Acryl
Text

Acryl FS #26: Situations – Venedig

Lektion 26 Modul 6

Wochentraining "Acrylmalerei für Fortgeschrittene"

Situations – Lektionen 26-30

Lektion 26: Situations –Venedig

Materialliste

  • 2-3 ganze Bögen Hahnemühle Büttenpapier 56x76 cm, 300 g
  • Katzenzungen-Borstenpinsel verschiedene Breiten für die malerischen Schritte
  • Breite und sehr breite Flachpinsel
  • Capaplex
  • Diverse Acrylfarben
  • Löslicher Kaffee

„Plump und zu bunt ist Rom, und Neapel ein Haufen von Häusern; Aber Venedig erscheint eine vollendete Stadt.“

August Graf von Platen

Nun haben wir 5x freie Malerei auf Leinwand genießen können.

Die nächsten 5 Lektionen sind dann mal wieder etwas realistischer. In dieser Lektion werden uns venezianische Szenen und Situationen als Malvorlage dienen.

Damit hätten wir eine relativ komplexe Realität, die es umzusetzen gilt. Wir müssten also einen Weg finden, wie wir auf dem doch eher kleinen Format etwas Komplexes, Realistisches darstellen. Wir werden nicht so genau arbeiten können, wie wir ein Foto wahrnehmen. Das Gros der Realität wird eher assoziativ funktionieren.

Wichtig ist, nicht mit der Vorstellung extremer Realität an den Malprozess heranzugehen, sondern sich eher überraschen zu lassen, was an Realität am Ende sichtbar bzw. wahrnehmbar sein wird.

Ggf. wird es eine klar erkennbare Realität sein, ggf. wird sie verfremdet sein, ggf. auch nur noch erahnbar. Alles ist möglich und in diesem Block mit 5 Lektionen hast Du die Möglichkeit, Dich einer eigenen Form anzunähern.

Statt zuviel Realität zu wollen, solltest Du gestisch oder halbgestisch oder auch ruhig Deiner malerischen Sprache treu bleiben. Dabei ganz viel Spaß!

Du hast drei Situationen zur Auswahl! Die beiden Favoriten setzt Du jeweils auf einem großen ganzen Büttenbogen um. Wenn Du genug Zeit hast, vielleicht sogar eine leichte Spur von Langeweile oder sogar gerade Urlaub, setze gerne auch alle drei Motive um.

Szene in Venedig
Straßenszene in Venedig
Straßenszene in Venedig

Und nun auf auf zum ersten Schritt!

Schritt 1 Lasur mit Wasser

Setze auf jedes Blatt eine Lasur mit Magenta und Wasser, gerne Neonmagenta, strahlend und leuchtend und bearbeite das Blatt damit zu 100%.

Diesen Schritt kennst Du schon. Er soll am Ende das Bild zum Leuchten bringen, wenn das Magenta überall etwas hindurchblitzt.

Zeit: solange es dauert, aber rasch


Schritt 2 Dunkelheiten

Dieser Schritt soll der sein, der zum ersten Mal einen extremen Bezug zur Realität aufbaut.

Setze alle Dunkelheiten, die Du entdecken kannst. Die knappe Zeit gibt Dir keine Chance zum Pingeln. Trotzdem arbeite extrem direkt an der Realität.

Es ist eine Art Vorskizze, allerdings ausschließlich orientiert an der Dunkelheit. Den Rest lass unbedingt unberücksichtigt.

Arbeite hier mit 3 dunklen Farben, von denen eine ein tiefes dunkles Schwarz ist. Die anderen beiden kannst Du frei wählen, sie sollten am Motiv orientiert und extrem dunkel sein.

Zeit: 5 Minuten pro Bild


Schritt 3 Lasur mit Kaffee

Kaffee ist natürlich kein neuer Schritt. Er kommt immer mal wieder vor. Er soll hier auch nicht zum Dauerbrenner werden. Aber zu einer so alten und durchaus morbiden Stadt passt dieser Ton ganz wunderbar.

Bearbeite Deine Blätter mit diesem Kaffee tendenziell sehr flächig und jedes Blatt zwischen 30 und 50%.

Nimm Dein eigenes Mischungsverhältnis. Jedoch sichtbar sollte der Kaffee auf jeden Fall sein.

Zeit: solange es dauert


Schritt 4 Ein bildeigener Farbakkord

Dieser Schritt ist sicherlich der aufwendigste dieser Übung, sowohl bzgl. des Mischens als auch des Malens.

Du benötigst pro Bild einen Farbakkord bestehend aus 6 Farben, die sich jeweils auf die realistische Farbgebung eines jeden einzelnen Fotos beziehen sollen. Das bedeutet allerdings auch, pro Bild brauchst Du eine andere Farbgebung.

Versuche die Farben sehr exakt zu mischen. Nimm Dir alle Zeit, die Du brauchst, und genieße es einfach, auch wenn Mischen vielen lästig erscheint. Aber ... letztendlich befinden wir uns in der Malerei.

Mit diesen Farben bearbeite Deine Bilder zwischen 40 und 60%.

Es geht um Realität. Die Zeitgebung lässt Dich schon sehr genau hinschauen, bietet Dir aber hoffentlich keine Zeit zum intensiven Pingeln.

Zeit: 10-12 Min pro Bild ohne Mischen


Schritt 5 Lasur mit Capaplex

Setze pro Bild eine Lasur an aus Capaplex und einer Farbe.

Es gibt für den Fall, dass Du sogar an 3 Bildern arbeitest auch 3 Vorgaben. Die Zuordnung der Farben triffst Du am besten selbst. Wenn Du nur an zwei Blättern arbeitest, such Dir zwei Farben von den Dreien aus!

Farbmöglichkeit 1: Hellgrau

Farbmöglichkeit 2: Magenta

Farbmöglichkeit 3: Ein helles dezentes Grün

Die Lasuren sollen ziemlich transparent sein und einfach einen Film über einen Teil jedes Bildes legen.

Bearbeite Deine Bilder jeweils zwischen 30 und 50% sehr flächig.

Zeit: solange es dauert


Schritt 6 Drei bildeigene Einzelfarben

Mit unseren 6 Farben aus Schritt 4 haben wir bislang natürlich nur einen Bruchteil der vorkommenden Farben, Farbtöne und Nuancen aufgegriffen, die unsere Fotos haben. Wir könnten noch so viele mehr anbringen. In diesem Schritt sind allerdings nur 3 gefragt – pro Bild!

Suche Dir pro Bild 3 Farben aus, die Du ganz genau zuordnen kannst. Mische sie Dir ganz exakt an und setze Sie malerisch jeweils an den Stellen ein, wo sie vorkommen, durchaus recht klar an der Realität orientiert.

Zeit: solange es dauert, aber rasch


Schritt 7 Helligkeiten

In diesem Schritt benötigst Du Titanweiß und zwei weitere extrem helle von Dir gemischte Farbtöne. Mit diesen Farben setzen als Pendant zu Schritt 2 nun alle Helligkeiten, die Du in den Fotos entdecken kannst. Versuche recht malerisch mit den Farben umzugehen.

In diesem Fall ist es nicht unbedingt schlecht, wenn vorige Schritte noch nicht ganz trocken sind. Ggf. vermischen sie sich mit dem Weiß und die Helligkeiten werden so um so malerischer eingebunden. Es lebe das malerische Gefüge!

Vielleicht sind Deine Blätter nach diesem Schritt bereits abgeschlossen. Falls dem nicht so ist, arbeite mit den entsprechenden Blättern bei Schritt 8 noch weiter.

Zeit: 2 Minuten pro Bild


Schritt 8 Freier Schritt

Dieser Schritt hat allerdings keine klare Vorgabe, sondern er ist gänzlich frei. Was könntest Du in diesem Schritt alles machen?- Führe z.B. einen der bereits gemachten Schritte noch einmal aus, umihn zu stärken.- Stärke einen möglichen Schwerpunkt in Deinem Bild, um das Bildkompositorisch mehr zu steuern.- Erhöhe einen Farbanteil in Deinem Bild, wenn Dir eine bestimmteFarbe zu kurz kommt.- Mache, was immer Du möchtest – es kann auch etwas gänzlich Neues sein.

Zeit: solange es dauert


 Geschafft! Wie fühlst Du Dich?

Die ersten Situationen hast Du damit auf Dein Papier gebannt. Hat es geklappt? Bist Du zufrieden oder erstaunt oder hast Du das Gefühl eines Neuanfangs, der noch einige praktische Einheiten von Dir fordern wird?

Reflektion

1. Wie sieht es mit der Realität aus? Die Realität in den Vorlagen war nun durchaus komplex. Gibt es in Deinen Arbeiten eine Entsprechung? Ist sie auch komplex oder eher stark vereinfacht. Wodurch entsteht Dein jeweiliger Eindruck?

2. Kannst Du die Wirkung der beiden Lasuren in Deinen Endergebnissen beschreiben? Was haben sie für eine Funktion?

3. Welche Deiner Vorlagen war die für Dich bessere und warum?

Die erste Lektion dieses eher komplexen Themas hast Du geschafft. Bald wirst sehen, wie sehr man solche „aufwendigen“ Motive trotzdem auch malerisch frei umsetzen kann. Es benötigt einfach – wie alles – etwas Übung.

Nun habe eine inspirationsangefüllte und genussreiche Woche!

Dein HOWDOYOUKUNST-Team

PS: Hier findest Du bereits die Materialliste für Lektion 27!

Hat Dir die Lektion gefallen? Erzähle Deinen Freunden davon!

Pen