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Acryl Basic #6: Follow The Line!

Lektion 6 Modul 2

"Wochentraining Acrylmalerei Basic"

Lektionen 6-10 – Linien in der Malerei

Lektion 6: Follow the line!

Materialliste

  • 2 große Bögen Hahnemühle Kupferdruckbütten, 300g, (54x78 cm) jeweils gerissen in 4 Viertel.
  • Schwarze Tusche z.B. von Rohrer & Klinger
  • Mittlerer günstiger Aquarellpinsel oder Tuschpinsel
  • Löslicher Kaffee und einfacher breiter Flachpinsel
  • Sennelier-Ölpastell, rot ca. 20 cm lang und 2 cm im Durchmesser
  • härtere rote Ölkreide, z.B. von Van Gogh- Titanweiß
  • Katzenzunge
  • 5B Bleistift
  • Flach und Rundpinsel 2-15 mm Breite oder Durchmesser
  • verschiedene Acrylfarben
  • Acrylemulsion

Die Linien in der Malerei

Wenn man anfängt, Malerei zu erlernen, dann gibt es so unendlich viele Wege und Möglichkeiten. In der Zeichnung ist es relativ einfach, einen klaren strukturierten Weg zu definieren. Dort unterliegen alle Wege derselben Grundlogik, wie das Training der Wahrnehmung, das Training des Handwerks usw.

In der Malerei geht es so viel mehr um individuellere Möglichkeiten und Vorgehensweisen, sofern man nicht den ebenso klaren Weg der Realität geht. Und diese Individualität spielt bereits in der Lehre, der Vermittlung von Malerei eine sehr große Rolle.

Du hast sicherlich bereits gemerkt, dass der Weg, den ich hier ausgesucht habe, einer ist, der erst einmal über Material geht, der den Schüler Erfahrungswerte sammeln lässt, der Prozesse erläutern möchte, um am Ende eine andere Selbstverständlichkeit für Malerei aufzubauen.

Danach kann man sich dann immer noch entscheiden, gehe man mehr in die Realität oder ist der Weg der einer abstrakteren freieren Auffassung von Malerei.

All die Übungen in diesem Kurs werden Dich Erfahrungen machen lassen – im Material, in der Freiheit, in der Realität, in der Wahrnehmung und Komposition.

Und in jedem einzelnen Block von 5 Lektionen wirst Du immer einen anderen Schwerpunkt vorfinden. Es kann mal um die Arbeit auf Leinwand gehen, mal um Realität, es kann um eine bestimmte Realität gehen, z.B. dem Portrait oder den Blumen usw.

Am Ende wirst Du so viele Erfahrungen gemacht haben, die dann eine perfekte Basis bilden für ein weiteres Vorankommen.

In dieser Lektion und den folgenden 4 Lektionen wird es um das Thema „Linie“ gehen.

Warum überhaupt Linie in der Malerei? Welche Materialien kannst Du verwenden? Welche Wechselwirkungen zwischen Malerei und Linie wird es geben? Was kann die Linie überhaupt alles?

„Bilder müssen den Vergleich mit der Natur oder der Wirklichkeit nicht bestehen.“

Georg Baselitz

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Wenn wir nun schon einen besonderen Fokus auf die Linie in der Malerei richten, stellt sich zu allererst die Frage,

WIE können wir in der Malerei überhaupt Linien machen?

Grundsätzlich haben wir zwei Möglichkeiten:

  • wir können das Material der Malerei, sprich die Farbe nutzen,
  • oder wir nehmen ein eher zeichnerisches Material.

An dieser Stelle zeige ich eine Vielzahl von Möglichkeiten auf. Du musst sie Dir nicht merken. Wir werden unterschiedlichste Formen in den nächsten Übungen ganz gezielt trainieren. Es geht darum, die Vielfalt zu sehen, die Möglichkeiten zu begreifen und zu verstehen, es gibt keine Einschränkungen, alles ist möglich!

https://www.howdoyoukunst.de/wp-content/uploads/2015/11/pinsel1.png

Linien mit der Farbe

  • Du kannst mit einem Pinsel wunderbar einfach in die Farbe tunken und Linien machen. Und schon stellt sich die Frage, welchen Pinsel nehme ich und welche Farbe.
  • Du kannst Rundpinsel benutzen, Flachpinsel, Katzenzungen und jede andere Art von Pinsel, die Dir über den Weg läuft.
  • Du kannst die Farbe sehr satt einsetzen, sogar pastös.
  • Du kannst die Farbe etwas flüssiger machen.
  • Du kannst auf einem getrockneten Zustand Linien setzen oder Linien in die noch nasse Farbe arbeiten.

Paintbucket

Linien mit Pinsel und Fremdmaterialien

  • Wenn Du mit dem Pinsel arbeitest, musst Du nicht zwangsläufig Acrylfarbe benutzen, genauso kannst Du andere Materialien verwenden bzw. Materialien, die Acrylfarbe stark verändern.
  • Wenn Du Acrylfarbe verändern möchtest, geht das besonders gut, indem Du sie einfach flüssiger machst, mit Wasser, mit einem flüssigen Acrylbinder usw.
  • Du kannst generell Lasuren verwenden, also verdünnte eher transparente Farben aus Lacken, Wandfarben, Ölfarben, Kaffee, Holzbeize usw. usw. Bei bestimmten experimentellen Materialien, die nicht für die Malerei konzipiert worden sind, informiere Dich vorher bitte immer, ob Du sie in geschlossenen Räumen anwenden kannst oder Du lieber draußen damit arbeiten solltest.
  • Aber auch flüssige Materialien wie Tusche eignen sich. Tusche gibt es in unterschiedlichen Farben, z.B. von Rohrer & Klinger, und sie ist einfach extrem pigmentstark.

Generell kann aber immer folgendes passieren: Lasuren, die eher auf Wasser basieren, werden auf dicken getrockneten Acrylschichten nicht mehr haften, sie werden abperlen.

Wasserfreundliche (hydrophile) Materialien lassen sich mit fettfreundlichen (lipophilen) Materialien nur bedingt kombinieren.

Aber im Moment gilt: Probiere einfach alles aus und wie bereits vorher erwähnt, mache einfach viele Erfahrungen.


Linien mit Fremdmaterialien

Dann gibt es natürlich die riesige Palette an Fremdmaterialien, mit denen Du Linien setzen oder zeichnen kannst. In der Regel sollte der Schritt vorher dann gut durchgetrocknet sein. Da gibt es nur wenige Ausnahmen. Wenn Du z.B. mit einem Bleistift Ritzspuren in dicker Farbe hinterlassen möchtest.

Was gibt es also alles an Fremdmaterialien:

  • Farbstifte
  • Buntstifte
  • Kohle (nicht sonderlich haltbar)
  • Pastellkreide (auch nicht sehr haltbar)
  • Ölkreiden (es gibt sehr verschiedene Marken, Härten, Ausführungen und Farben) – wenn Du generell eine weichere und eine härtere Sorte in Deinem Sortiment verankerst, bist Du erst einmal gut ausgestattet.
  • Sennelier-Ölpastelle – diese Ölkreiden gibt es in drei Größen. Die mittlere Größe, ca. 20x2 cm ist die für Dich Interessante. Mit dieser Kreide kannst Du sehr massive Linien setzen.
  • Oilbar – Die sogenannten Oilbars haben eine feste Außenschicht, darunter verbirgt sich eine Art feste Ölfarbe, die aber trotzdem so weich ist, dass Du damit massivste Linien setzen kannst.
  • Paintmarker – eine Art flüssige aber einigermaßen deckende Acrylfarbe in Marker-/Stiftform
  • Acrylspray
  • Tusche und dünne Aquarellpinsel usw.

Die Übung

So, nachdem Du jetzt eine Vielzahl an Informationen bekommen hast und Du womöglich erste Anzeichen von Überforderung spürst, kommen wir nun wieder zu einer geführten Übung. Lass Dich von diesen vielen Möglichkeiten nicht überwältigen. Wir werden das meiste nach und nach anwenden, damit Du möglichst viel ausprobieren kannst.

Nach einer gewissen Zeit wirst Du eher erstaunt sein, wie selbstverständlich sich mit diesen Übungen Dein Repertoire und Deine Möglichkeiten und Fähigkeiten aufbauen.

Sei gespannt und freu Dich drauf!

Schritt 1 Linien mit schwarzer Tusche

Nimm Dir die schwarze Tusche und den einfachen Aquarell- oder Tuschpinsel. Ggf. mache einige Test auf einem alten Bogen Papier. Nun setze einfache lineare Spuren mit Tusche und Pinsel.4 Blätter Parallele enge Linien jeweils von einem Blattrand zum anderen auf 100% des Blattes.4 Blätter Linien, die eher chaotisch und unkontrolliert sind oder unkontrolliert scheinen, ebenso auf 100% des jeweiligen Blattes.


Schritt 2 Kaffee

Nun setze eine schöne fette Kaffeepampe an aus 3-4 Teilen löslichem Kaffee und ca. 1 Teil Wasser.

Setze mit einem einfachen Flachpinsel Flächen oder flächige Spuren aus Kaffee auf Deine Tuschelinien. Bearbeite jeweils 40-80% des jeweiligen Blattes.

Ggf. arbeite im Liegen und trage auch eher fette Flächen auf und lasse sie erst gut durchtrocknen, bevor es weitergeht mit Schritt 3.


Schritt 3 4x Sennelier und 4x härtere Ölkreide

Nun kommen wir wieder zu den Linien. Arbeite auf zwei Blättern mit parallelen Linien und auf zwei Blättern mit chaotischen Linien mit einem Sennelier-Ölpastell und auf den anderen vier Blättern mit einer eher etwas härteren Ölkreide. Die Farbe in beiden Fällen: knallrot!

Auf den Blättern mit den parallelen Linien arbeite genauso wie in Schritt 1. Arbeite in derselben Richtung.

Auf den Blättern mit den chaotischen Linien arbeite entsprechend chaotisch. Bearbeite die Blätter zu 50-70%.


Schritt 4 Malerei + Ritzspuren

Nun setze eine schöne deckende weiße Fläche auf jedes Blatt. Nimm eine normale Katzenzunge und versuche die Fläche aus vielen Pinselstrichen entstehen zu lassen.

Die Fläche kann pro Blatt gut 40-60% einnehmen, aber ACHTUNG!! Bevor diese Fläche nun trocknet, ritze mit einem 5B Bleistift Linien in diese Fläche, teilweise werden Bleistiftspuren zu sehen sein, teilweise aber auch nur Ritzspuren.

Entscheide Dich immer wieder neu, ob Du nur wenige Linien setzt oder auch mal ganz viele. Probiere verschiedene Dinge aus.


Schritt 5 Linien in Acryl

Nun setze Linien mit einer Acrylfarbe und mit einem Pinsel! Du kannst immer wieder einen anderen Pinsel nehmen von 2-15 mm Breite.

  • Auf zwei Blättern mit den parallelen Linien aus Schritt 1 arbeite wieder mit parallelen Linien, wieder in derselben Richtung.
  • Auf zwei Blättern mit den eher chaotischen freien Linien aus Schritt 1, arbeite entsprechend chaotisch und frei.
  • Auf den vier anderen Blättern arbeite frei, einfach so wie es Dir in den Sinn kommt. 

Farblich arbeite auf zwei Blättern in Magenta, auf zwei Blättern in einem Mittelgrau, auf 2 Blättern in einem Dunkelviolett und auf zwei Blättern in einem Türkisblau. Auf welchen Blättern Du die Farben jeweils einsetzt, bleibt ganz Dir überlassen.


Schritt 6 Lasur

Wenn der vorhergegangene Schritt gut durchgetrocknet ist, trage eine Lasur auf aus Rot und Acrylemulsion, 1 Teil Farbe zu 10 Teilen Emulsion. Trage sie mit einem Flachpinsel großzügig auf und bearbeite maximal 50% eines jeden Blattes.

Lass Dich von Deinem Gefühl leiten.


Schritt 7 wenige Restlinien

Nun teile jedes Blatt gedanklich in vier Viertel und setze jeweils in einem der gedachten Viertel noch einmal einige Linien ein. Wiederhole jeweils einen der Linienschritte, die Du in dieser Übung bereits gemacht hast, Acryl, Kreide, was immer Du möchtest, und versuche die Blätter damit abzuschließen.


Stephan

 Wunderbar!Und wieder hast Du eine Aufgabe geschafft!

So geht es Stück für Stück weiter. Jede Übung lässt Dich neue Erfahrungen sammeln, so kommst Du Stück für Stück Deinem Ziel näher.

Die Reflektionen am Ende einer jeden Übung trainieren den reflektierten Blick auf die eigene Arbeit:

Reflektion

1. Welches ist Deine gefühlt beste Arbeit und welche die eher am wenigsten Gute? Versuche Deine Wahl zu begründen.

2. Welche Funktion übernimmt der Kaffee im Bild?

3. Welchen Schritt hättest Du in der Rückbetrachtung gerne anders gemacht und wie hätte dieser Schritt konkret ausgesehen?

Nun wünsche wir Dir nach dem malerischen Spaß eine ganz wunderbare Woche!

Dein HOWDOYOUKUNST-Team

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