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Zeichnen FS #26: Die Bleistiftlandschaft

Lektion 26 Modul 6

Wochentraining "Zeichnen für Fortgeschrittene"

Landscapes! – Lektionen 26-30

Lektion 26: Die Bleistiftlandschaft

Materialliste

  • 1 Blatt DinA3
  • verschiedene Bleistifte

Und wieder ist ein Block rum und wieder kommt ein neues Thema!

Der neue Block widmet sich dem Thema „Landschaften“. Das Thema „Landschaften“ ist so vielfältig wie unsere Erde, auch gemessen an den vielen unterschiedlichen Blickwinkel, die wir einnehmen können.

Landschaft kann bewegend und mystisch sein, wunderschön und sommerlich, stürmisch und blauhimmlig.

Die Landschaft in ihrer Formenvielfalt zu definieren und zu zeichnen ist das eine, aber klappt es auch, die eigene Emotionalität auf dem Papier zu bannen und dem Betrachter zu vermitteln? Das ist ein so hehres Ziel, dass wir das in so einem Rahmen kaum wagen dürfen anzustreben.

 Aber wen dieses Thema über einen längeren Zeitraum fasziniert, sollte sich auf seinen künstlerischen Weg begeben und vielleicht genau so ein Ziel anstreben!

Für uns sind gerade in dieser Lektion zwei Punkte ganz besonders spannend und werden auf jeden Fall unsere Aufmerksamkeit benötigen.

1. Landschaft hat natürlich ganz viel mit Farbe zu tun.

Vielleicht bin ich nicht der einzige in unserer kleinen globalen Zeichenrunde, der ganz zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn noch in Schwarz/Weiß fotografiert hat. Besonders frustrierend war es manchmal, wenn man Landschaft fotografierte.

Das Erleben der Landschaft bei Fotografieren war meistens etwas ganz Wunderbares, ganz besonders Schönes und Farbiges. Dann holte man die Fotos ab und was war? Sie waren Schwarz/Weiß und gaben nicht einen Ansatz der wunderbaren Farbigkeit wieder. Enttäuschend!! Zumindest damals!

Wir werden uns in dieser Übung mit genau demselben visuellen Punkt auseinandersetzen. Wir haben eine wunderbare Landschaft in Farbe. Die Zeichnung selbst soll aber in Bleistift umgesetzt werden. Kann das funktionieren? Bzw. was ist anders? Das werden wir sehen und ergründen!

2. Der zweite Punkt bezieht sich auf die Frage, was sehen wir und wie setzen wir es um?

Einen Baumstamm zu sehen und zu zeichnen ist sicherlich eine für uns nicht ungewohnte Übung. Aber das unendliche Laub, die unendlichen Blätter eines Baumes darzustellen...? Hier müssen wir über Schraffuren eher Blätter bzw. Blattwerk andeuten. Jedes einzelne Blatt zu zeichnen, ist kaum möglich. Diese Auseinandersetzung findet immer an den Stellen statt, wo unzählige kleine Dinge eine Fläche oder eine Situation bilden.

Die erste Landschaftsvorlage in dieser Lektion ist eher ein Landschaftsfragment mit ein bisschen Zivilisation, um mit dem Bleistift eine bessere Orientierung zu finden.

Aber fangen wir doch einfach mal an und genießen diese erste Landschaft!

Landschaft

"Es ist, als ob jeder Baum auf dem Lande zu mir spräche: „Heilig, heilig!"

Ludwig van Beethoven

 Auf auf zum fröhlichen Wandern!

Übungsablauf für eine Skizze

Schritt 1 Die Flächengliederung

Der erste Schritt soll der Orientierung dienen. Wir haben einzelne Bereiche auf diesem Foto, die wir genauso auch auf unserem Papier umreissen sollten, um überhaupt eine Orientierung zu bekommen. Wir werden in vielen Bereichen relativ frei arbeiten müssen, da wir kaum Gegenstände definieren können. In dem Fall ist es immer gut zu wissen, wo diese freie Arbeit stattfinden soll.

Die einzelnen Flächen, die die Flächengliederung bestimmen, sind die folgenden:

  • Himmel
  • Hecke
  • Gras
  • Wasser
  • Fahrrinnen
  • Wald im Hintergrund
  • Gatter, Zaun und Strommastrasch

Schritt 2 Die Bleistiftskizze

Nach der Orientierungsphase solltest Du die einzelnen Flächen etwas genauer setzen. So macht es z.B. Sinn, die Perspektive der Fahrspuren zu zeichnen, die Form der Pfützen usw. Um so genauer die Vorzeichnung ist, um so freier kannst Du später in den einzelnen Flächen arbeiten.

Außerdem macht es Sinn, die definierbaren Bereiche, wie Gatter etc. schon einmal genauer anzuskizzieren. Gerade die hellen Bereiche sollte man in den einzelnen Zeichenschritten freilassen können. Dazu muss man natürlich vorher definieren, wo sie sind.

Ebenso die größeren Pflanzenbereiche, wie links das hohe Gras oder ganz rechts die Bäume können auch bereits genauer skizziert werden.

Zeit: solange es dauert


Schritt 3 Die Schwärzen

Die Schwärzen kommen in dieser Übung recht früh. Hier gibt es zwei grundsätzlich unterschiedliche Vorgehensweisen. Bei beiden ist der weiche Bleistift das Material.

Wie bereits in anderen Übungen haben wir dunkle Flächen, auch kleine, die wir sehr genau erkennen können. Diese Flächen zeichne sehr gezielt und genau!

In den gröberen Pflanzenbereichen sieht es da ganz anders aus. Hier siehst du viele kleine und winzige dunkle Bereiche, die trotz der Winzigkeit sehr wichtig sind, da sie über die Struktur und Kleinteiligkeit des Grüns an der Stelle Auskunft geben. Hier ist es eher wichtig, das Prinzip dieser dunklen Stellen nachvollziehen zu können.

Setze in diesen Arealen einfach irgendwelche kleinen dunklen Spuren, die z.B.

  • die gleiche Richtung einnehmen
  • die gleiche Dichte haben
  • an ähnliche Formen erinnern usw.

Du kannst unmöglich jede kleine Fläche genau zeichnen. Gehe also auch nicht mit diesem Anspruch an diesen Schritt.

Sei nicht zu verhalten und mache ggf. vorher ein paar Tests auf einem anderen Papier.

Bei allen folgenden Schritten benutze die Bleistiftstärken, von denen Du glaubst, dass sie sinnvoll sind! Versuche Dich immer wieder neu und selbst zu entscheiden.

Zeit: rasch


Schritt 4 Das Gebüsch

Genau so wie Du im Schritt vorher die Dunkelheiten gesetzt hast, arbeite nun den kompletten Heckenbereich aus. Das darf schon etwas dauern.

  • lange gebogene Linien für das hohe Gras
  • kleine buschige Bereiche für die Blattansammlungen
  • teilweise kantige Spuren für die getrockneten Grasbereiche und Zwischenräume

Versuche auch ein bisschen mit Hell und Dunkel zu arbeiten, oder ... heller und dunkler.

Du musst nicht die ganze Hecke füllen. 50% reicht aus.

Versuche nicht zu pingeln, sondern das Prinzip zu verstehen, und mit diesem Prinzip einigermaßen „frei“ zu arbeiten.

Zeit: solange es dauert


Schritt 5 Der Rasen

Genauso erarbeite auch die Rasenfläche. Hier werden es eher kurze Linien sein. Kneife beim Betrachten die Augen zusammen und versuche zu sehen, wo Bereiche etwas heller oder dunkler sind.

Das Gras im unteren Randbereich der Hecke hat wesentlich mehr Differenzierungen als beispielsweise die große rechte Grasfläche. Ebenso den Mittelstreifen zwischen den beiden Fahrrinnen kannst Du etwas differenzierter darstellen.

Zeit: 1 Minute


Schritt 6 Matsche und Wasser

Die Matsche und das Wasser bestehen nun tatsächlich einfach nur noch aus Hell und Dunkel. Aufgrund von Licht, Schatten und Spiegelung entstehen grundsätzlich immer wieder neue Situationen.

Hier reicht nicht das Erkennen eines Prinzips. Hier musst Du immer wieder genau schauen.

Um die Glätte der Wasserfläche darzustellen, arbeite hier vorzugsweise mit waagerechten Schraffuren.

Zeit: 1-2 Minuten


Schritt 7 Der Himmel

Der Himmel ist noch einmal sehr besonders. Im Grunde genommen so hell, dass man ihn fast ignorieren könnte. Wären da nicht diese vielen kleinen Differenzierungen in der Fläche.

Schaue sehr genau und erarbeite mit einem H-Bleistift eher regelmäßige feine parallele Schraffuren z.B. in einem 45° Winkel.

Zeit: 1-3 Minuten


Schritt 8 Der Rest

Nun zeichne den Rest nach alter Väter Sitte:

  • Zaun und Gatter
  • Mast und Zusatz
  • Wald im Hintergrund

Zeit: so lange es dauert


 Die erste Bleistiftlandschaft – wie war’s?

Die Tücke einer solchen Aufgabe liegt in der Tatsache, dass man eigentlich schnell arbeiten muss, damit die Zeichnung lebendig und fließend aussieht. Trotzdem macht eine zeitliche Limitierung wenig Sinn, dass man schon auch sehr differenziert schauen muss.

Wenn Dir die Übung etwas schwer vorkam, wundere Dich nicht, sondern trainiere weitere Landschaften und ähnliche Motive in ähnlicher Form. Hier lernt man sehr viel durchs Machen.

Reflektion

1. Wie würdest Du die Realität Deiner Landschaft beschreiben? Sehr realistisch, einigermaßen realistisch, eher nicht erkennbar? Was könntest Du in einer weiteren Zeichnung dementsprechend anders machen?

2. Welcher Bereich Deiner Zeichnung ist am besten gelungen. Was denkst Du warum?

3. Fandest Du das Motiv eher schwer oder ist es Dir sogar leicht gefallen?

So schleichen sich immer neue Wahrnehmungsformen und Umsetzungsmöglichkeiten in Dein Repertoire ein. Viel Spaß beim neuen Entdecken Deines Umfeldes!

Vielleicht wird Dein Blick plötzlich sensibilisiert für das gärtnerische Begleitgrün in Deiner Wohngegend.

Genieße Deine Woche!

Dein HOWDOYOUKUNST-Team

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