerst überlege Dir, wie Du Deine Gegenstände genau auf Deinen Bogen Papier aufbringen möchtest.

  • Wo sind sie platziert?
  • Sind sie angeschnitten oder komplett abgebildet?
  • Falls sie angeschnitten sind, wo sind sie das? Werden die betreffenden Gegenstände dadurch eher verrätselt?

Nun mache eine erste Vorskizze mit einem mittleren Bleistift gemäß Deiner Vorüberlegungen.


Schritt 2 Die Dunkelheiten

Setze, wie wir es schon oft geübt haben, mit einem weichen Bleistift alle Dunkelheiten extrem dunkel.

Die nicht ganz so dunklen aber immer noch dunklen Stellen, schraffiere dementsprechend auch dunkel.


Schritt 3 Der Schlagschatten

Betrachte den Schlagschatten der drei Gegenstände auf den Untergrund. Siehst Du keinen, mach das Licht an bzw. stelle eine Schreibtischlampe so neben Deine drei Gegenstände, dass zum einen ein deutlicher Schlagschatten entsteht und zum anderen die Dunkelheiten aus Schritt 2 sich nicht wesentlich verändern.

Schraffiere den Schlagschatten sehr ordentlich und dicht mit einem H-Bleistift aus.


Schritt 4 Der Schwerpunkt

Überlege Dir, wo Du Deinen Schwerpunkt einsetzen möchtest. Er sollte ein Areal umfassen, welches Teile von mindestens 2 der 3 Gegenstände mit einbezieht, also gegenstandsübergreifend sein. Formuliere diesen Bereich sehr exakt mit verschiedenen Bleistiften zeichnerisch aus.

Schaffe Plastizität durch Verläufe, erarbeite Details usw.

Anschließend zeichne an zwei anderen Stellen in Deinem Bild zwei kleine Korrespondenzpunkte! Formuliere sie in ähnlicher Weise zeichnerisch aus, wie den Hauptschwerpunkt, nur eben wesentlich kleiner. 

Die Verteilung dieser drei ausgearbeiteten Punkte zueinander bildet einen Grundpfeiler Deiner Komposition. Überlege Dir also, wo diese Punkte auftreten sollten.


Schritt 5 Nachbearbeitung

Bearbeite Deine Zeichnung einfach nochmal nach. Schaue, wo noch etwas fehlt, gleiche aber auf keinen Fall die Schwerpunkte und den Rest aneinander an! Das wäre fatal. Ggf. bearbeite auch ein bisschen den Hintergrund. Runde die Zeichnung nach Deiner Facon ab!


​ Gut geweißelt?

Die Methode in dieser Übung, Untergründe zu schaffen, ist zwar am Ende eine wirklich simple aber ebenso eine sehr vielfältige. Hoffentlich hat sie Dir Spaß gemacht.

Probiere gerne noch weitere Zeichnungen mit anderen Materialien aus. Um so mehr Materialerfahrungen Du machst, um so mehr wirst Du die unterschiedlichsten Materialkombinationen selbst zusammenstellen lernen und abschätzen können.

Die Welt des Zeichnens ist eine große Welt.

Stephan Geisler

Reflektion

1. Wenn Du Dir mal nur die Untergründe anschaust: Welche Ausgangspapiere haben sich bislang am ehesten geeignet? Welche Untergründe sind besonders reizvoll geworden und warum? Welche haben sich aus welchen Gründen nicht so bewährt?

2. Wie haben sich Zeichnung und Untergrund für Dich miteinander verbunden? Hat es geklappt? Hättest Du im Nachhinein andere Entschlüsse getroffen?

3. Wie ist die Zeichnung als solche geworden? Hast Du das Gefühl, dass Dein Training langsam fruchtet?

Habe eine Woche der totalen Entspannung und freue Dich schon jetzt auf die nächsten experimentellen Untergründe in der kommenden Woche!

Dein HOWDOYOUKUNST-Team

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