Acryl
Text

Acryl FS #31: Farbfetzen

Lektion 31 Modul 7

Wochentraining "Acrylmalerei für Fortgeschrittene"

Collagen – Lektionen 31-35 „Die Collage an sich und überhaupt

Lektion 31: Farbfetzen

Materialliste

  • 2 ganze Bögen Hahnemühle Büttenpapier 56x76 cm, 300 g, jeweils längs geviertelt.
  • Katzenzungen-Borstenpinsel, verschiedene Breiten für die malerischen Schritte
  • Breite Flachpinsel
  • Capaplex oder Acrylemulsion
  • Diverse Acrylfarben
  • Einige Collage-Elemente  (siehe Arbeitsschritte)

Collage – eine Technik, die man schnell mit Oberstufenkunst in Verbindung bringt, die jedoch, wie jede andere Technik auch, immer nur so gut sein kann, wie ihre Anwendung.

Collage kann so viel und birgt so viele Möglichkeiten. Unser Ziel in diesem Modul ist es, Collage sinnvoll mit der Malerei zu verquicken. Am Ende kann es eine wunderbare Ergänzung unserer malerischen Sprache sein.

Voraussetzung für diese Arbeit sind zwei wesentliche Dinge:

  1. Wie kann ich Collage-Elemente dauerhaft und fest aufkleben?
  2. Woher bekomme ich überhaupt meine Collage-Elemente?

Punkt 1 ist der wahrscheinlich einfachere Part. Acrylemulsion RH14 von Boesner ist eine Dispersion in einer leicht sämigen Konsistenz. Im Urzustand ist sie leicht weißlich. Ist sie einmal getrocknet, ist sie weitestgehend transparent.

Arbeitest Du auf Papier, reicht es, wenn Du Dein Collage-Element hinten mit der Emulsion großzügig einstreichst, und es von einer Seite abrollend vorsichtig auf Dein Bild legst und es gut fest drückst. Je nach Papier können Wellen entstehen. Versuche diese wegzudrücken, solange noch nichts getrocknet ist.

Wenn Du auf Gewebe arbeitest, solltest Du zusätzlich das Gewebe an der Stelle mit der Emulsion einstreichen, an der Du das Collage-Element aufbringen möchtest. Gewebe saugt in der Regel stärker und es ist wichtig für die Haltbarkeit des Bildes, dass Collage und Bild extrem gut miteinander verschmelzen.

Bezüglich der Collage-Elemente musst Du schlichtweg zum Sammler avancieren. Wann immer Dir etwas über den Weg läuft, schneid es aus, nimm es mit oder schwatz es jemanden ab. Lege Dir zu Hause kleine Boxen an, in denen Du verschiedene Gruppen oder Kategorien von Collage-Elemente sammelst. Letztlich kannst Du alles nehmen. Hier gebe ich Dir ein paar Beispiele

  • Herausgerissenes aus Zeitschriften, Katalogen, Programmheften usw. Es können einfach farbige Flächen sein, genauso wie Inhaltliches (Portraits, Landschaften, Szenen etc.)
  • Abgerissene Plakate
  • Gefundenes, Halbverwittertes, Verschmutztes
  • Gemusterte Tapeten, Geschenkpapiere und Stoffe
  • Briefe, alte Buchseiten, Handgeschriebenes
  • Zeichnungen
  • Eingefärbte Papiere
  • Gebrauchte, aufgeschnittene Teebeutel usw. usw.

Heute brauchst Du einfach farbige Flächen, am liebsten:

  • etwas aus Zeitschriften oder Zeitungen herausgerissenes
  • eingefärbte Papiere z.B. mit Tusche. Es können ganz verschiedene Papiere sein, auch z.B. Packpapier oder Altpapier
  • farbige Papiere, die einer Alltagsfunktion entspringen.

Wir werden heute relativ normale freie malerische Prozesse eingehen. Du hast solche Abläufe inzwischen zu Hauf durchlaufen.

Zwischendurch wird es immer wieder Collageschritte geben, in denen Du die herausgerissenen Collage-Elemente einsetzt, wie Du auch mit Acrylfarben umgehst. Du platzierst die Farbflächen, du konzentrierst sie und schaffst Flächen usw.

Heute arbeiten wir auf 8 länglichen Vierteln. Das bedeutet, du nimmst 2 große Büttenbögen, halbierst diese ganz normal und anschließend halbierst Du die erhaltenen Hälften längs. So haben wir in dieser Übung ein sehr besonderes längliches Format.

Noch ein kleiner Hinweis. Bevor Du das Papier aufleimst, sollte die Schicht darunter jeweils getrocknet sein. Wenn Du im Prozess des Aufleimens bist, setze auch immer eine Schicht Emulsion auf die Collage selbst.

... und nun ran an den Speck!

Schritt 1 Das besondere Grau

Starte mit einem eigenwilligen wunderschönen Grau. Mische solange bis dass Du das Gefühl hast, ein Grau gemischt zu haben, welches Du noch nie zuvor gesehen hast.

Damit bearbeite Deine 8 Blätter zwischen 60% und 100%.

Zeit: 8 Minuten für alle Blätter


Schritt 2 Collage in Schwarz

Nun benötigst Du schwarze Papiere, die Du als Collage verwenden kannst. Verwende eine Mischung aus Herausgerissenem, also Gedrucktem und Papieren, die Du selbst herstellst, mit tiefschwarzer Tusche.

Bearbeite Deine Blätter zwischen 40% und 80% mit diesen Collage-Elementen.

Lege dieselben erst hin und arrangiere sie in Ruhe, bevor Du sie aufklebst. Über Hinlegen, Ergänzen, Verschieben etc. kannst Du solange ausprobieren bis dass Deine Collage-Elemente die Komposition und Ordnung angenommen haben, die Dir richtig und sinnvoll erscheint.

Zeit: solange es dauert


Schritt 3 Malerei mit Fünfen

Nun brauchst Du 5 Farben, um einfach freie Malerei zu betreiben. Aber Achtung!! Pro Bild maximal 40%!

Mische Dir folgende Farben:

  • Apricot
  • Violett
  • Ein warmes Grau
  • Rostbraun

Denke daran! Maximal 40% eines jeden Blattes

Zeit: 12 Min für alle Blätter ohne Mischen


Schritt 4 Collage in Rot

Nun benötigst Du rote Collage-Elemente bzw. Collage-Elemente aus der Rotfamilie, von Zinnober bis Magenta.

Gehe prinzipiell so vor wie in Schritt 2, aber bearbeite Deine Blätter nur zwischen 20% und 50%.

Zeit: solange es dauert


Schritt 5 Dunkle Spuren

Schritt 5 ist den dunklen Farben gewidmet, zum einen dem puren tiefen Schwarz, zum anderen einem extrem dunklen Violett und einem ganz tiefen Bordeauxrot.

Mit diesen Farben arbeite ebenso gänzlich frei. Bearbeite

  • 4 Blätter nur bis zu 20%
  • 2 Blätter bis 40%
  • und 2 Blätter um die 80%

Zeit: 12 Min für alle Blätter ohne Mischen


Schritt 6 Collage in Weiß

Nun benötigst Du Collage-Elemente in weiß bzw. in weißlichen Tönen, Elfenbein usw. Gehe vor wie in Schritt 4.

Zeit: solange es dauert


Schritt 7 Fünf Rottöne

In Schritt 7 benötigst Du 5 Farben aus der Rot-Familie, sowohl Gemischte und Dezente als auch sehr Kräftige und Intensive.

Auch hier betreibe einfach freie Malerei. Variiere sehr stark von Blatt zu Blatt die Menge der Farben, also der Malerei, und die Platzierung.

Überlege Dir, ob Du eher linear arbeiten möchtest oder flächig oder punktuell oder rhythmisch.

Dieser Schritt ist fast der Abschluss der Arbeiten. Deshalb ist die Variation hier so wichtig!

Zeit: 12 Min für alle Blätter ohne Mischen


Schritt 8 Collage in Grau oder ...

Der letzte Schritt ist noch einmal dem Grau gewidmet, allerdings dieses Mal als Collage. Setze einige letzte graue Collagespuren um die Arbeiten abzuschließen.

Wenn möglich, sollte auch hier die Variation von Blatt zu Blatt eine wesentliche Rolle spielen. Und auch hier ist es so wunderbar. Du kannst in aller Ruhe alle denkbaren Varianten ausprobieren, bevor Du Dich entscheidest und die Stückchen aufklebst.

Zeit: solange es dauert


 Die Collage, sie lebe hoch!

Wie war Deine Erfahrung mit der Collage? Immerhin konntest Du sie einsetzen wie auch die Malerei selbst. Was war anders?

Die nächsten Collage-Aufgaben werden andere Schwerpunkte haben. So können wir austesten, auf welch vielfältige Weise Collage in der Malerei einsetzbar ist.Kommen wir aber, bevor die nächste Woche naht, zuerst zu unseren geliebten Reflektionsfragen.

Reflektion

1. Was war Deine Erfahrung, worin bestehen die wesentlichen Unterschiede zwischen der Malerei mit Farben und der „Malerei“ mit Collage? Was ist Dein zusätzliches Repertoire durch diese Technik?

2. Welche Deiner Arbeiten ist die für Dich Beste? Ordne die Arbeiten chronologisch nach gefühlter Qualität. Warum ist die am wenigsten Gute die am wenigsten Gute?

3. Kannst Du Dir vorstellen, diese Technik auch auf ganz großen Leinwänden anzuwenden? Was wäre der maßgebliche Unterschied in der Anwendung?

Genieße eine erfolgreiche und wunderbare Woche und freue Dich auf die nächste Collage! (Schaue vielleicht schon mal in die Materialiste rein, s.u.!)

Dein HOWDOYOUKUNST-Team

PS: Hier findest Du bereits die Materialliste für die kommende Lektion!

Hat Dir die Lektion gefallen? Erzähle Deinen Freunden davon!

Pen