Biennale in Venedig 2015: Monica Bonvincini

Biennale in Venedig 2015 – die Installation von Monica Bonvincini

Dieser Beitrag ist  der zweite unserer kleinen Serie über diesjährige Biennale Arte in Venedig. Auf einem Bummel erkunden wir diverse Ausstellungen. Komm doch mit! (hier findest Du den vorherigen Beitrag). 


Die Austragungsorte der Biennale

Neben all den unendlichen Nebenschauplätzen unterteilt sich die Biennale in Venedig klassischerweise in zwei Hauptaustragungsorte. Auf der einen Seite gibt es die Giardini, die Gärten, ein Parkgelände am Ende des eigentlichen Venedigs Richtung Lido. Das ist der Ort an dem alles begann. Hier wurden die ersten Länderpavillons gebaut, nach und nach haben immer mehr Länder hier ihren festen Standort gefunden. Heute ist dieses Gelände geprägt von einem wunderbar alten Baumbestand, einer ruhigen Atmosphäre und einer Natürlichkeit, die einen, selbst wenn es voll ist, herunterkommen lässt. Durch den Schatten der Bäume wandelnd offenbart sich hier und da plötzlich ein Durchblick auf das „diamantenbesetze“ schillernde Wasser der Lagune mit seinem bunten Treiben unzähliger Schiffe. Venedig ist an vielen Stellen unwirklich.

Auf der anderen Seite gibt es das Arsenale, ein altes Marinegelände, im Ursprung ein altes, fast marode scheinendes unendliches Gebäude, 6-8 Meter hoch, ein dunkles Dachgebälk, dunkle Ziegel, hier und da ein paar Säulen. Hier werden hunderte von Kunstwerken aller Genres gezeigt, eine Show und Zusammenstellung des jeweiligen Hauptkurators, museal und professionell eingebaut in eine vergessene Zeit. Diese Hallen scheinen unendlich. Der Betrachter gerät sehr schnell an sein persönliches Fassungsvermögen bzw. Auffassungsvermögen.

Mittlerweile haben sich auf diesem Gelände aber auch einige Länderpavillons eingeschlichen. So findet man hier Japan, Argentinien, die Emirate, Südafrika und einige mehr. In diesem Jahr hat sich . Okwui Enwezor hier als Kurator betätigt. Seine „Show“ mit dem Titel „All The World’s Future“ soll eine Bestandsaufnahme des Zustands unserer globalen Gesellschaft sein. Ein großes Thema, welches vieles, fast alles zulässt, und damit dem Kurator ziemlich freie Hand gewährt.

Die Installation von Monica Bonvincini

Wandelt man durch die Ausstellung trifft man plötzlich auf einige dunkle Hängeskulpturen. Eine Installation von Monica Bonvicini. Sie ist 1965 in Venedig geboren, ist gleichermaßen Künstlerin und Hochschullehrerin und lebt und arbeitet in Berlin und Wien. Frau Bonvicini arbeitet medienübergreifend mit Installationen, Skulpturen, Video, Fotografie und Zeichnung.

Die Dunkelheit dieser Installation ist ein tiefes fast glänzendes fremdartiges Schwarz. Diese dunklen merkwürdigen Gebilde entpuppen sich bei näherer Betrachtung sehr schnell als jeweils eine Ansammlung von Kettensägen. 

Installation von Monica Bonvincini Biennale 2015
Installation von Monica Bonvincini Biennale 2015
Installation von Monica Bonvincini Biennale 2015

Mir kommt sofort der Titel des schlingensiefschen Films „Das große Kettensägenmassaker“ in den Sinn. Die Ansammlung der hängenden Kettensägen alleine, in dieser neuen Präsentationsform, ist bereits eine Verrätselung. Wir kennen Kettensägen nur als Individuum in ihrem funktionalen Gebrauch, nicht aber im Raum hängend und nicht in dieser Gruppenbildung.

Die nächste Verfremdung ist die Überziehung der Kettensägenansammlungen mit einer schwarzen Masse. Dadurch werden plötzlich alle Kettensägen einer Gruppe zu einem einzigen Objekt. Diese hängenden Objekten vermitteln auf Anhieb etwas Unheimliches, etwas Abhängendes, etwas Fremdartiges. Würden wir nicht gerade in dieser etablierten Ausstellung auf diese Objekte treffen, sondern würden wir sie bei einem Waldspaziergang in einigen Bäumen hängen sehen, oder in einem verlassenen Gebäude, welches wir uns vorgenommen haben, aus purer entfesselter Neugierde zu erkunden, uns würde ein Schauer über den Rücken laufen.

In dem Moment, in dem wir erkennen, was die Grundbausteine dieser Akkumulationen sind, wäre uns ein zweiter Schauer sicher. Versuchen wir, auch hier wieder lediglich als aufmerksamer Betrachter, den Sinn zu erkennen, bleiben wir sehr schnell bei dem Geschilderten hängen. Alle Assoziationen gehen in die Richtung Krieg, Gräuel, Grausamkeiten, Brutalität, Aggression. Etwas Konkretes lässt sich schwerlich zuordnen.

Trotz dieser Assoziationen locken die Arbeiten von Monica Bonvicini. Gerade diese Diversität macht stutzig. Kann etwas Schönes so grausam sein? Oder darf ich in etwas so grausam Scheinenden die Schönheit dahinter auch sehen, ja sogar gutheißen?

So schleicht sich peut-a-peut die Frage ein, an welchen Stellen betrachten wir tatsächlich mit einem freien Geist, an welchen Stellen hat die Gesellschaft längst unsere Meinung gebildet, ohne dass wir es jemals bemerkt hätten?

In diesem Sinne vielen Dank, Frau Bonvincini!

In Kürze veröffentlichen wir eine Zeichenaufgabe, die auch von der Biennale inspiriert ist. Lasst Euch überraschen und schürt schon ein wenig das Feuer der Vorfreude! Have a happy day!


Die Kunstausstellung der Biennale in Venedig (Biennale Arte) findet alle zwei Jahre statt. Auf der seit 1895 durchgeführten internationale Ausstellung stellen 28 Länder in nationalen Pavillons aus, dazu kommen zahlreiche weitere Ausstellungen, die in der Stadt zerstreut sind.

In 2015 läuft die Biennale Arte vom 9. Mai bis 22. November. Hier geht es zur Internetseite: www.labiennale.org/en/art


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Wer schreibt hier?

Stephan Geisler ist freischaffender Künstler aus Bochum. Er stellt seine Werke international aus und ist seit 20 Jahren an Kunstakademien als Dozent tätig. E-MailTwitterBlog

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