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Acryl Basic #2: Der zweite Kontakt

Lektion 2 Modul 1

Wochentraining "Acrylmalerei Basic"

Lektion 2: Der zweite Kontakt – viele viele viele Grüntöne!

Willkommen zur zweiten Lektion des Wochentrainings "Acrylmalerei Basic"!

Materialliste der heutigen Lektion

  • 2 große Bögen Hahnemühle Kupferdruckbütten, 300g, (54x78 cm) gerissen inViertel = 8 Viertel.
  • 4 unterschiedliche Grüntöne
  • 2-3 Gelbs
  • 2-3 Blaus
  • Ocker, Grau, Weiß, Schwarz und was Du sonst schon in Deinem Farbsortiment hast
  • löslicher Kaffee
  • Pinsel und alles, was Du noch zum Malen brauchst (siehe auch Lektion 1)

Der erste Kontakt ist vollbracht. Die ersten Materialkombinationen hast Du ausprobiert. Es werden immer wieder neue dazukommen oder wir werden vorhandene vertiefen und spezifizieren.

Über diese vielen Kombinationen und unterschiedlichsten Ansätze wirst Du Malerei nicht einfach wie ein Handwerk, wie eine Technik erlernen. Alle Übungen sind darauf aus, Dir immer auch eine große Portion Freiheit und Eigenständigkeit einzuräumen, in der praktischen Auseinandersetzung und auch im inhaltlichen Zugang.

Trotzdem bekommst Du viele Grundlagen vermittelt, die auch heute noch die Basis sind für das Verständnis von Malerei, Komposition, Farbenlehre und Kommunikation.

Heute wollen wir uns dem grundlegenden Verständnis von prozessorientierter Malerei noch etwas mehr annähern und insbesondere Farben mischen.

Was wäre die Malerei, ohne dem Verstehen von Farben?

Wagen wir die erste zarte Bande!

Starten wir mit einem Bild, das wir alle aus unserer Schulzeit kennen: dem Farbkreis.

Farbkreis

Farbkreis nach Itten

Der Farbkreis hat eine lange Tradition und geht bis zum Ende des 17. Jahrhunderts zurück auf Isaac Newton. Später hat Goethe anhand des Farbkreises viele eigene Theorien entwickelt und nach ihm viele andere mehr. In Wikipedia kannst Du Dir die Geschichte des Farbkreises sehr viel umfassender anschauen (Link zu Wikipedia).

Aber aufgepasst: Manchmal tut es gut, sich dem Wissen anzunähern anstatt gleich alles verschlingen zu wollen. Wir beziehen uns auf den Farbkreis bzw. später auf die Farbenlehre von Johannes Itten.

Buchtipp!

Neben Kandinsky war Itten einer der ersten, der viele gestalterische Zusammenhänge in eine Lehre zusammengefasst hat.

Das Spannende dabei ist die Tatsache, dass Itten sich dabei ganz explizit auf die Funktionsweise unserer Wahrnehmung bezieht, d.h. durch die Zusammenhänge der Wahrnehmung bringt er die Gestaltung, Farbenlehre und Kompositionslehre auf einen objektiven wertefreien Nenner. Dazu später mehr.

Heute bleiben wir bei dem Farbkreis. Das Prinzip ist ein Einfaches. Legen wir auf einem Kreisring die drei Grundfarben, rot, gelb und blau, mischen wir anschließend die benachbarten Farben, dann entstehen die sogenannten Sekundärfarben.

rot + gelb = orange

gelb + blau = grün

blau + rot = violett

So können wir die neuen Farben in weitere Mischebenen mit einbauen. So wird aus einem violett und blau ein blauviolett, aus einem rot und orange ein zinnoberrot usw.

Die Abstufungen werden immer feiner und es kann uns gelingen, auf diesem Wege ca. 200 für unsere Wahrnehmung unterscheidbare Farbtöne zu schaffen.

Wir brauchen heute aber einen anderen Farbzusammenhang des Farbkeises.

Nehmen wir einen Farbkreis bestehend aus den 3 Grundfarben und den 3 Sekundärfarben, so hat Johannes Itten einen weiteren Farbzusammenhang definiert, den wir beim Mischen von Farben unbedingt benötigen.

Eigentlich ist es nur ein kleiner Hinweis, aber er eröffnet neue Farbwelten. Es geht um den Begriff der Komplementärfarbe.

Komplementärfarben sind die Farben, die sich im Farbkreis gegenüber liegen, wie

rot <> grün

orange <> blau

gelb <> violett

Im besten Falle erhält man, mischt man die Komplementärfarben im richtigen Verhältnis zusammen, ein neutrales Grau. Daraus ergibt sich eine für uns extrem wichtige Erkenntnis:

Die Intensität einer Farbe kannst Du abschwächen, indem Du etwas der Komplementärfarbe hinzumischst. Je mehr Du hinzumischst, um so gräulicher wird die Farbe. Mischst Du zuviel hinzu, kippt es irgendwann in die Komplementärfarbe.

Beispiel:

Hast Du ein intensives Rot und möchtest es bzgl. Intensität etwas abmischen, mischst Du etwas Grün hinzu. Je mehr grün, um so neutraler der Rot-Ton. Und je nach beigemischten Grün-Ton kannst Du unendlich viele verschiedene neutrale Rot-Töne kreieren. Im Video kannst Du Dir einige Beispiele anschauen:

Die Vorbereitung der Übung

Bereite Dein Papier wie auch schon in der ersten Lektion vor. Reiße es in Viertel und klebe es mit Tesakrepp umlaufend auf ein Holzbrett auf. Außerdem versuche durch eine Vorübung ein erstes Gefühl für das Mischen von Grüntönen zu bekommen.

Nimm Dir einen großen Bogen Büttenpapier. Mische wie im Video viele verschiedene Grüntöne an und setze alle Grüntöne, die Du hast, und die Du mischst, punktuell als kleine Farbflächen auf den Bogen Büttenpapier.

Nimm Dir hierfür Zeit. Viele Maler, die ich kenne, malen seit 20 Jahren, haben aber nie wirklich gelernt, Farben zu mischen. Wir können schließlich fast alles ganz bequem kaufen. Dabei ist es fast wichtiger, ein Gefühl für Farbe Schritt für Schritt zu entwickeln, als immer gleich tolle Ergebnisse vorliegen zu haben.

Fang an, Farbe zu genießen!

Bist Du bereit? Dann lass uns starten!

Die Übung funktioniert ganz ähnlich wie die erste. Es gibt lediglich einen großen Unterschied. Du bekommst 8 Arbeitsschritte vorgegeben.

Du machst jeden dieser 8 Schritte auf jedes Blatt, also zuerst Schritt 1 auf alle 8 Blätter, dann Schritt 2 auf alle 8 Blätter, so dass am Ende auf jedem Blatt alle 8 Schritte ausgeführt worden sind.

In der letzten Übung hattest Du für jedes Blatt jeweils andere Schritte. Hier sind es jeweils die gleichen. Versuche also jeden Schritt auf jedem Blatt anders auszuführen, sprich von Blatt zu Blatt ganz stark zu variieren.

Wenn ein Schritt einfach nur „Schwarz – Freie Malerei“ heißt, wie könnte man diesen Schritt beispielsweise von Blatt zu Blatt variieren?-

  • durch den Anteil der Farbe am Blatt (10% bis 90%)
  • durch die Plazierung der Farbe (nur oben, überall verteilt usw.)
  • durch die Art und Weise, wie Du das Schwarz einsetzt:
  •  linear
  • als Fläche
  • als freie Figur
  • als Ornament

Diese Möglichkeiten, einzelne Schritte von Blatt zu Blatt zu variieren, behalte immer im Hinterkopf!

Du wirst wahrscheinlich noch einige andere Möglichkeiten entdecken. So können aus 8 Blättern, auf denen Du jeweils die gleichen Schritte machst, 8 komplett unterschiedliche Ergebnisse entstehen. Der Gedanke an „Variationen“ beschert Dir auf Dauer ein extremes Repertoire im Einsatz Deiner Mittel.

Jetzt aber wirklich frisch ans Werk!

Schritt 1 freie Malerei – 4 Grüntöne

Bearbeite Deine Blätter mit den Katzenzungenflachpinsel (1-3 cm). Nimm diese Pinsel in dieser Übung für alle malerischen Schritte, außer beim Kaffee.

Nimm Dir 2 sehr unterschiedliche gekaufte Grüntöne und zusätzlich mische Dir 2 Grüntöne nach eigenem Gusto.

Betreibe freie Malerei, hinterlasse Spuren mit dem Pinsel, mal pur, mal mit anderen Pinselspuren vermischend, mal linear, mal flächig, was immer Dir einfällt.

Denke noch einmal an das Stichwort „Variation“ und fülle die Blätter zwischen 60% und 100%.

Genieße den Schritt!


Schritt 2 freie Malerei – 4 neue Grüntöne

Nun nimm Dir oder mische 4 komplett neue Grüntöne:

  • einen sehr dunklen Ton
  • einen kräftigen saftigen Ton
  • einen sehr hellen Ton
  • und einen wie Du willst

Betreibe wie im Schritt 1 freie Malerei. Nun musst Du bereits auf das reagieren, was da ist. Das Blatt ist nicht mehr weiß. Bearbeite die Blätter jeweils in einem Anteil von 10-50%.


Schritt 3 Kaffee

Mische Dir eine Kaffeelasur an aus 3-4 Teilen löslichem Kaffee und einem Teil Wasser.

Sobald Schritt 2 getrocknet ist, trage die Lasur mit einem breiten Flachpinsel flächig auf. Bearbeite maximal 50% eines jeden Blattes, teilweise wesentlich weniger.


Schritt 4 pro Blatt ein neuer Grünton

Jetzt soll pro Blatt ein neuer Grünton zum Einsatz kommen, also jeweils ein Grünton, der noch nicht vorgekommen ist und auf jedem Blatt ein anderer.

Jetzt musst Du Dich nochmal sehr stark mit dem Mischen beschäftigen. Denke auch an sehr helle oder sehr dunkle Grüntöne.

Setze diesen Grünton pro Blatt bis zu 25% ein, nicht mehr. Arbeite sowohl mit linearen Spuren als auch flächig.


Schritt 5 Schwarz

Wenn wir ausschließlich Grüntöne verwenden, werden irgendwann alle Blätter gleich. Deshalb ist es wichtig, auch „fremde“ Schritte zu verwenden, die unsere Farbigkeit aufbrechen und in eine andere Richtung lenken können.

Nun soll schwarz zum Einsatz kommen pur und deckend. Auch hier arbeite sowohl mit linearen Pinselspuren als auch flächig.

Bzgl. unserer Variationsmöglichkeiten von Blatt zu Blatt wird hier die Platzierung der Farbe eine große Rolle spielen, wenn wir unterschiedliche Blätter schaffen sollen.

Noch ein kleiner Hinweis: Schwarz ist nicht gleich schwarz. Einige Schwarz sind eher dunkelgrau oder tendenziell matt. Wenn wir mit Schwarz aber eine Tiefenwirkung erzielen wollen, sollte es sehr dunkel und leicht glänzend sein. Bewährt hat sich das Lampenschwarz von Amsterdam. Das Processblack von System 3 (Daler Rowney) ist auch nicht zu verachten, es ist allerdings sehr viel buttriger.


Schritt 6 freie Malerei – 4 helle Grüntöne

Mische Dir in diesem Schritt 4 sehr helle Töne.

Hellst Du Grün mit weiß auf, wird es eher etwas stumpfer, gräulicher. Nimmst Du stattdessen verschiedene Gelbtöne zum aufhellen, bekommt es eine andere Leuchtkraft. Versuche beides und kombiniere auch beide Möglichkeiten.


Schritt 7 pro Blatt eine andere Farbe

Nun soll pro Blatt nochmal eine komplett neue Farbe zum Einsatz kommen, auch und gerade noch einmal unter besonderer Berücksichtigung von Variation. Es gibt folgende Vorgaben:

Blatt 1 Ein dunkles bordeauxrot, tendenziell Spuren in den linken zwei Dritteln.

Blatt 2 Weiß, überall punktuelle Spuren.

Blatt 3 Orange, wenige Spuren im oberen Drittel.

Blatt 4 Ein Dunkelgrau an einer Stelle irgendwo im Blatt

Blatt 5 Magenta, kleine lineare Pinselspuren auf dem Blatt verteilt

Blatt 6 genauso hellblau

Blatt 7 in der rechten Hälfte hellblaue flächige Spuren

Blatt 8 was Du willst


Schritt 8 freie Malerei – 3 feste Grüntöne und 1 variabler

Zum Schluss soll auf jeden Fall noch einmal das Grün zum Einsatz kommen. Setze das Grün ein, wie Du es möchtest („Variation“), aber pro Blatt maximal 40%, auf gar keinen Fall mehr. Mische Dir zu diesem Zweck 4 Grüntöne für alle Blätter:

  • ein Dunkelgrün
  • ein intensives Grün
  • ein helles Grün
  • ein individuelles Grün, d.h. dieser Grünton soll von Blatt zu Blatt komplett anders aussehen

 Congratulations! Du hast die zweite Lektion erfolgreich beendet! Wir hoffen, es hat Dir Spaß gemacht und Du bist um einige Erkenntnisse reicher!

Reflektion

1. Welche von Deinen 8 Arbeiten ist die gefühlt Beste?

2. Ordne sie chronologisch nach gefühlter Qualität!

3. Welche 3 Arbeiten passen gut zusammen?

Nun freue Dich auf die kommende Woche, wenn die dritte Lektion zu Dir ins Haus trudelt!

Bleibe neugierig und genieße den Tag, wo immer Du auch gerade bist!

Stephan

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PS: Hier findest Du die Materialliste für Lektion 3

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