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Acryl Basic #4: Der vierte Kontakt!

Lektion 4 Modul 1

Wochentraining "Acrylmalerei Basic"

Lektion 4: Der vierte Kontakt – malerische Minis

... oder „Es lebe die Zufälligkeit!“

Materialliste

  • 2 große Bögen Hahnemühle Kupferdruckbütten, 300g, (54x78 cm) gerissen in 32 Teile. Die Bögen werden solange immer wieder halbiert, bis Du 32 Teile pro Bogen erhälst. Du klebst die jeweils 32 Teile eines Blattes auf jeweils ein Brett auf, so dass Du am Ende 2 Bretter mit jeweils 32 Blättchen hast.
  • Capaplex von der Firma Caperol
  • Acrylfarben: Violett, Knallrot, Ocker, Weiß, Orange, Rostbraun, Schokobraun, verschiedene andere Farben
  • Sennelier-Ölpastelle, schwarz und blau, 20 cm lang
  • löslicher Kaffee
  • Pinsel, Katzenzungen und Flachpinsel
  • ...und alles, was Du noch zum Malen brauchst (siehe auch Lektion 1)

In dieser Übung wollen wir mal einfach nur machen. Diese Übung ist so aufgebaut, dass Du zwischendurch kaum noch wirklich steuern kannst, sondern ausführst und erst ganz am Ende die Ergebnisse wirklich siehst und verstehst.

Wenn es um Malerei im Prozess geht, wirst Du immer Schritte habe, in denen Du steuerst, in denen Du sehr zielstrebig arbeitest.

Es wird aber auch immer Schritte geben, die so experimentell sind, dass eine Steuerung nicht wirklich möglich ist, man stattdessen die Überraschung genießt, wie ein bestimmter Schritt die ganze malerische Situation verändert.

„Für das Können gibt es nur einen Beweis: das Tun.“

Marie von Ebner-Eschenbach

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Das Prinzip der heutigen Übung wird folgendes sein. Wir kleben wieder unsere Blätter auf. Dieses Mal werden es allerdings sehr kleine Formate sein, es geht um 32stel. Es geht also um winzige Formate, um nicht zu sagen Formätchen.

Die einzelnen Schritte werden sich teilweise auf die einzelnen Blätter beziehen. Das ist bei so vielen kleinen Formaten allerdings äußerst schwierig. Zum größten Teil werden wir aber auch alle Blätter als ein Blatt ansehen und auch in Gänze bearbeiten.

Wenn wir dann jeden einzelnen Schritt zelebriert haben und alle kleinen Blätter aus der Gesamtheit herauslösen, sehen wir erst, wie sie wirken bzw. wie sie überhaupt aussehen.

Ein sehr wichtiger Teil dieser Übung wird also das spätere Betrachten und Sortieren dieser einzelnen Arbeiten sein.

Und nun frisch ans Werk an eine wunderbare neue Übung und der Möglichkeit viele ebenso wunderbare Erfahrungen zu machen!

Die Vorbereitung der Übung

Wie schon in der Einführung angedeutet, teilst Du beide Deiner großen Hahnemühle-Kupferdruckbütten in 32 Teile. Diese klebst Du, wie Du es auf den Fotos in der Slideshow erkennen kannst, auf 2 Brettern en bloc auf. Das heißt, Du erhältst 2 Bretter mit jeweils 32 kleinen Papieren, die als ein Block aufgeklebt sind. Dann beginnst Du direkt mit Schritt Nr. 1.

Bändige Deine Vorfreude nicht und starte voller Energie mit dem ersten Schritt!

Schritt 1 50% Kaffee pro Blatt

Starte mit löslichem Kaffee. Mische auf einem Teil Wasser ca. 3 Teile löslichen Kaffee. So entsteht ein schöner satter Kaffeeton.

Trage den Kaffee mit einem Flachpinsel (5-10 cm) auf, damit die Spuren einigermaßen flächig werden.

Du hast 2 große Bögen vorbereitet – natürlich entsprechend in 32 Teile zerteilt – aber auf 2 unterschiedliche Bretter.

Arbeite nun auf beiden Deiner Bretter etwas anders:

Brett 1

Gehe großzügig mit dem Flachpinsel über die Arbeiten, so dass Du in Summe 50% des Brettes mit Kaffee bearbeitest. Dabei wird es zwangsläufig passieren, dass einige Deiner kleinen Blätter komplett mit Kaffee bearbeitet sind, andere auch mal gar nicht.

Brett 2

 Auf dem zweiten Brett achte darauf, dass jedes Deiner kleinen aufgeklebten Blätter zu ca. 50% mit Kaffee bearbeitet wird. Dieser Schritt ist etwas gesteuerter. Auf dem ersten Brett arbeitest Du sehr viel zufälliger.


Schritt 2 schwarze und blaue Sennelier-Ölpastelle

Nun nimm Dir zwei mittelgroße Sennelier-Ölpastelle. Auch hier unterteilen wir wieder die Arbeitsweise.

Brett 1

Arbeite wieder auf das ganze Brett bezogen, wild, massiv, zufällig. Lass Dich einfach gehen. Achte darauf, dass hier und da Linienansammlungen auftauchen. Schon jetzt wirst Du feststellen, dass Du das Gefühl für die einzelnen kleinen Blätter einbüßt. Arbeite mit einer schwarzen Sennelierkreide.

Brett 2

Setze Spuren bezogen auf jedes einzelne Blatt, auch schnell und heftig und spontan. Achte aber darauf, dass von Blatt zu Blatt Variationen auftauchen, besonders im Anteil der Linien am Blatt. Arbeite mit einer blauen Sennelierkreide.


Schritt 3 Acryl-Lasur in Violett und Rot

In diesem Schritt mische Dir 2 Lasuren (transparente, eher flüssige Farben) mit Binder an. Als Binder nimm Capaplex von der Firma Caparol.

Für das erste Brett benötigst Du ein intensives Rot, z.B. das Pyrrolrot von Amsterdam, für das zweite ein Violett. Nimm eher ein intensives dunkles transparentes Violett, als eines, welches mit Deckweiß versehen ist.

Wenn Du die Lasuren mischst, starte mit einem flachen Esslöffel Farbe und mische nur etwas Binder hinzu, vermenge es, mische wieder etwas Binder hinzu, vermenge es wieder usw. So wird die Farbe step-by-step flüssiger und transparenter und Du kannst die Substanzen besser verbinden.

Wenn Du sofort viel Binder dazumengst, wird es Dir nicht mehr gelingen eine gleichmäßige Flüssigkeit zu erzeugen, sondern es werden viele „Klümpchen“ übrig bleiben. Nimm in Gänze pro Lasur ca. 200 ml Binder.

Trage den Binder auf beiden Brettern mit einem breiten Flachpinsel auf (ca. 10 cm). In diesem Fall arbeite auf beiden Brettern übergeordnet, d.h. bearbeite die Bretter in Gänze, als wären sie jeweils ein Bild. Bearbeite mit jeder Lasur ca. 50% der Bretter.

Brett 1

Brett 1

rot

violett


Schritt 4 Erdfarbene Acrylspuren

Nun mische Dir folgende vier Erdfarben an:

  1. Ein helles Ocker plus weiß
  2. Ein leuchtendes Rotocker plus orange
  3. Ein „fertiges“ Rostbraun z.B. von Galleria
  4. Ein aufgehelltes Schokobraun plus weiß

Nun betreibe einfache freie intuitive Malerei mit 2-3 Katzenzungen. Versuche Dich dabei frei zu fühlen und lass einfach passieren, was passiert. Aber auch hier gilt die Devise:

Brett 1

Bearbeite das Brett wieder in Gänze, tue so, als wäre es ein Bild und bearbeite ca. 40% der kompletten Fläche.

Brett 2

Bearbeite jedes kleine Blatt einzeln, aber sehr schnell und versuche von Blatt zu Blatt zu variieren. Denke nicht so viel.


Schritt 5 Acht Störfarben

Nun brauchst Du 8 Farben, die noch nicht auftauchen, vier sehr intensive und vier dezente. Wähle frei, nimm Dir Zeit, Dich für die „richtigen“ Farben zu entscheiden oder sie zu mischen.

Hinterlasse auf jedem einzelnen Blatt eine kleine Farbspur, maximal 10% Anteil am einzelnen Blatt.

Also müsstest Du nun jedes einzelne Blatt durchgehen. Nach jeweils 8 Blättern wechsle die Farbe! Also nutzt Du pro 8 Blätter immer eine andere Farbe.


Schritt 6 Acryl-Lasur

Wiederhole Schritt 3!

Nimm wieder rot und violett, verändere die Farben allerdings etwas. Bearbeite maximal 30%.

Bei Brett 1 bezieht sich der Anteil der Lasur wieder auf das gesamte Brett, bei Brett 2 bezieht er sich auf das einzelne Bild.

Genieße diesen Schritt!


Schritt 7 Violett und Rot und mehr

Zum Schluss geht es nochmal um Malerei. Dazu benötigst Du 6 Farben:

  • 2 unterschiedliche Rot-Töne
  • 2 unterschiedliche Violett-Töne
  • 1 helles Ocker
  • 1 warmes Grau (Grau mit etwas Ocker)

Betreibe wieder freie Malerei, Du musst nicht alle Farben nutzen. Darin bist Du völlig frei.

Bearbeite Brett 1 wieder komplett als ganzes Bild zu maximal 30%. Auf Brett 2 bearbeite wieder die einzelnen Blätter! Hier kannst Du den Anteil variieren zwischen 10% und 80%.


Congratulations! Wieder hast Du eine Lektion hinter Dich gebracht!

War sie leichter als die anderen oder schwerer? Dem gehen wir heute etwas genauer auf die Spur.

Wenn Du alle Arbeiten von den Klebestreifen befreist und beide Gruppen nebeneinander auf den Boden legst, haben wir eine gute Grundlage für eine ausführliche Reflektions- und Sortierphase.

Heute bekommst Du mehr nachträgliche Fragen bzw. Aufgaben. In dieser letzten Phase kannst Du deine neuen Erfahrungen noch einmal festigen:

1. Worin liegen für Dich die Hauptunterschiede zwischen den beiden unterschiedlichen Gruppen?

2. Welche Gruppe findest Du besser und warum?

3. In welcher der beiden Arbeitsweisen glaubst Du welche Vor- und Nachteile zu erkennen?

4. In welcher Gruppe gibt es in sich mehr Variationen auch in den Extremen? Was denkst Du ist der Grund für Deine Beobachtung?

5. Sortiere pro Gruppe 3 Untergruppen bezogen auf gefühlte Qualität.

     a Sehr gute Arbeiten

     b Gute bis befriedigende Arbeiten

     c Eher nicht gute Arbeiten

Gibt es Unterschiede bezogen auf Deine beiden Hauptgruppen (Brett 1 und Brett 2)?

6. Haben jeweils a, b oder c die höchste Anzahl an Arbeiten? Was denkst Du ist der Grund für Deine Erkenntnis?

7. Suche Dir pro Hauptgruppe (Brett 1 und Brett 2) jeweils 3 Arbeiten heraus, die besonders gut als Serie zusammenpassen.

8. Suche Dir jeweils 5 heraus. Fällt es schwer?

9. Nun suche Dir von allen Blättern 5 heraus, die Deines Erachtens als Serie besonders gut zusammen funktionieren. Finde 3 unterschiedliche Möglichkeiten!


 Findest Du es nicht auch unglaublich, wieviele Erfahrungen man in relativ kurzer Zeit bereits machen kann?

Wenn Du übrigens das Gefühl hast, Du hast noch viel mehr Zeit, als dieses Übungs-Abo Dir abverlangt, und Du möchtest noch viel mehr trainieren, wiederhole die eine oder andere Übung auch einfach mal auf Leinwand.

Nun erwarte voller Neugier die nächste Aufgabe, die Lektion Nummer 5, die auch nochmal sehr frei sein wird. Danach werden wir etwas mehr den Bezug zur Realität suchen.

Hab eine wunderbare Woche mit inspirierenden Momenten!

Dein HOWDOYOUKUNST-Team

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