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Zeichnen Basic #38: Von Wolken und Wölkchen

Lektion 38 Modul 8

Wochentraining "Zeichnen Basic"

Lektionen 30-35 Landschaften

Lektion 38: Von Wolken und Wölkchen

Wolkenlandschaft

Willkommen zur achtunddreißigsten Lektion des Basiskurses „Zeichnen“!

Materialliste

  • 1 Bogen glattes Zeichenpapier, DinA4 bis DinA3, gerne auch etwas dazwischen
  • Bleistifte
  • Eine der Vorlagen (s.u.)

Weiter geht es mit unseren Landschaften mit Bleistift.​

So wie man beim Aktzeichnen mit Life-Modellen mit dem Torso anfängt, irgendwann Beine und Arme anfügt und diese Körperpartien immer weiter trainiert, erreicht man bei diesen Körperpartien irgendwann einen recht guten Level. Anschließend traut man sich nicht mehr an Hände, Füße und Gesicht bzw. Kopf. Dann ist es irgendwann einfach zu spät. Der Rest klappt gut und die letzten wirklich schweren Sachen gar nicht. Das frustiert dann irgendwann sehr.

Bei Landschaften und Wolken ist es zwar nicht das gleiche, aber die Landschaft als solche wird gerne „genommen“, die Wolken unterliegen meistens einer Vermeidungstaktik. Das nicht so ganz ohne Grund, denn Wolken haben eben in der Zeichnung auch etwas ganz besonderes und ganz besonders Schweres. Aber was ist das eigentlich?

Wolken haben erst einmal keine klare wirkliche Form. Die Formen sind ständig in Bewegung, immer sind sie anders. Trotzdem gibt es bestimmte Wolkentypen und Formen, die immer und immer wieder auftauchen.

Wolkenlandschaft
Wolkenlandschaft
Wolkenlandschaft
Wolkenlandschaft
Wolkenlandschaft

Nehmen wir uns mal eine der größeren buschigen Wolken vor. Auf einem Foto können wir natürlich schon eine gewisse Form erkennen, aber manchmal löst sie sich auch gänzlich auf und ist als Form nicht mehr greifbar. Versuchen wir nun eine Wolke zu füllen, wie Du es jetzt schon bei Bäumen und Büschen ausprobiert hast, merken wir, wir haben nicht wirklich die Strukturen, wie Blätter etc. Es ist eher tuffig, weich, ein Ineinander von Dunkel und Hell. Hier ist dann oft nicht mehr der Ansatz einer Form. Trotzdem müssen wir auf diese vagen Strukturen aber eingehen, wollen wir die Wolken in ihrem Charakter tatsächlich treffen.

Hier geht es eigentlich nicht mehr um nachvollziehbare Schraffuren im Sinne von „Verläufe schraffieren“ um Räumlichkeit zu schaffen, sondern es geht fast um Malerei. Linien müssen nicht sichtbar sein. Es sollte ein eher weiches Ineinander von Nuancen sein.

Ungewohnt ist die Tatsache, dass Du hier mehr impulsgesteuert arbeitest. Du musst sehr genau hinschauen, du bist im ständigen Wechsel zwischen Objekt (Vorlage) und Zeichnung. Währenddessen hörst Du quasi nicht auf zu zeichnen und zu modellieren.

Vergiss nicht, das sind Deine ersten Wolken, es ist ein erster Anfang. Am Anfang ist so etwas immer auch ein bisschen Pingelei. Das ist bei neuen Themen aber auch normal. Um so sicherer Du wirst, um so mehr geht es von der Hand. Ein neues Thema muss man immer erst verstehen, bevor es einfach fließt. Wolken sind übrigens ein klasse Objekt, um einen lockeren Umgang mit Form zu trainieren. Genieße es und versuche frei zu sein, obwohl Du auch nah am Objekt sein musst.

Suche Dir eine Landschaft aus den Vorlagen aus und starte direkt. Die Wolken sind Dein Hauptfokus, der Rest der Landschaft wird fast nebensächlich gezeichnet.

Diese Übung benötigt viel Zeit, weil es einfach um sehr feine Nuancen geht. Nimm sie Dir!

Die Wölkchenschritte

Schritt 1 H-Bleistift für die Formensuche – Wolken und Landschaft

Starte mit einem H-Bleistift.

Arbeite mit suchenden Linien, Konturen, Andeutungen, Hinweise. Sie dürfen auch „falsch“ sein. Schließlich suchst Du die Linien.

Du benötigst wie gehabt eine Aufteilung der Fläche, Du brauchst genug Andeutungen für die Realität, Wolken wie Landschaft, um gleich im nächsten Schritt in die Schraffur gehen zu können.

Bleibe weitestgehend zart, leicht, schnell und fließend. Nimm Dir Zeit. Versuche vor allem nicht genaue Formen zu finden oder etwas „richtig“ zu machen. Schwelge und definiere! Suche eine gute Mischung!


Schritt 2 H-Bleistift für helle Nuancierungen

Bleibe bei dem Bleistift mit dem Buchstaben H.

Gehe nun in die Schraffur. Sei erst einmal zart. Natürlich dauert das alles ein bisschen. Auch hier wieder: Nimm Dir Zeit, schwelge und genieße es. Setze den Bleistift möglichst nicht ab.

Versuche, obwohl der Bleistift so hart ist, verschiedenste Nuancen zu schaffen, alles im hellen Bereich. Zart, zarter, am zartesten. Das gilt für Wolken wie für Landschaft. Der Unterschied: Die Landschaft soll nach diesem Schritt bereits fertig sein.

Nach diesem Schritt bearbeitest Du die Landschaft nicht weiter.

Die nachfolgenden Schritte führst Du also ausschließlich in den Wolken aus. Sie sollen der Fokus sein. Im besten Fall werden die Zeichnungen dadurch etwas dramatischer.


Schritt 3 HB-Bleistift für feine Dunkelheiten

Nun gehen wir eine Härte hoch – der HB-Bleistift ist in diesem Schritt das wesentliche Instrument.

Ganz dunkel sind die Wolken auf den Fotos nicht. Modelliere mit diesem Bleistift nun die eher dunkleren Bereiche. Aber auch hier reicht nicht mal eben eine Schraffur, sondern schaffe auch hier zig verschiedene Nuancen.

Arbeite sehr fein, arbeite modellierend, lass Dir Zeit und sei sensibel.


Schritt 4 Suchende objekthafte Linien

Vielleicht erinnerst Du Dich an diese oder eine ähnliche Situation:

Du zeichnest einen Apfel, füllst ihn mit schraffierten Verläufen aus und zum Schluss machst Du einige lebhafte einzelne Linien, die auch als einzelne Linien erkennbar sind. Diese Linien sollen sich an der Form des Apfels orientieren. Sie verfolgen die Plastizität des Apfels.

Um eben solche Linien soll es in diesem Schritt gehen, aber nur um einige wenige, weil sonst die Wolke als Figur zu sehr betont wird.

In der Übung siehst Du eine mögliche Wolkenzeichnung. Versuche diese Linien dort zu finden und das Prinzip nachzuvollziehen.


Schritt 5 Ein paar freie Linien

Nun setze einfach mit einem H-Bleistift einige wenige freie und rasche Linien. Sie sollen nichts Konkretes darstellen, lediglich die Zeichnung auflockern und ggf. etwas Tempo vermitteln.


Schritt 6 Überarbeitung

Zum Abschluss schaue Dir die Zeichnung einfach nochmal gründlich an und arbeite hier und da etwas nach, falls es notwendig ist.

Hier ein Beispiel, wie ein Ergebnis aussehen könnte:

Wolkenzeichnung

In dieser Übung stellst Du ein Prinzip fest – oder vielleicht erahnst Du es auch nur – das Du vom „Lesen lernen“ kennst.

Du lernst die Buchstaben, Worte, Sätze, erst stotterst Du noch rum, dann wird es fließender, dann ganze Texte. Wenn Du sie liest, liest Du sie nur, den Inhalt bekommst Du gar nicht mit, weil Du Dich so auf das Lesen selbst konzentrieren musst. Das kippt irgendwann auf magische Weise. Du liest ohne Anstrengung und einzig der Inhalt wird von Dir bemerkt, irgendwann nicht mehr nur bemerkt, sondern neue Welten formen sich vor Deinem geistigen Auge.

So ist es auch beim „Zeichnen lernen“. Du lernst die Linie, die Fläche, die Schraffur, es ist oft noch so mühevoll und irgendwann kippt es, dann zeichnest Du einfach nur noch, die Bilder entstehen fast von selbst.

Wo stehst Du im Moment?

Selbst wenn Du das Gefühl hast, Du stehst noch am Anfang, halte durch! Es ist wichtig zu verstehen, wo in einer solchen Entwicklung Du Dich gerade befindest. Denn so weißt Du, dass das alles ganz normal ist. Und so weißt Du, dass das Durchhalten Dich irgendwann zu zauberhaften zeichnerischen Leveln bringt. Du wirst immer einzigartiger werden. Du wirst erfüllt sein.

Kommen wir zuvor aber noch zu unseren Reflektionsfragen.

Reflektion

1. Sind es Wolken geworden oder eher nicht? Was ist wolkenähnlich und wo hat es vielleicht auch gehakt. Was war erstaunlich leicht und was erstaunlich schwierig und komplex?

2. Wo würdest Du Deine Zeichnung auf einer Skala von 1 bis 10 anordnen. Dabei steht die 1 für „überwältigend“ und die 10 für extrem fragwürdig. Warum hast Du Deine Entscheidung so getroffen?

3. Hätten es Buntstifte leichter oder schwerer gemacht? Was wäre sehr anders gewesen?

4. Könntest Du Dir vorstellen, Wolken zu einem Jahresthema zu machen? Wie würdest Du Serien zu Wolken gestalten, was wären Unterthemen? Wie schaffst Du Variationen?

Habe eine Woche angefüllt mit zeichnerischen Traumwolken. Aber Achtung! Wenn Du die Wolken draußen betrachten und studieren möchtest, achte darauf, dass Du stehst oder sitzt! Sonst geht’s schnell mal schief. In diesem Sinne: Happy Cloud!

Dein HOWDOYOUKUNST-Team

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