The Lifestyle of Zeichnen

The Lifestyle of „Zeichnen“

Zeichnen ist nach wie vor eine der sehr wichtigen, aber oft nicht mehr so angestrebten künstlerischen Techniken.

Auf der einen Seite ist Zeichnung absolut traditionell und scheint für viele Künstler und Betrachter veraltet, überholt. Auf der anderen Seite kann kaum ein Künstler ihre Wichtigkeit verleugnen, gerade in künstlerischen Lern- oder Arbeitsprozessen.

Denn wie kann man besser seine Wahrnehmung trainieren und sensibilisieren als durch das Erlernen von Zeichnung? Wie kann man besser Ideen und Projektphasen visualisieren, als durch eine rasche Skizze?

Die Neuentdecker

Schaut man sich die Arbeiten dieser Neuentdecker an, dann mag man mehr als überrascht sein, dass viele dieser Arbeiten nichts mit einem herkömmlichen Verständnis von Malerei zu tun haben und teilweise enorme Größen annehmen. Wunderbare Beispiele findet man in dem Buch „Vitamin D2 – New Perspectives in Drawing“ aus dem Phaidon-Verlag, z.B. Edgar Arceneaux, Yehudit Sasportas oder Mirea Suciu.

Außerdem geht es bei den Neuen dieser Zunft nicht mehr um die Abbildung der Realität um der Abbildung willen, sondern es geht um die Abbildung von Realität um der Aussage willen. Zeichnung wird immer mehr wiederentdeckt, weil es kaum eine Technik gibt, in der man Realität so exakt und teilweise verhältnismäßig einfach darstellen kann. Alles um der Intention willen.

Aber diese Art der Zeichnung ist bereits eine sehr edle. Bevor man in diese hohen Sphären kommt, muss man die Zeichnung und eine gute Wahrnehmung zuerst einmal trainieren und erlernen. Und hier fängt für viele das Übel und der Grusel an. Hier sind sich alle einig: Zeichnen ist anstrengend, mühevoll, es dauert lange, man kann die Sachen nicht ausstellen und verkaufen.

Zeichnen versus Malen

Wenn man dagegen malt, ein bisschen rot, ein bisschen blau, womöglich noch ein Quentchen Strukturpaste - dann sind sich alle einig ob der vorhandenen Qualität. Die leicht zynische aber immer lächelnde Note liegt in meiner inzwischen 20jährigen Erfahrung als Dozent begründet, in der ich mit diesen Vorurteilen immer wieder konfrontiert werde und wurde.

Wie einfach ist es, ausreichend motivierte Teilnehmer für ein Malseminar zu gewinnen, wie schwierig hingegen eine Handvoll motivierter Zeichner zusammenzubringen. Schaue ich auf meine eigene Ausbildung zurück, so kann ich nicht verhehlen, dass Zeichnenlernen hin zu einer gewissen Qualität sicherlich eine geraume Zeit dauern kann. Aber dieses Phänomen ist uns nicht unbekannt, denken wir an Musik, Sprachen oder Sport.

Lediglich von der Kunst erwarten wir als reflektierte Erwachsene: Kaufe ich eine Leinwand und Farbe, dann muss mich alleine dieser Kauf schon dazu befähigen, sofort wunderbare Bilder malen zu können. Die Enttäuschung ist dann meistens groß, wenn dem nicht so ist. Auch das ist ein Phänomen.

Aber ganz ehrlich, was gibt es schöneres, als etwas individuell zu erlernen, sich immer wieder neuen Erfahrungen hinzugeben um letztendlich zu einem eigenständigen guten Ausdrucksmittel zu kommen. Natürlich ist es auch mühevoll und natürlich muss man seinen Weg auch durchhalten, aber hier kommen drei wichtige Begriffe ins Spiel, die es nicht nur erleichtern, sondern den Weg erstrebenswert machen: 

Ritualisierung, Lifestyle und Routine!

Ein Studium hat es da natürlich leichter. Man wählt aus einer unzähligen Anzahl von Zeichenseminaren und dann zeichnet man und hinterfragt es erst gar nicht. Ich erinnere mich immer noch gerne an mein erstes Zeichenseminar an der FH-Münster, Visuelle Kommunikation und Illustration. Passend zur Stadt Münster zeichneten wir einen Monat lang Fahrräder. Die anfangs verhassten unzähligen Ellipsen dieser metallenen Gefährten waren mehr als eine Herausforderung.

Aber das stetige Wiederholen der immer gleichen Fehler und das Begreifen, wie zeichne ich eine Elipse im Sinne von „Was muss meine Hand eigentlich ganz genau tun“, haben es auch mir irgendwann ermöglicht, diese speziellen Realitäten auf dem Papier mit dem Bleistift wiederzugeben. Fast wurde es zur Passion.

In späteren Seminaren, zum Beispiel bei Rolf Escher, haben wir die heimischen Industriemuseen besucht, Eisenhütten, ein Schiffshebewerk usw. Die Suche nach den Situationen, die man wirklich zeichnen möchte, das tagelange Sitzen an der frischen Luft, das Erspüren eines Ortes, all das hat nicht nur unsäglich viel Spaß gemacht, sondern es wurde fast zur Sucht und beflügelte zu unglaublichen Ergebnissen.

Wie wunderbar ist es, eine Stadt wie Venedig zeichnerisch zu erkunden. Man hetzt nicht von Kirche zu Kirche, von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit, sondern man sitzt einfach 3 Stunden auf irgendeinem Campo, hört die schwatzenden Italienerinnen und Italiener, die Geräusche und das Quieken spielender Kinder, die Sonne scheint, ein Lüftchen weht – das ist wirklich ein Eintauchen in eine andere Welt. 

Und das ist wirklich Lifestyle.

Statt zum Sport zu gehen oder in ein Restaurant oder eine Kneipe trifft man sich einfach einmal pro Woche zum Zeichnen, mal hier, mal da, mal zu Hause bei einem Weinchen oder einer Schwarzwälder Kirsch. Und da kommt auch schon die Routine oder das Ritual dazu.

In dem Moment, in dem man einen festen Tag oder Termin pro Woche für das Zeichnen anfängt zu pflegen, muss man gar nicht mehr mühevoll nach Terminen suchen und abwägen, sondern es ist klar, montags wird gezeichnet. Es ist einem selbst klar, aber nach und nach auch allen Freunden. Plötzlich ruft zu dem Zeitpunkt niemand mehr an oder möchte sich womöglich für einen Montag verabreden. Es wird immer leichter.

Kontinuierliches Training

Ohne Kontinuität kein erfolgreicher Lernprozess. Das wissen wir auch von HOWDOYOUKUNST. Deshalb haben wir unsere Wochentrainings konzipiert, Onlinekurse für Malerei und Zeichnung, für Basics und für Fortgeschrittene. Jede Woche ereilt Euch eine Übung. Wir können Euch zu Eurem Ritual verhelfen, durch eine wöchentliche kurze Einführung in ein Thema, einer Übung zu demselben und einigen reflektierenden Fragen am Ende. Hier geht es zu den Wochentrainings! 

Habt Ihr Interesse oder Fragen dazu, meldet Euch kurz. Aber vor allem: Macht das Zeichnen zu Eurem Lifestyle!

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Wer schreibt hier?

Stephan Geisler ist freischaffender Künstler aus Bochum. Er stellt seine Werke international aus und ist seit 20 Jahren an Kunstakademien als Dozent tätig. E-MailTwitterBlog

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