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Acryl Basic #31: Atelierimpressiönchen

Lektion 31 Modul 7

Wochentraining "Acrylmalerei Basic"

Lektionen 31-35 – first free then real

Lektion 31: Atelierimpressiönchen

Materialliste

  • 2 große Bögen Hahnemühle Büttenpapier (56x78cm), jeweils geviertelt
  • Katzenzungen-Borstenpinsel, verschiedene Breiten für die malerischen Schritte
  • Breite Flachpinsel
  • Diverse Acrylfarben
  • Sennelier-Ölpastelle
  • Billige Ölkreiden, die etwas härter als die Sennelier-Ölpastelle sind
  • die 8 Fotos der Übung (s.u.)

„Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.“ Henry Ford

Ein generelles Prinzip, welches Du in diesen Übungen wahrscheinlich schon entdeckt hast, zumindest in einigen, ist, die richtige Balance zu finden zwischen Realität und Freier Malerei. Es gibt viele Wege und viele unterschiedliche Verhältnisse zwischen diesen beiden Extremen. Heute gibt es einen neuen Weg.

Der Weg als solcher wird in diesem Block von 5 Lektionen prinzipiell der gleiche bleiben. Die Realitäten werden sich allerdings immer wieder ändern.

Das Prinzip ist ein ganz simples. Wir starten immer mit einigen freien Schritten, machen dann eine mehr oder weniger genaue realistische Zeichnung mit Kreide und setzen dann weitere malerische Schritte ein, die sich auf die Realität beziehen.

Du wirst feststellen, dass die freien Schritte am Ende natürlich sehr stark die Realität beeinflussen werden in Farbigkeit, Stimmung, Leuchtkraft, Realitätsnähe usw. Das, was am Anfang sehr zufällig scheint, wirst Du mittelfristig auch in späteren eigenen Arbeiten immer mehr steuern können.

Das heutige Format wird ein eher kleines sein. Wir arbeiten auf 8 Viertel. Also müsstest Du 2 ganze Bögen für diese Übung vierteln und aufkleben. Aufgrund des zeichnerischen Anteils ist das Format erst mal etwas kleiner. Wenn Dir das Prinzip vertraut wird, können wir auch zu einem größeren Format wechseln.

Das Thema ist heute ein Dir wahrscheinlich sehr vertrautes. Es geht um stilllebenartige Handyimpressionen aus in diesem Falle meinem Atelier, Farben, Pinsel, Spachtel, Gefäße usw.

Schaue Dir die Fotos an und fühle Dich heimisch!

Atelierfoto
Atelierfoto
Atelierfoto
Atelierfoto
Atelierfoto
Atelierfoto
Atelierfoto
Atelierfoto

Breathe in and... start!

Schritt 1 Free – 8 Farben der Impressiönchen

Schaue Dir in Ruhe alle Bilder gemeinsam an und nimm Dir 8 Farben heraus, die in Gänze zu diesen Fotos passen. Du bestimmst, welche das für Dich sind.

Es soll nicht so aussehen, dass Du sagst: „Ok, eine Farbe ist Ocker!“ und Du nimmst ein fertiges Ocker. Sondern versuche relativ exakt Nuancen zu bestimmen und diese anschließend auch genauso zu malen. Das dauert natürlich lange, aber so hast Du von Beginn an eine sehr ernsthafte Farbgebung in Deinen Bildern.

Anschließend male frei, gestisch, locker, fluffig OHNE irgendeinen Bezug zur Realität. Darum geht es erst viel später. Hier geht es ausschließlich um freie Malerei.

Fülle Deine Blätter zu 90% mit Deiner Malerei und versuche von Blatt zu Blatt Variationen zu entwickeln.

Zeit: 2 Min pro Blatt ohne Mischen


Schritt 2 Free – Zwei Individualfarben

Nun bestimme pro Bild zwei unterschiedliche Farben!

Betreibe weiterhin Freie Malerei, aber eben pro Bild nur mit den beiden Farben, die Du Dir überlegt hast. Diese Farben können intensiv sein oder gedeckt, sie müssen lediglich in dem jeweiligen Foto vorkommen.

Bearbeite jedes Bild nur zu maximal 40%, auf keinen Fall mehr!

Zeit: 1 Min pro Blatt ohne Mischen


Schritt 3 Free – Zwei Farben nach eigenem Gusto

Nun bestimme zwei Farben nach eigenem Gusto!

Diese Farben müssen nichts mit den Bildern zu tun haben. Sondern Du bestimmst, inwieweit Du Dich der Ästhetik und Farbgebung der bisherigen Bilder angleichen möchtest, oder ob Du doch lieber ganz konträre Farben nehmen willst.

Diese beiden Farben sollen allerdings in allen Bildern eingesetzt werden.

Es reicht in jedem Bild ein eher kleiner Einsatz also in einem geringen Anteil. Falls es Dich allerdings mal überkommt und Du plötzlich ganz viel machen möchtest, ist das auch in Ordnung!

Zeit: 1 Min pro Blatt ohne Mischen


Schritt 4 Let’s sketch – Die Zeichnung

Alle bisherigen Schritte sollten ohne irgendwelche wirklichen Gedanken an Realität passieren.

Jetzt ordne Deine Fotos Deinen freien Blättern zu! Ab jetzt brauchst Du sie. Ab hier wird es realistisch.

Skizziere die Realität Deines Fotos auf die freien Arbeiten in folgenden 2 Schritten.

  • Nimm eine eher härtere Kreide, auf keinen Fall so weich, wie die Sennelierkreiden und skizziere die Realität erst einmal mit eher dünnen Linien vorsichtig an. Dann setze auch mit dieser Kreide schon einige Akzente!
  • Anschließend nimmst Du ein Sennelier-Ölpastell in einer ähnlichen Farbe. Es muss und soll nicht dieselbe sein.
  • Setze Deine Skizze zu gut 70% mit dieser Kreide noch einmal, aber dieses Mal an vielen Stellen massiv, kräftig und akzentuiert.

Schritt 1 ist also eher die Vorzeichnung und Schritt 2 die Ausführung.

Es wird Dir oft nicht gelingen, alles zu zeichnen. Auf einigen Fotos ist einfach zuviel an Information und Detail. Wie sagt schon Rolf Escher „Zeichnen heißt weglassen!“ Zeichne all das, was Deines Erachtens Sinn macht.

Zeit: 2 Min pro Blatt


Schritt 5 Be dark – Die dunklen Seiten

Nun setze mit Acrylfarben alle Dunkelheiten des Motivs. Hier ist Deine Skizze jeweils eine sinnvolle Orientierung. Da Du die Sicherheit Deiner Zeichnung hast, kannst Du hier ziemlich gut rasch und gestisch arbeiten.Nimm ein sattes Schwarz, ein sehr dunkles Indigo und ein sehr dunkles Rostbraun. Setze die Farbe pur und vermische sie auch.

Zeit: 1 Min pro Blatt ohne Mischen


Schritt 6 Drei Füllfarben

Nun brauchst Du drei „Füllfarben“. Das heißt Du brauchst drei Farben, die einen ganz starken Bezug zur Realität insgesamt haben.

Wieder, wie schon in Schritt 1, bestimme die Farben sehr subtil. Mische ggf. sehr feine Nuancen.

Nun fülle Deine realistischen Objekte damit malerisch gestisch aus! ABER .... Bearbeite Deine Blätter damit zu MAXIMAL 20%!!!

Zeit: 1-2 Min pro Blatt ohne Mischen


Schritt 7 Zwei individuelle Farben

Wie schon in den freien Schritten benötigst Du auch hier pro Blatt noch einmal 2 individuelle Farben, die mit dem jeweiligen Foto zu tun haben. Setze sie auch nur auf dem entsprechenden Bild ein, auch nur jeweils zu einem minimalen Anteil, wenige Acrylstriche, kleine Flächen usw. Maximal 10%-25% pro Bild

Zeit: 1 Min pro Blatt ohne Mischen


 Is it real?

Das Schöne bei den Aufgaben ist, so sehr man beim Lesen einer solchen auch eine Erwartungshaltung entwickelt, wie die Arbeit später aussehen könnte, so wenig trifft diese in der Regel ein. Also es wird immer eine Überraschung. Ist das nicht wunderbar. Wenn man lernt, seine Erwartung abzubauen, stattdessen sich überraschen zu lassen, macht Malerei mehr und mehr Spaß und wird mehr und mehr zur Erfüllung. In diesen Momenten weißt Du, warum Du malst.

Reflektion

1. Wir haben zu Beginn über das Verhältnis zwischen Realität und Freier Malerei gesprochen. Wo siedeln sich Deine Ergebnisse an? Wie würdest Du diese Gradation beschreiben. Mach Dir ggf. ein paar Stichpunkte.

2. Ordne die Arbeiten chronologisch nach gefühlter Qualität! Versuche Dir anhand Deiner Auswahl klar zu werden, wo Deine Kriterien für Qualität liegen. Was ist es, was Du gut findest und was gefällt Dir eher nicht?

3. Was denkst Du nach dem Abschluss der ersten Aufgabe, wie hat sich in dieser Folge der erste freie Part ausgewirkt und wie könntest Du diese freien Parts variieren. Stell Dir vor Du nimmst nur Farben, die nicht zur Realität passen oder nur extrem dunkle Farben. Was macht das jeweils mit der Realität?

Und nun viel Freude in einer hoffentlich erholsamen und inspirierenden Woche!

Dein HOWDOYOUKUNST-Team

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