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Acryl FS #22: Free Weeks on Canvas II

Lektion 22 Modul 5

Wochentraining "Acrylmalerei für Fortgeschrittene"

FreeWeeks – Lektionen 21-25

Lektion 22: Free Weeks on Canvas II

Materialliste

  • 2 Keilrahmen in 80x100
  • Katzenzungen-Borstenpinsel verschiedene Breiten für die malerischen Schritte
  • Breite und sehr breite Flachpinsel
  • Capaplex
  • Schwarzer Oilbar
  • Diverse Acrylfarben

Und weiter geht’s auf Leinwand mit freier Malerei! Hoffentlich hast Du die erste Lektion auf Leinwand gut verkraftet und es hat Dir viel Freude bereitet.

Wir bleiben in diesem Block bei der Arbeit auf Leinwand und wir bleiben bei freier Malerei. Ich hoffe Du bist genauso neugierig wie ich!

Freie Malerei ist ein Begriff, der eigentlich sehr schwer zu fassen ist. Spielt Realität eine Rolle oder nicht? Spielt Komposition eine Rolle oder nicht? Geht es um Farbe? Geht es um Experimente? Geht es um Konzepte?

Informelle Malerei ist eher eine, in der der Weg Farbe aufzutragen, das Experiment eine wesentliche Rolle spielt. Das Ergebnis ist unter kompositorischen oder generell bewertbaren Kriterien eher belanglos. Der Weg ist das Wesentliche.

In der abstrakten Malerei geht es eher darum, Realität zu vereinfachen, verfremden, verändern. Am Ende ist die Realität der Ausgangspunkt oder Bezugspunkt für das, was auf der Leinwand passiert.

Die freie Malerei ist irgendwo dazwischen, sie ist weder das eine noch das andere. Für mich persönlich ist das Wort „frei“, die „Freiheit“ das Wesentliche, die Freiheit zu tun, was man möchte, den Versuch zu unternehmen, wirklich frei zu sein. Das ist ein schwierigeres Unterfangen, als man vermutet. Freiheit hört sich leicht an, aber man muss sie auch aushalten.

Und ganz ehrlich, so ganz frei musst Du hier ja gar nicht sein. Die einzelnen Arbeitsschritte geben Dir ein klares Konzept vor. Versuche trotzdem in diesem Konzept, in diesem Rahmen, in den einzelnen Schritten so frei so sein, wie es geht. Dabei viel Spaß!

... und nun wieder auf zu den Leinwänden, 2x 80x100 cm!

„Freiheit ist nur ein anderes Wort dafür, nichts zu verlieren zu haben.“

Janis Joplin

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Schritt 1 Magenta Lasur

Starte mit einer Lasur aus Capaplex und Magenta.

Du musst darauf achten, dass Du genug Masse anrührst. Die Leinwände saugen ggf. noch etwas (je nach Gewebe) und die Fläche der Leinwände ist nun auch nicht sooo winzig.

Nimm Dir einen wirklich breiten Pinsel und bearbeite extrem impulsiv und schnell ca. 70% der Leinwandfläche.

Sinnvollerweise legst Du die Leinwände auf den Boden, verlängerst Deinen Pinsel und arbeitest impulsiv im Stehen. Je nachdem, wo Du das machst, vergiss nicht das Umfeld zu sichern!

Zeit: max. 2 Minuten pro Leinwand


Schritt 2 Power-Rot

Wenn Schritt 1 getrocknet ist, nimm Dir ein absolutes Powerrot, z.B. das Pyrrolrot von Amsterdam.

Bleibe bei diesem breiten Pinsel, nimm unbedingt genug Material, also genug Farbe und mache 3-5 massive, heftige, wilde ... freie Pinselstriche. Stemme Deine ganz Kraft und Energie in diese Pinselstriche.

Auch wenn ein Steuern der Pinselstriche in so einem Schritt eher schwierig ist, versuche trotzdem ein kleines bisschen an Variationen zu denken, von Bild zu Bild. Wenn nicht, dann nicht ... die Kraft ist wichtiger!

Zeit: 1-2 Minuten pro Leinwand


Schritt 3 1x Sprayen bitte!

Ist Schritt 2 getrocknet, nimm Dir pro Leinwand eine andere Sprühfarbe beide jeweils deckend.

Bild 1: eine Farbe, die sich in die bestehende Farbfamilie einreiht

Bild 2: eine Farbe, die neu ist und aufmischt. Das muss nicht bedeuten, dass es an dieser Stelle plump und hässlich wird.

Aber was genau sollst Du jetzt sprayen. Es geht ums durchsprayen, pro Leinwand bearbeite ca. 50%. Was kannst du alles durchsprayen?

Vielleicht erinnerst Du Dich noch an die ersten Übungen dieses Abos.- Spitzendecken- offene Korbgeflechte- Zwischenräume von Steinen oder Ästen, die auf der Leinwand liegen usw. – Lass Dir was Spannendes einfallen.

Zeit: solange es dauert


Schritt 4 Schwarze Pinsel- und Kreidelinien

Nun kommt ein wirklich schwerer Schritt.

Bearbeite Deine Leinwand zuerst mit schwarzen fetten Pinselstrichen, zeichnerisch, auch extrem wild, gestisch und unkontrolliert.

Anschließend, auch wenn es ggf. etwas schmiert, setze noch einige Striche mit einem schwarzen Oilbar in der gleichen Gestik nach! Bleibe bei Deiner Kraft.

Für alle, denen der Begriff Oilbar fremd ist, es sind diese zigarrendicken Ölkreiden, die außen etwas fest sind, aber innen sehr weich und fluffig, genial für fette ausdrucksstarke Linien auf Leinwand.

Zeit: 3 Minuten pro Leinwand


Schritt 5 Der kleine Farbakkord

Nun kommen wir zu einem Schritt, in der Malerei als solche wieder eine etwas größere Rolle spielen soll. Dazu brauchen wir einen Farbakkord bestehend aus drei Farben. Um es etwas spannender zu machen, stelle Dir pro Leinwand einen anderen Farbakkord zusammen.

Bild 1: 3 Farben, die eher dezent und zurückhaltend sind aber sowohl den Hell- als auch den Dunkelbereich abdecken.

Bild 2: Eine sehr intensive Farbe, eine sehr dunkle Farbe und eine eigenwillige helle Farbe.

Bearbeite die Bilder auch mit diesen Farbakkorden gestisch und rasch.

Den ersten Farbakkord setze nur in die obere Hälfte des ersten Bildes und den zweiten Farbakkord setze nur in die rechte Hälfte des zweitenBildes.

Bearbeite die jeweiligen Hälften zu maximal 30% mit den jeweiligen Farben.

Zeit: 4 Minuten pro Leinwand ohne Mischen


Schritt 6 Die Fremdfarbe

Nun benötigt jede Leinwand eine andere Farbe, aber eine, die jeweils noch nicht an einer Stelle im Bild vorgekommen ist.

Diese Farbe setze auch jeweils nur an einer einzigen eher kleinen Stelle im Bild ein. Aber auch diese darf wild sein, besonders, gut platziert.

Zeit: 1 Minute pro Leinwand ohne Mischen


Schritt 7 Die kleine Lasur

Wir kommen noch einmal zu einer Lasur mit Capaplex, pro Bild in einer anderen Farbe. Bei der Farbe hast Du freie Wahl.

Entscheide Dich allerdings sehr bewusst bei jeweils beiden Bildern, ob Du eher eine zurückhaltende Lasur wählst, die Bereiche zusammenzieht, oder ob Du eine kontrastreiche Lasur wählst, die sich kompositorisch noch einmal anders bemerkbar macht.

Bearbeite mit dieser Lasur maximal 30% des jeweiligen Bildes, ggf. auch sehr viel weniger.

Zeit: solange es dauert


Schritt 8 Der freie Schritt

Dieser Schritt ist nun endlich ein wirklich freier Schritt. Tue, was immer Du willst. Mache, was Du denkst, das Bild vertragen könnte. Ggf. verändere die Bilder noch einmal komplett!

Du kannst mutig sein, supermutig oder zurückhaltend. Die Entscheidung triffst alleine Du!

Wie fühlt sich Freiheit an?

Zeit: solange es dauert


Schritt 9 Once again der kleine Farbakkord

Als letztes wiederhole noch einmal Schritt 5, setze die Farben allerdings genau da ein, wo Du sie haben möchtest. Erinnere Dich dabei an die Kraft und den Power der ersten Schritte. Vielleicht kannst Du darauf noch einmal zurückgreifen, obwohl es der letzte Schritt ist.

Möchtest Du die Kraft dieses malerischen Schrittes noch verstärken, setze nur wenige Spuren, arbeite aber ziemlich pastos.

Zeit: solange es dauert


 Wie war die Freiheit heute?

Die Arbeit auf der Leinwand ist natürlich immer eine andere als auf Papier, sie ist intensiver und sie verlangt wesentlich mehr. Wie hast Du es empfunden?

Hänge beide Bilder großzügig an eine Wand nebeneinander und widme Dich den Reflektionsfragen.

Reflektion

1. Hast Du den Eindruck von „freier“ Malerei? Zum einen visuell, sprich sehen die Bilder für Dich aus wie freie Malerei? Zum anderen, hast Du Freiheit empfunden?

2. Könntest Du Dir vorstellen, so eine Abfolge mit entsprechend viel Material auch auf größeren Formaten umzusetzen? Bräuchtest Du mehr Schritte oder einfach nur viel mehr Material?

3. Sind die Arbeiten für Dich abgeschlossen? Fertig? Gut?

In der kommenden Woche geht es weiter mit zwei neuen Leinwänden – Freue Dich darauf!

Und jetzt eine schöne Woche!

Dein HOWDOYOUKUNST-Team

PS: Hier findest Du bereits die Materialliste für die nächste Lektion!

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