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Acryl Basic #11: Weiß bis hell – let it snow!

Lektion 11 Modul 3

Wochentraining "Acrylmalerei für Fortgeschrittene"

Lektionen 11-15 – Monochrome Wochen

Lektion 11: weiß bis hell – Let it snow!

Materialliste

  • 2,5 große Bögen Hahnemühle Kupferdruckbütten, 300g, (54x78 cm) jeweils gerissen in 2 Hälften.
  • Löslicher Kaffee
  • Diverse Pinsel
  • Diverse Acrylfarben

Am Anfang gibt es so viel zu lernen und auszuprobieren, zu experimentieren und einfach zu machen.

Diese Übungen werden weiterhin so aufgebaut bleiben, dass pro innerhalb von fünf Wochen immer ein Grundthema Pate steht und innerhalb des Themas möglichst viele verschiedene Aspekte angesprochen werden. So kannst Du gleichermaßen neue Erfahrungen machen und das neu Gelernte festigen.

Diese Einheit steht ganz im Sinne monochromer Bilder. Diese Woche und auch in den folgenden vier Lektionen wirst Du Dich jeweils mit einer ganz bestimmten Farbrichtung auseinandersetzen.

So kannst Du in bestimmte Farbfamilien tiefer eintauchen, Du kannst Dich mit dem Mischverhalten bestimmter Farben auseinandersetzen und Dich für bestimmte Farbpaletten sensibilisieren.

Wir starten mit sehr hellen Arbeiten, fast weißen Bildern. Mit Bildern, die eher subtil sein werden. Du wirst Dich wundern, wie schön es in der Malerei sein kann, Farben auch mal wegzulassen!

Ein Künstler, den ich besonders schätze, der in der Regel mit nur wenig Farbe auskommt ist Jupp Linssen. Schau Dir gern Arbeiten auf seiner Website an oder google ihn mal.

Vorübung

Da das Arbeiten mit sogenannten Nichtfarben durchaus eine Herausforderung ist, macht es Sinn, eine Vorübung zu machen, die sich etwas ausgiebiger mit dem Mischen auseinandersetzt.

Nimm Dir einen halben Büttenbogen und mische eine Reihe von verhaltenen Farben, von denen Du jeweils 1-2 Pinselstriche auf dem Blatt hinterlässt. Es ist bei so einer Aufgabe sicherlich sinnvoll, mit bereits ersten Erfahrungswerten in die Übung zu gehen, als alles zum ersten Mal in der Übung anzuwenden.

Versuche folgende Farben zu mischen! Denke aber immer daran, dass es um tendenziell sehr helle Farben geht.

  • Mische 5-7 unterschiedliche Grautöne aus Schwarz, Weiß und Ocker-/Brauntönen.
  • Mische 3 Grautöne, indem Du minimal Rottöne dazu mischst.
  • Wiederhole das Ganze mit Blautönen
  • Und noch einmal mit Grün
  • Mische 3-4 „Eierschalenfarben“, also sehr helle warme Farben
  • Mische sehr helle Grautöne, auch unter Hinzunahme von löslichem Kaffee
  • Mische 3-4 Farben mit Kaffee, Weiß und Rot

 Wie hat es geklappt? War es anstrengend?

Man muss einfach relativ sensibel mischen. Aber es macht einfach Spaß, wenn man nach und nach merkt, wie automatisch und sicher man wird und wie selbstverständlich man die hohe Kunst des Mischens irgendwann betreibt. Und findest Du nicht, es wird bereits besser und besser?

Nun auf auf ans Werk!

Heute brauchen wir 8 normale Viertel, also müsstest Du 2 Blätter vierteln und die einzelnen Bögen mit Tesakrepp umlaufend aufkleben. Danach starte direkt mit Schritt Nr. 1.

„Auch Farben kommen ins Alter, bunter werden sie jedenfalls nicht!“

Walter Fürst
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Die Übung

Schritt 1 dünner Kaffee

Wir starten mit einem dünnen Kaffee, ca. 1 Teil Kaffee auf einen Teil Wasser. Mit diesem Kaffee mache pro Blatt etwas anderes:

Blatt 1: Lasiere 80% des Blattes gestisch mit einem breiten Pinsel.

Blatt 2: Setze waagerechte Streifen vom rechten zum linken Bildrand, sachlich und gerade. Abstand zwischen den Streifen = ein Streifen.

Blatt 3: Gestische wilde Punkte

Blatt 4: Schütte Kaffee auf das Blatt und lasse ihn sich frei entfalten.

Blatt 5: Lasiere exakt die obere Hälfte Deines Blattes, klar und sachlich.

Blatt 6: Setze regelmäßige Punkte.

Blatt 7 + 8: Wie Du es möchtest!

Zeit: solange es dauert


Schritt 2 Acht graue Lasuren

Wenn Schritt 1 getrocknet ist setze auf jedes Blatt eine graue Lasur mit Wasser. Hierbei ist es ganz wichtig, dass jede Lasur ein anderes Grau ist. Hier ist Deine Mischkunst gefragt. Bearbeite jedes Blatt zwischen 70 und 99%. Versuche ruhig immer wieder andere Pinsel zu benutzen, um zu sehen, wie sich die Pinselwahl auf die Lasur auswirkt.

Zeit ohne Mischen: solange es dauert


Schritt 3 Weiß

Nun arbeite mit einem deckenden Titanweiß.

Arbeite auf jedem Blatt anders:

Blatt 1 + 2: Flächig mit einem eher breiten Flachpinsel. Bearbeite ca. 80% des Blattes

Blatt 3: Setze mit einem schmalen Rundpinsel unendlich viele geschwungene und organische Linien, so dass am Ende gut 80% des Blattes komplett überdeckt ist.

Blatt 4: Arbeite mit einer Katzenzunge gestisch und wild und decke auch dieses Blatt zu ca. 80% zu.

Blatt 5: Setze mit einem breiten Flachpinsel regelmäßige Streifen vom rechten zum linken Rand.

Blatt 6 bis 8: Wie Du es möchtest.

Zeit: 8-10 Minuten für alle Blätter


Schritt 4 Weißer Glanz

Und es kommt noch einmal ein weißer Schritt. Dieses Mal soll das Weiß glänzend sein. Mische Dein Titanweiß also äußerst großzügig mit Acrylemulsion. Ggf. wird das Weiß dadurch transparenter. Das macht jedoch nichts.In diesem Schritt legst Du die Blätter am besten auf dem Boden oder auf einen Tisch. Nun trägst Du dieses Weiß mit einem Fachpinsel vorsichtig auf.

  • Bearbeite jeweils ca. 50% eines jeden Blattes
  • Versuche so verhalten zu arbeiten, dass kaum Pinselspuren zu sehen sind, sondern eher eine Fläche entsteht.
  • Das Material kann auch mal dicker stehen bleiben, muss dann aber länger trocknen.

Nach diesem Schritt wird bereits sehr viel Weiß auf den Blättern zu sehen sein. Schaue sie Dir gerne mal genau an. Das Aufregende daran ist, zu beobachten, was unsere Wahrnehmung mit so einer Situation anstellt.

Wusstest Du, dass es für uns niemals möglich sein wird, eine Wand wirklich weiß zu streichen? Um so weißer sie wird, um so mehr sucht unsere Wahrnehmung förmlich nach Anhaltspunkten... und findet sie. Das heißt, unsere Wahrnehmung vermag sich mehr und mehr zu sensibilisieren, um so weniger auf den Blättern passiert. Trotzdem werden wir in den nächsten Schritten wieder etwas dagegensteuern.

Zeit: solange es dauert


Schritt 5 Fünf Grautöne

Nun schöpfe aus Deinen ersten Erfahrungswerten aus der Vorübung und mische 5 sehr unterschiedliche Grautöne. Damit bearbeite Deine Blätter zu ca. 50%.

Arbeite frei. Arbeite auf jedem Blatt so wie Du es gerne möchtest. Versuche lediglich darauf zu achten, dass die 8 Blätter nach diesem Schritt möglichst unterschiedlich aussehen.

Zeit: 10 Minuten für alle Blätter ohne Mischen


Schritt 6 Eine besondere Farbe pro Blatt

Nun setze pro Blatt eine besondere Farbe. Diese Besonderheit soll sich dadurch ausweisen, dass Du sie sehr individuell mischst. Es sollten Farben sein, die Dir sehr individuell und eigenwillig vorkommen. Trotzdem musst Du natürlich an die Farbpalette unserer Bilder denken, sehr hell, eher farblos. Versuche also sehr sensibel zu mischen. Pro Blatt solltest Du eine andere Farbe verwenden. Gehe mit den Farben folgendermaßen auf den Blättern um.

Blatt 1 + 2: Wenige malerische Spuren, bewusst platziert, die sich an der bisherigen Malerei der Blätter orientieren.

Blatt 3 + 4: Setze jeweils eine Fläche, die ca. 50% des Blattes überlagert

Blatt 5 + 6: Setze kleine Spuren (z.B. Stippen) und verteile sie über die Blätter

Blatt 7 + 8: Was Du willst

Zeit pro Blatt: solange es dauert

Was sind Stippen?“

„Stippen“ ist kein Fachbegriff und sicherlich entspringt er einem dialektischen Umfeld, aber er ist einfach so wunderbar treffend. Deshalb wird er auch immer wieder auftauchen. „Stippen“ sind nichts anderes als sehr kurze akzentuierte Linien. Es sind keine Punkte. Trotzdem sind sie klein und haben die Kraft von gestischen Linien.


Schritt 7 Vier Farben oder eine weiße Lasur

Im letzten Schritt stehen pro Blatt 2 Möglichkeiten zur Auswahl. Du hast jeweils die Wahl, was Du machen möchtest.

Möglichkeit 1: Du wiederholst Schritt 4, versuchst die Lasur aber relativ dicht, also eher deckend zu machen. Du hast die Wahl, wieviel des Blattes Du bearbeiten möchtest.

Möglichkeit 2: Du mischt Dir 4 Farben Deiner Wahl, die in den Farbakkord dieser Aufgabenstellung passen. Die Farbe Weiß kann durchaus dabei sein. Nun betreibst Du „freie Malerei“. Bearbeite aber maximal 50% eines jeden Blattes.

Zeit pro Blatt: solange es dauert


 Du bist gut!

Die Aufgabe war sicherlich allein schon deshalb etwas herausfordernd, weil so extrem wenig Farbe im Spiel war, herausfordernd im Handling aber auch herausfordernd im Verstehen. Auf der anderen Seite merkst Du, dass Dir das Prinzip dieses Prozesses immer vertrauter wird. Solltest Du bis zur nächsten Lektion noch Zeit und Muße haben, probiere diesen Ablauf gerne auch mal auf ganzen Bögen aus!

Kommen wir zu unseren Abschlussfragen:

Reflektion

1. Sortiere Deine Blätter nach gefühlter Qualität! Warum ist Blatt 1 an erster Stelle und warum ist Blatt 8 an letzter Stelle?

2. Wie wirken die Arbeiten? Ästhetisch? Fragil? Aufmüpfig? Findest Du Worte?

3. Was hättest Du im Rückblick gerne anders gemacht, ohne das Thema zu verlassen?

Gehe mit einem geschärften Blick für helle Zusammenhänge durch die kommende Woche und freue Dich über alles, was Du neu entdeckst!

Dein HOWDOYOUKUNST-Team

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