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Zeichnen Basic #2: Von Birnen und Linien

Lektion 2 Modul 1

Wochentraining "Zeichnen Basic"

Die Linie und einfache Gegenstände – Lektionen 1-5

Lektion 2: Von Birnen und Linien

Willkommen zur zweiten Lektion des Wochentrainings „Zeichnen Basic“!

Nachdem Du in der letzten Lektion einiges gelernt hast zum Thema Material und Linienqualität und Du Dich trainiert hast, in der Anwendung von Linien unterschiedlicher Tempi und Dicken, geht es heute um die gezielte Anwendung dieser ersten Erfahrungen bezogen auf Realität. 

Die Objekte unserer Begierde in dieser Lektion sind...

Birnen!

Besorge Dir ganz unterschiedliche Birnen, verschiedene Sorten und Reifegrade, ca. 7-10 Stück. So hast Du die Möglichkeit, etwas gezielter auszuwählen. Wenn Realität ins Spiel kommt, kommt auch die Wahrnehmung ins Spiel.

Die erste Lektion beschäftigte sich mit der puren Anwendung des Materials. Das soll nicht bedeuten, dass Du das jetzt schon kannst, sondern die Sensibilität für Linienführung stellt sich nach und nach über einen längeren Zeitraum ein.

Die Realität erfordert nun noch von uns, genau hinzuschauen, unsere Wahrnehmung auszubilden und zu trainieren. Alleine das Hinschauen und Sehen der Objekte erfordert zu Beginn schon so einige Anstrengung.

Also nicht wundern, auch das benötigt Zeit. Das ist der Grund, warum man Zeichnen nur über Kontinuität effektiv lernen kann, so wie eine Sprache oder auch einen Sport. Also habe einfach Geduld mit Dir und trotzdem unendlichen Spaß am Lernen und Zeichnen.

Fangen wir also an!

Heute geht es um 4 unterschiedliche Zeichnungen, sehr linienorientiert. Jede Zeichnung besteht aus 3 vorgegebenen Schritten und eine Anleitung zum Arrangement der Birnen. Als Zeichenformat reicht unbedingt DinA4.

Dazu ein kleiner Tipp: Kaufe Dir bitte kein Buntstiftsortiment, sondern besorge Dir einzelne Buntstifte von Polycromos (einzelne Stifte kannst Du z.B. bei Boesner oder Gerstaecker erwerben). Hier gibt es eine unendliche Farbauswahl auch mit sehr vielen sehr dezenten Farben. Eben diese kommen in der Zeichnung häufiger zum Einsatz.

Wir arbeiten mit Bleistiften unterschiedlicher Härten und zwei Buntstiften, einem dezenten Ocker und einem dezenten hellen Grün.

Zeichnung 1

Lege Dir zwei Birnen zurecht, eine aufrecht stehend, eine liegend. Nimm zwei unterschiedliche Sorten!

Schritt 1

Versuche dich den Birnen anzunähern, indem Du mit einem H oder HB Bleistift sehr dünne suchende Linien setzt. Diese Linien müssen anfangs noch gar nichts mit den Birnen zu tun haben. Suche lieber schnell und länger, als von Beginn an sehr kontrolliert zu sein. Es darf dauern, bis Du die ersten Birnenformen findest.

Eine kleine Anmerkung am Rande: Radiere nicht! Alle scheinbar falschen Linien unterstützen am Ende die Lebendigkeit der Zeichnung. Schaue immer wieder auf die Objekte, vergleiche sie immer wieder mit Deinen suchenden Linien und versuche irgendwann bei den Birnenformen anzukommen. Hast Du Dich den Birnen erfolgreich angenähert, gehe weiter zum zweiten Schritt!

Schritt 2

Nun nimm einen 3B oder 4B Bleistift, aber nicht um ausschließlich dunkle Linien zu setzen. Denke an die erste Lektion zurück. Auch ein weicher Bleistift kann zarte und dünne Linien zeichnen. Nun setze die endgültigen Birnenkonturen! Da Sie aus dem ersten Schritt bereits sichtbar sind, kannst Du schnell und mit Schwung weiterzeichnen. Denke an das Thema „Variation“ aus der ersten Lektion. Versuche die Linien teilweise dunkel und teilweise eher leicht zu zeichnen.

Schritt 3

Birnen haben oft kleine Punkte auf der Oberfläche. Versuche sowohl mit 2 Bleistiften, 2B und 7B, als auch mit Deinen beiden Buntstiften diese Punkte zu zeichnen, indem Du den jeweiligen Stift senkrecht auf das Blatt führst.

Auch hier gilt: Nimm Dir Zeit und genieße es. Manchmal hat Zeichnen einfach etwas Meditatives.

Noch ein kleiner Hinweis: Fülle die Birnen nicht gleichmäßig mit Punkten, sondern setze sie an einigen Stellen dichter und an anderen offener!

Damit wäre die erste Zeichnung bereits geschafft. Kommen wir zur zweiten.


Zeichnung 2

Ändere Dein Arrangement. Arbeite mit 5 Birnen, 2 ähnlichen und 3 anderen. Nun arrangiere sie. Versuche folgende Punkte zu berücksichtigen:

  •  Mindestens 2 Birnen sollten aufrecht stehen
  • Mindestens eine Birne sollte liegen
  • Eine Birne sollte einen Abstand, sprich Zwischenraum, zu den 4 anderen haben.
  • Es sollten unbedingt Überlagerungen vorhanden sein, das bedeutet: Es gibt Birnen, die hinter anderen stehen oder liegen und deshalb nur zum Teil zu sehen sind.

Nun gehe noch einmal die Schritte aus der ersten Übung durch! So kannst Du sie nochmal vertiefen, arbeitest aber gleichzeitig mit einer neuen, etwas schwierigeren Situation.


Zeichnung 3

Ändere Dein Arrangement, tausche Birnen aus, verändere die ganze Situation. Wir wagen eine neue, eine dritte Zeichnung.

Dieses Mal in einer neuen Abfolge, denn immer wieder neue Erfahrungen machen und sammeln, bedeutet sich ein immer größeres Repertoire anzueignen, aus dem man dann irgendwann nur noch zu schöpfen braucht.

Also ans Werk!

Schritt 1

Starte dieses Mal mit einem Deiner Buntstifte. Fange wieder suchend an, wie auch vorher, aber versuche doch relativ schnell zu den endgültigen Konturen zu kommen.

Hast Du die Birnenformen bzgl. ihrer Konturen einigermaßen erfasst, zeichne sie teilweise noch einmal mit demselben Buntstift nach, um die endgültigen Konturen teilweise dicht und dunkel zu haben und teilweise leicht. Durch dieses Wechselspiel in der Kontur entsteht eine sehr schöne Lebendigkeit.

Schritt 2

Nun komme wieder zu den „gezeichneten“ Punkten, mit 2 unterschiedlich harten Bleistiften und beiden Buntstiften. Achte wieder darauf, dass die Punkte manchmal dichter auftreten und manchmal nur vereinzelt.

Dieses Mal setze einige Punkte auch in den Hintergrund.

Schritt 3

Im letzten Schritt kommt nun auch der Bleistift noch zum Zuge. Zuerst nimm Dir einen sehr weichen Bleistift und schaue, ob du irgendwelche sehr dunklen Bereiche in Deinem Birnenarrangement entdecken kannst! Diese kleinen Bereiche setze extrem dunkel, indem Du den Bleistift fast senkrecht aufdrückst und zeichnest!

Anschließend setze einige der grünen Birnenkonturen neu. Zeichne hierbei mit dem Bleistift teilweise sehr helle Konturen, teilweise extrem dunkle. Versuche dabei unbedingt schwungvoll und wagemutig zu sein, auch wenn dabei immer mal etwas schief gehen kann.


Zeichnung 4

Lass Dein Arrangement wie es ist. Verändere Deinen Blickpunkt, setz Dich also um. Zusätzlich bringe eine künstliche Lichtquelle mit ins Spiel, eine Stehlampe, eine Schreibtischlampe. Nimm das, was gerade zur Hand ist. Platziere die Lampe so, dass das Licht von der Seite auf die Birnengruppe trifft. Es dürfen durchaus recht harte Schatten entstehen.

Nun wiederhole die Abfolge der dritten Zeichnung, aber Obacht! Es gibt eine wichtige Ergänzung!

  • Da wo das Licht auf die Objekte trifft, sollten die Konturen sehr hell und dünn bleiben, sowohl die Farbstiftkonturen als auch die Bleistiftkonturen.
  • Da wo die Objekte im Schatten liegen, sollten die Konturen tendenziell dick und dunkel sein, gerne schwungvoll
  • Ggf. siehst Du nun mehr dunkle Stellen als vorher. In dem Fall sei mutig und setze viele dunkle Stellen.

Du siehst anhand dieses Beispiels, dass die Konturen je nach Dicke und Schwärze bereits ein Minimum an Plastizität andeuten. Die Figuren werden räumlicher.

Nun hast Du bereits so einige Erfahrungen in diesen Übungen machen können. Wenn Du das Gefühl hast, Du möchtest noch mehr üben, bevor in der kommenden Woche die neue Übung eintrudelt, wiederhole die Übung mit einer anderen sehr einfachen Obst- oder Gemüsesorte.

Nur versuche nicht alles auf einmal zu wollen. Es ist besser eine gleichmäßige Übungsroutine zu haben, die man gut in seinen Alltag einbauen kann, als zu Beginn ganz viel zu machen und dann die Lust zu verlieren.


 Herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Durcharbeiten dieser Übung!

Bevor es dann in der kommenden Woche weitergeht, schaue Dir noch die abschließenden Reflektionsfragen an. 

Reflektion

Stephan Geisler

1. Wie einfach oder schwer ist es Dir gefallen, die Formen richtig zu sehen und zu zeichnen?

2. Welche Zeichnung gefällt Dir am besten und warum?

3. Was ist Dir an den Birnen durch das genaue Hinsehen neu aufgefallen, was Dir bislang birnenmäßig gar nicht so klar war?

Habe eine schöne Woche und sei neugierig auf die Fortsetzung. Have a happy day!

Dein HOWDOYOUKUNST-Team

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